Ohrenschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Dieser Beitrag gibt einen Überblick darüber, welche homöopathischen Mittel bei Ohrenschmerzen traditionell genannt werden, welche begleitenden Maßnahmen infrage kommen und wie typische Beschwerdebilder in der homöopathischen Literatur beschrieben werden.
Häufig stehen Ohrenschmerzen im Zusammenhang mit Entzündungen des Mittelohres oder des äußeren Gehörgangs. Begleitend können zum Beispiel Druckgefühl, Hörminderung oder ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten.
Wann Ohrenschmerzen ärztlich abgeklärt werden sollten
Bei starken oder anhaltenden Schmerzen, Fieber, Hörminderung, Schwindel sowie bei Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden. Das gilt besonders für Säuglinge und kleine Kinder.
Mögliche Ursachen von Ohrenschmerzen
Häufig stehen Ohrenschmerzen mit Entzündungen des Mittelohres oder des äußeren Gehörgangs in Zusammenhang. Eine Mittelohrentzündung entwickelt sich oft im Anschluss an einen Infekt des Nasen-Rachen-Raums. Durch die Schwellung der Schleimhäute kann die Belüftung des Mittelohres gestört werden, sodass Sekretstau und Druckschmerz entstehen.
Auch eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, etwa durch Infektionen oder kleine Verletzungen, kann starke Beschwerden verursachen. Je nach Ursache können Ohrenschmerzen unterschiedlich stark ausgeprägt sein und von weiteren Symptomen begleitet werden.
Erste Hilfe und begleitende Maßnahmen bei Ohrenschmerzen
Begleitend können Wärme, Schonung und – bei Druckbeschwerden – Maßnahmen zum Druckausgleich als angenehm empfunden werden. Geeignet sein können zum Beispiel ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche sowie Gähnen, Schlucken oder Kaugummikauen, etwa bei Beschwerden im Flugzeug.
Auf die Reinigung des Gehörgangs mit Wattestäbchen sollte verzichtet werden. Wenn Ohrenschmalz Beschwerden verursacht oder stärkere Schmerzen bestehen, sollte die weitere Behandlung fachlich abgestimmt werden. Bei stärkeren Beschwerden können geeignete Schmerzmittel sinnvoll sein; maßgeblich sind die Hinweise in der Packungsbeilage.
Welche homöopathischen Mittel bei Ohrenschmerzen häufig genannt werden
Homöopathische Mittel werden traditionell nicht allein nach der Diagnose, sondern nach dem individuellen Beschwerdebild ausgewählt. In Übersichten zu Ohrenschmerzen werden häufig unter anderem Aconitum, Apis, Belladonna, Bryonia, Chamomilla, Ferrum phosphoricum, Mercurius solubilis und Pulsatilla genannt.
Die folgenden Kurzprofile geben einen Überblick über typische Beschwerdebilder, mit denen diese Mittel in der homöopathischen Literatur in Verbindung gebracht werden.
Aconitum
Plötzliche Ohrenschmerzen, häufig nach Einwirkung von Kälte oder kaltem Wind. Hohes Fieber. Nächtliche Verschlimmerung. Rotes Gesicht, das beim Aufsetzen blass wird.
- Indikation:
Plötzlicher Beginn von Ohrenschmerzen nach Kälteexposition oder einem kalten Windzug. Geeignet für die akute Phase. - Begleitsymptome:
- Trockenheit im Ohr.
- Unruhe und Angst.
( gehe zu Aconitum )
Apis
Trommelfell, Gehörgang und Ohrmuschel entzündet, gerötet und stark geschwollen. Stechende Schmerzen. Verschlimmerung durch Wärme, Berührung, Schlucken. Besserung durch Kälte, frische Luft. Typischerweise rechtsseitige Beschwerden. Durstlosigkeit. Nervöse Unruhe.
( gehe zu Apis )
Belladonna
Hohes Fieber mit heißem Kopf und kalten Extremitäten. Gerötetes Gesicht. Erweiterte Pupillen, lichtempfindliche Augen. Typischerweise rechtsseitige Beschwerden. Ohrenschmerzen verschlimmert durch Berührung, Erschütterung (zum Beispiel beim Gehen), Luftzug, nachmittags oder vor Mitternacht. Heftige Gemütserregung mit Wutanfällen.
- Indikation:
Plötzlich einsetzende, starke Ohrenschmerzen mit klopfendem oder pochendem Charakter. Das betroffene Ohr ist rot, heiß und empfindlich. - Begleitsymptome:
- Fieber, oft mit heißem Kopf und kalten Extremitäten.
- Lichtempfindlichkeit und Unruhe.
Bryonia
Insbesondere bei Gehörgangsentzündung angezeigt. Meist stechender Schmerz. Verschlimmerung durch die geringste Bewegung, Wärme, Berührung. Besserung durch Ruhe, Liegen auf der schmerzhaften Seite. Großer Durst. Reizbarkeit.
( gehe zu Bryonia )
Chamomilla
Ausgeprägte Empfindlichkeit gegen Schmerzen. Verschlimmerung der Ohrenschmerzen durch kalte Luft. Reizbarkeit mit Zornausbrüchen, die durch die Schmerzen ausgelöst werden können. Will ständig herumgetragen werden. Einseitige Wangenröte.
- Indikation:
Besonders geeignet für Kinder, die extrem reizbar, weinerlich und überempfindlich auf Schmerz reagieren. Der Schmerz ist meist einseitig und stechend. - Begleitsymptome:
- Schreiendes Kind, lässt sich kaum beruhigen.
- Oft beim Zahnen oder nach einem Windzug.
Ferrum phosphoricum
Frühes Stadium der Ohrenschmerzen, wenn nur wenige Hinweise auf ein anderes Arzneimittel vorhanden sind. Meist nur mäßiges Fieber. Nasenbluten. Erbrechen. Gesicht abwechselnd blass und rot.
- Indikation:
Für beginnende Ohrenschmerzen, die noch nicht stark ausgeprägt sind. Typisch ist ein leichter, dumpfer Schmerz ohne Eiterbildung. - Begleitsymptome:
- Leichte Rötung im Ohr.
- Oft bei Erkältung oder in der frühen Phase einer Mittelohrentzündung.
( gehe zu Ferrum phosphoricum )
Mercurius solubilis
Starke Schweißneigung, vor allem nachts. Speichelfluss und übler Mundgeruch, Zahneindrücke auf der Zunge. Trommelfelldurchbruch mit übelriechender, wundmachender, gelbgrüner Eiterung. Zittrige Schwäche. Verschlimmerung nachts, durch Hitze, Kälte, Zugluft, Schwitzen. Besserung der Ohrenschmerzen durch Ruhe.
( gehe zu Mercurius solubilis )
Pulsatilla
Das Kind ist weinerlich, verlangt nach Zuwendung und möchte in den Arm genommen werden. Besserung in frischer Luft, verträgt keine Wärme. Trockener Mund, aber durstlos. Typischerweise linksseitige Entzündung oder Ohrenschmerzen. Die Schmerzen treten in Intervallen auf. Bei Trommelfelldurchbruch (und auch generell) milde, dickflüssige, gelbe Eiterung. Die Ohrmuscheln sind rot und heiß.
Häufige Fragen zu Homöopathie bei Ohrenschmerzen
Wie sollten homöopathische Arzneimittel eingenommen werden?
Der Bundesverband Patienten für Homöopathie empfiehlt bei der Selbstbehandlung für alle homöopathischen Arzneimittel die Potenz C12. Zwei bis drei Globuli gelten als eine Gabe.
Bei Bedarf kann eine Gabe bis zu viermal täglich wiederholt werden. Zwischen den Gaben sollte jeweils abgewartet werden, wie sich die Beschwerden entwickeln.
Die Globuli lässt man im Mund zergehen. Etwa 15 Minuten vor und nach der Einnahme sollte möglichst nichts gegessen oder getrunken werden.
Bei starken, anhaltenden oder unklaren Beschwerden sowie bei Beschwerden von Kindern sollte fachlicher Rat eingeholt werden. Homöopathie kann eine sorgfältige Beobachtung und notwendige medizinische Hilfe nicht ersetzen.
Informationen zur Homöopathie
Im Bereich Anwendung finden Sie weitere Informationen zur Selbstbehandlung, zu homöopathischen Arzneimitteln sowie zu Beschwerden und Erkrankungen. Der Bereich Behandlung in der Praxis erklärt, wie eine professionelle homöopathische Behandlung abläuft.
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