Bryonia alba – Weiße Zaunrübe

Substanz

Die weiße Zaunrübe ist eine Kletterpflanze mit großer, wasserspeichernder Wurzel. Sie gehört zu den Kürbisgewächsen. Die Signatur der Pflanze hilft uns, einige wesentliche Aspekte des Arzneimittelbildes zu erinnern: Zum Klettern braucht die Pflanze materiellen Halt; die Wurzel verlangt nach viel Wasser (Durst), das sie aber unterirdisch speichert (Sparsamkeit bis zum Geiz). Der Zusammenhang mit dem Wasserbedarf schlägt die gedankliche Brücke zur Trockenheit (einem wesentlichen Phänomen im Bild von Bryonia). Das lateinische Wort „humor” bedeutet Feuchtigkeit; wenn diese „Feuchtigkeit” im Leben fehlt, resultiert ein „humorloser” Mensch, und zum Bild von Bryonia gehören in der Tat Ärgerlichkeit und Gereiztheit im Umgang mit ihrer Umwelt.

Einsatzbereich Bryonia

Bryonia wirkt in erster Linie auf alle „inneren Häute” des Menschen, also auf die Hirnhaut (Kopfschmerzen bei Fieber ), das Rippenfell (Schmerz beim Husten und tieferen Atmen ), Bauchfell (Bauchschmerzen bei Entzündungen in diesem Bereich), Gelenkinnenhaut (Schmerzen der entzündeten Gelenke bei jeder Bewegung). Die Schleimhäute sind ebenfalls betroffen und ausgesprochen trocken. Meist entstehen die schmerzhaften Beschwerden durch Entzündungen der entsprechenden Gewebsregion. Die Schmerzen können sich auf den Kopf und den gesamten Bewegungsapparat erstrecken.

Leitsymptome

  • Heftige, helle, stechende, berstende oder reißende Schmerzen
  • Schmerzen werden schlimmer durch die geringste Bewegung
  • Patient möchte den schmerzhaften Bereich absolut ruhig halten (zum Beispiel nur flach atmen)
  • Haut und sämtliche Schleimhäute sind trocken (Mund, Lippen, Schlund etc.)
  • Großer Durst auf große Mengen kalter Getränke
  • Berstende Kopfschmerzen bei der geringsten Bewegung und beim Husten
  • Bitterer Mundgeschmack
  • Gefühl wie ein Stein im Magen nach dem Essen
  • Verstopfung mit trockenen, harten und großen Stühlen
  • Stechender Schmerz in der Brust beim Husten; hält sich die Brust beim Husten
  • Die weibliche Brust kann entzündet, heiß, hart und erschütterungsempfindlich sein
  • In der Krankheit auffallend gereizt, will seine Ruhe haben
  • Schmerzhafte Gelenke, heiß, rot und geschwollen sowie bewegungsempfindlich

Modalitäten

Schlimmer

  • Geringste Bewegung, Anstrengung, Bücken, Aufrichten, Husten, tiefes Atmen
  • warmer Raum, äußere Hitze
  • Berührung (körperlich und emo-tional!)
  • Nach dem Essen
  • Oft rechte Seite stärker betroffen
  • Ärger und Aufregung

Besser

  • Druck von außen, Liegen auf der schmerzhaften Region bzw. Seite.
  • Kühle Luft, kalte lokale Anwendung
  • Kalte Getränke (außer bei Magenschmerzen)
  • Durch und nach Schwitzen
  • Ruhe

Wirkdauer

  • Kurz

Vergleichbare Mittel

Apis

  • Ähnlich: Bezug zu inneren Häuten, stechende Schmerzen, schlimmer bei Berührung, schlimmer durch Wärme, besser durch Kühlung, rechte Seite häufiger betroffen.
  • Unterschied: Durstlosigkeit! Schmerzen oft auch brennend, meist rascherer Beginn der Beschwerden, auffallend blasse Schwellungen. Nervöse Unruhe. Kind schreit oft plötzlich auf.
    ( gehe zu Apis )

Phosphorus

  • Ähnlich: Bezug zu Haut und Schleimhäuten, Lunge, Herz und Kreislauf sowie Nervensystem. Entzündungszustände mit zunehmender Schwäche und großem Durst auf große Mengen kalter Getränke, aber ohne die für Bryonia typische große Trockenheit.
  • Unterschied: Schmerzen eher brennend. Neigung zu Blutungen (zum Beispiel Nasenbluten als Begleitphänomen). Die kalten Getränke werden manchmal rasch wieder erbrochen. Neigung zu Heiserkeit bei Erkältungen. Oft eher die linke Seite betroffen (zum Beispiel Lunge!) oder schlimmer in Linksseitenlage. Eher Verlangen nach Zuwendung und Nähe! Ängstlichkeit und ängstliche Unruhe.
    ( gehe zu Phosphorus )

Rhus toxicodendron

  • Ähnlich: Schmerzen des Bewegungsapparates, aber mit völlig anderen Modalitäten! Trockener Husten. Schwellungsneigung im Gesicht (ähnlich: Apis!); stechende Halsschmerzen beim Schlucken. Durstig, verlangt kalte Milch.
  • Unterschied: Schmerzcharakter eher ziehend, reißend „rheumatisch”. Schlimmer durch Ruhe (zum Beispiel nachts im Liegen) und besser durch fortgesetzte Bewegung. Motorisch unruhig, schlimmer durch Kälte, besonders feuchte Kälte, oft Steifigkeitsgefühl als Begleitphänomen.
    ( gehe zu Rhus toxicodendron )

Wie sollten homöopathische Arzneien (Globuli) eingenommen werden?

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) empfiehlt bei der Selbstbehandlung für alle homöopathischen Medikamente die Potenz C12. 2-3 Globuli sind eine Gabe. Bei Bedarf kann man die Gabe bis zu viermal am Tag wiederholen. Die Wirkung jeder Gabe muss abgewartet werden. Die Globuli im Mund zergehen lassen. 15 Minuten vor und 15 Minuten nach der Gabe möglichst nichts essen und trinken. Homöopathische Arzneimittel gibt es nur in Apotheken.

Foto: Sammlung Dr. Frevert

Buch-Tipp

Die homöopathische Hausapotheke

Die homöopathische Hausapotheke – Die wichtigsten Arzneien für zu Hause und unterwegs

Gerhard Bleul, Patrick Kreisberger, Ulf Riker, DZVhÄ, Bonn, 3. Auflage 2011, 196 Seiten, 10 Euro.

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