Interview: Wie aus einer positiven eine negative Homöopathie-Studie wurde

Interview: Wie aus einer positiven eine negative Homöopathie-Studie wurde

Im Frühjahr 2015 ging die Nachricht um die Welt: Die australische Gesundheitsbehörde National Health and Medical Research Council (NHMRC), hat in einer groß angelegten Homöopathie-Studie keine Wirkung der Homöopathie festgestellt. Heute, zwei Jahre danach, liegt der Verdacht nahe, dass die Studienergebnisse manipuliert wurden. Dr. Alexander Tournier, Direktor des Londoner Homeopathy Research Institute (HRI), ist maßgeblich an dieser Recherche beteiligt.

 

Alexander Tournier

Dr. Alexander Tournier, aufgewachsen in Paris, war nach seinem Physik-Studium in Cambridge und Heidelberg u. a. 10 Jahre in der Krebsforschung in England tätig. Heute ist er Direktor des 2007 von ihm mitgegründeten Londoner Homeopathy Research Institute (HRI).

 

Herr Dr. Tournier, bezeichnen Sie die australische Homöopathie-Studie als Fälschung?

Wir haben uns sehr intensiv mit dieser Studie beschäftigt und können sagen: Ja, sie ist eine Täuschung der Öffentlichkeit. In unserem 200-Seiten starken Bericht haben wir viele Unstimmigkeiten dokumentiert, dies sind keine Fehler, die passieren können, sondern Fälschungen.

Was kritisieren Sie an der Studie?

Zunächst einmal: Die Studie, die veröffentlicht wurde, ist die zweite Version. Zuvor wurde von einem anderen Studienleiter eine Studie mit einem angeblich positiven Ergebnis für die Homöopathie erstellt. Trotz mehrerer Anfragen wurde diese Studie aber noch nicht veröffentlicht. Die Kriterien für die zweite Studie wurden dann so gewählt, dass ein negatives Ergebnis herauskam.

Welche waren das?

Der NHMRC sagt, die Ergebnisse basierten auf einer Auswertung von mehr als 1.800 Studien. Das stimmt nicht, tatsächlich wurden nur 176 Studien ausgewertet. Unterm Strich blieben aber nur noch 5 Studien übrig, davon war eine positiv für die Homöopathie. Es wurden nur Studien mit mindestens 150 Teilnehmern zugelassen und die Qualitätsanforderungen an diese Studien so hoch gesetzt, dass eben nur noch fünf Studien übrig blieben, die dann zu dem negativen Ergebnis führten.

Ist das ein übliches Vorgehen?

Nein, das ist absolut ungewöhnlich und widerspricht allen wissenschaftlichen Standards und auch den Regeln der NHMRC. Auch eigenartig war, dass der Studienleiter Prof. Peter Brooks Mitglied von „Friends of Science in Medicine“ war, eine Lobbyorganisation gegen Homöopathie – er hatte dies bei Studienbeginn vergessen anzugeben.

Woher haben Sie Ihre Informationen?

Da die Studie mit öffentlichen Geldern finanziert wurde, konnte Gerry Dendrinos von der Australien Homeopathic Association (AHA) die gesamte Kommunikation rund um die Studie einsehen. Viele wesentliche Stellen waren zwar geschwärzt, aber eben nicht alle.

Was unternehmen Sie jetzt mit diesen Informationen?

Wir haben unseren Bericht dem Commonwealth-Ombudsman vorgelegt und nun warten wir die Ermittlungen ab. Frischer Wind kam jetzt im April in die Geschichte, nachdem in London der Film Only One Drop vorgestellt wurde, in dem auch über die Recherchen zur Studie berichtet wird.

Informationen zur Beschwerde beim Commonwealth-Ombudsman: www.hri-research.org/Australian-Report

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