Berlin, 22. Februar 2024. Minister Karl Lauterbach hat erschreckend wenig Wissen über Homöopathie. Er plant jedoch massiv in die freie Therapiewahl, in den medizinischen Pluralismus und in den Wettbewerb der Krankenkassen einzugreifen – ohne eine plausible Begründung abzuliefern. Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) bietet in einer Serie Hintergründe zur Homöopathie. Im Teil 4 erklären wir, warum konventionelle Medizin und Homöopathie zusammenpassen

 Jede Therapie setzt eine sorgfältige Diagnostik voraus: man muss wissen, was zu behandeln ist und welche Komplikationen im Krankheitsverlauf drohen können. Moderne Diagnoseverfahren sind die Basis jeder zielgerichteten Therapie, sei sie chirurgisch, konventionell medikamentös, psychotherapeutisch oder homöopathisch.

Ein Grund, warum konventionelle Medizin und Homöopathie zusammenpassen, ist die ärztliche Ausbildung

Ärztinnen und Ärzte, die Homöopathie in ihr therapeutisches Spektrum integrieren, haben ausnahmslos ein abgeschlossenes Medizinstudium, meist eine mehrjährige Kliniktätigkeit und viele sogar eine Facharztqualifikation. Im Rahmen ihrer Ausbildung haben sie sich grundsätzlich denselben Wissens- und Erfahrungsstand erworben wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen. Manche spezialisieren sich in besonderen Fachbereichen und erwerben hochqualifizierte klinische Expertise, andere wenden sich der Grundversorgung zu und integrieren beispielsweise Methoden der psychosomatischen Medizin, einige kümmern sich z.B. bevorzugt um Sportmedizin, und wieder andere qualifizieren sich zeit- und kostenaufwändig in Homöopathie. Alle zusammen haben ohne Einschränkung das Wohl ihrer Patientinnen und Patienten vor Augen, und natürlich leben Ärztinnen und Ärzte auch von dem, was sie in jahrelanger Ausbildung gelernt haben.

Konventionelle Medizin und Homöopathie macht medizinisch Sinn

Vor diesem Hintergrund ist es unlauter, wenn der Gesundheitsminister homöopathisch qualifizierten Ärzten vorwirft, sie würden „Unsinn“ betreiben oder suggeriert, man müsse ihnen durch Entzug der Kostenerstattung quasi das Handwerk legen. Das Gegenteil ist der Fall: homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte orientieren sich ohne Einschränkung an Kriterien der Evidenzbasierten Medizin. Dazu gehört die wissenschaftliche Studienlage ebenso wie die ärztliche Erfahrung und in besonderer Weise auch die Berücksichtigung dessen, was sich Menschen im Falle von Krankheit als Therapie wünschen.

Nicht selten erfahren Ärztinnen und Ärzte im Praxisalltag, dass sie mit der Anwendung von Therapie-Leitlinien an ihre Grenzen stoßen: Leitlinien spiegeln wider, was sich in Studien an größeren Patientenkollektiven als signifikant wirksam erwiesen hat. Patienten sind aber Menschen, die sich in ihrer individuellen Vielfalt und erst recht im Krankheitsfall oft stark voneinander unterscheiden, zum Beispiel durch individuelle Symptomausprägung oder Begleitsymptome, aber auch durch (Nicht-) Ansprechen auf empfohlene Therapien oder Unverträglichkeit von Medikamenten. Darüber hinaus stellt sich die im Einzelfall schwer zu beantwortende Frage, welche Leitlinien im Falle von Gleichzeitigkeit von zwei oder mehr Krankheitsbildern eigentlich heranzuziehen sind und ob die gewählten Leitlinien dann auch tatsächlich kompatibel sind.

Konventionelle Medizin und Homöopathie heißen zusammen Integrative Medizin

In solchen und ähnlichen Fällen haben homöopathisch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, auf Ergänzungen oder auch Alternativen zurückzugreifen. Sie haben, um ein einfaches Bild zu wählen, in ihrem „Werkzeugkasten“ ein paar „Schraubenschlüssel“ mehr, wenn das konventionelle Werkzeug „nicht passt“. Das spricht nicht im Geringsten gegen die herkömmliche Ausstattung, aber es zeigt, dass man mit einem vielfältigen Set an Instrumenten der Vielgestaltigkeit von Krankheiten unter Umständen besser gerecht werden kann.

Die konventionelle Medizin ist in hervorragender Weise geeignet, Symptome unter Kontrolle zu halten und Komplikationen zu vermeiden. Die Schablonen, mit denen Krankheitsbilder beschrieben werden führen leider oft dazu, dass individuelle Symptome im Krankheitsgeschehen außer Acht gelassen werden müssen, weil sie „nicht ins Bild passen“. Diesem Manko kann man begegnen, weil Individuelles mit Hilfe der Homöopathie arzneiliche Entsprechung findet. So ergänzen sich Homöopathie und konventionelle Medizin in idealer Weise und im Interesse des Patienten. Allerdings müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte müssen stabil „auf zwei Beinen stehen“. Und Kolleginnen und Kollegen sowie Politik und Medien sollten sich zu gegenseitigem Respekt bekennen!

Autor: Dr. med. Ulf Riker, Internist – Naturheilverfahren und Homöopathie, München

Serie Hintergründe zur Homöopathie

Informationen zur Homöopathie

  • Informationen zur Selbstbehandlung mit Homöopathie, Arzneimittelbildern und Erkrankungen erhalten Sie hier.
  • BPH-Broschüre Homöopathie to go können Sie durchblättern und online für 5,50 Euro bestellen.
  • Aktuelle Informationen zur Homöopathie Forschung.
  • Informationen zu homöopathischen Arzneimitteln beim BfARM
  • Gesetzliche Krankenkassen und private Zusatzversicherungen, Informationen gibt es hier.

Bundestagspetition für den Erhalt der Homöopathie in der GKV

Die Bundestagspetition Homöopathie eines großen Verbände-Bündnisses ist seit dem 8. Februar online. Sie kann auf der Seite des Bundestags bis zum 7. März 2024 unterschrieben werden: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2024/_01/_27/Petition_162857.html. Weitere Informationen gibt es hier.

Der BPH gestaltet den Patienten-Tag auf dem Deutschen Ärztekongress für Homöopathie vom 9. bis 11. Mai 2024 in Lindau.