Lycopodium – Keulenbärlapp

Substanz

Lycopodium clavatum, der Keulen- oder Kolbenbärlapp, gehört zur Familie der Bärlappgewächse und wächst in Wäldern auf allen 5 Kontinenten der Erde. Er ist eine ca. 350-400 Millionen Jahre alte Pflanze, die damals Baumgröße besaß, heute aber mit ihren 10-20 cm langen Ästchen nur noch knapp über dem Erdboden wächst. Am Ende der Ästchen sitzen die 3-4 cm langen Sporenbehälter, die die winzigen Sporen, ein feines, gelbliches Mehl, enthalten. Dieses Mehl wird zur Herstellung des Arzneimittels verwendet. Lycopodium wurde schon im 16. Jh. vielfach als Wundpuder, bei Nieren-, Blasen- und Lebererkrankungen, Gicht und Rheuma, Ruhr und Rachitis angewandt. Am Körper getragen sollte die Pflanze vor bösen Hexen und Alpträumen bewahren, daher stammen seine altertümlichen Namen wie „Hexenkraut”, „Drudenkraut” und „Teufelsklaue”.

Einsatzbereiche

Lycopodium ist vor allem bei Beschwerden der Verdauungs und Harnorgane angezeigt: Blähungen, Verstopfung, Gallenkolik, Nierenkolik, Harnverhalt. Aber auch bei Kopfschmerzen, Ohrenentzündung, Halsentzündung und Infekten der oberen und unteren Luftwege ist es von Bedeutung, wenn die entsprechenden Modalitäten vorliegen.

Leitsymptome

  • Reizbarkeit, insbesondere bei Widerspruch, bei Kleinigkeiten, morgens beim Erwachen
  • Neigung zu Widerspruch, Rechthaberei und diktatorischem Verhalten
  • Trockene Schleimhäute
  • Typischerweise rechtsseitige Beschwerden, Beschwerden beginnen rechts und gehen nach links (Ohrenentzündung, Mandelentzündung, Bronchitis, Nierenkolik, Ischias und andere Schmerzzustände)
  • Fächerartige Bewegung der Nasenflügel bei Erkrankungen des Gehirns, der Lunge und des Bauches
  • Aufgetriebener Bauch
  • Blähungen mit lauten Darmgeräuschen
  • Heißhunger, Wechsel von Hunger und Völlegefühl, setzt sich hungrig zu Tisch, ist nach wenigen Bissen satt, nächtlicher Hunger
  • Drücken in der Magengrube, verträgt den Druck des Gürtels nicht („Spannen wie von einem Band oder Reifen um die Taille”)
  • Schmerzen vor dem Wasserlassen
  • Roter Sand im Urin
  • Rechter Fuß heiß und linker Fuß kalt
  • Schmerzhafte, empfindliche Fußsohlen

Modalitäten

Besser

  • Warme Getränke, warmes Essen
  • Kalte Anwendungen
  • Bewegung
  • Aufstoßen
  • Wasserlassen
  • Nach Mitternacht
  • Frische Luft
  • Aufdecken, Entblößen

Schlimmer

  • 16:00-20:00 Uhr
  • Kleiderdruck, Druck
  • Wärme (aber bei brennenden Schmerzen kann Wärme auch bessern)
  • Beim Erwachen
  • Wind, nasses Wetter, stürmisches Wetter
  • Fasten (aber auch Verschlimmerung durch wenig Essen oder nach Satt-essen)
  • Blähende Speisen (Kohlgemüse, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln)
  • Vor der Menstruation, bei Ausbleiben der Menstruation

Wirkdauer

  • Lang

Vergleichbare Mittel

Carbo vegetabilis

  • Ähnlich: Geblähter Bauch mit lauten Darmgeräuschen, Besserung durch Abgang von Blähungen oder Aufstoßen. Besserung in frischer Luft.
  • Unterschied: Kollapsneigung mit Schwäche, eisiger Kälte und bläulicher Hautverfärbung. Möchte die Luft am liebsten zugefächelt bekommen.
    ( gehe zu Carbo vegetabilis )

Nux vomica

  • Ähnlich: Reizbarkeit und Wut durch geringfügige Anläße. Magenbeschwerden nach (zu viel) Essen, verträgt den Kleiderdruck nicht. Verlangen nach warmen Speisen und Getränken.
  • Unterschied: Rote Gesichtsfarbe im Zorn. Verlangen nach und Folge von Medikamenten und Stimulanzien. Ausgeprägte Kälteempfindlichkeit, sogar das Anheben der Decke wird nicht vertragen. Besserung durch Wärme. Verstopfte Nase. Besserung gegen Abend.
    ( gehe zu Nux vomica )

Sepia

  • Ähnlich: Reizbarkeit und Wut durch Widerspruch. Beschwerden nach dem Essen. Besserung in frischer Luft. Bezug zu den Harnorganen, roter Sand im Urin.
  • Unterschied: Bewährtes (aber nicht ausschließliches) “Frauenmittel”, Senkungsbeschwerden im Beckenbereich, Regel- und Schwangerschaftsbeschwerden. Typischerweise linksseitige Beschwerden. Verlangen nach und Besserung durch körperliche Anstrengung und Bewegung. Besserung durch Wärme.
    ( gehe zu Sepia )

Wie sollten homöopathische Arzneien (Globuli) eingenommen werden?

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) empfiehlt bei der Selbstbehandlung für alle homöopathischen Medikamente die Potenz C12. 2-3 Globuli sind eine Gabe. Bei Bedarf kann man die Gabe bis zu viermal am Tag wiederholen. Die Wirkung jeder Gabe muss abgewartet werden. Die Globuli im Mund zergehen lassen. 15 Minuten vor und 15 Minuten nach der Gabe möglichst nichts essen und trinken. Homöopathische Arzneimittel gibt es nur in Apotheken.

Foto: Fa. Gudjons

Buch-Tipp

Die homöopathische Hausapotheke

Die homöopathische Hausapotheke – Die wichtigsten Arzneien für zu Hause und unterwegs

Gerhard Bleul, Patrick Kreisberger, Ulf Riker, DZVhÄ, Bonn, 3. Auflage 2011, 196 Seiten, 10 Euro.

Jetzt formlos bestellen unter info@dzvhae.de