Ein Interview mit Dr. Stephan Heinrich Nolte, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Homöopath und Lehrbeauftragter der Philipps-Universität Marburg
Herr Nolte, ist es möglich, bei der homöopathischen Behandlung von Asthma bronchiale ohne konventionelle Medikamente auskommen, die unangenehme Nebenwirkungen entfalten können?
Zunächst geht es immer darum, wie es dem Patienten geht, wie beeinträchtigt oder eingeschränkt er in seiner Alltagsgestaltung ist. Nicht, was der Patient „hat“, ist wichtig, sondern wie es ihm geht.
Zur Akutbehandlung eines schweren Asthmas sind bronchialerweiternde Medikamente unverzichtbar, beim schweren Anfall muss manchmal auch kurzfristig hochdosiert Cortison gegeben werden. Am Anfang der Behandlung verzichte ich ungern auf diese Medikamente.
Das Ziel der homöopathischen Behandlung ist jedoch, sie im Laufe der Zeit, wenn es dem Patienten besser geht, abzusetzen.
Was leistet die Homöopathie bei der Behandlung von Asthma bronchiale?
Die Homöopathie behandelt nicht die Diagnose Asthma, sondern den Menschen mit asthmatischen Symptomen, und betrachtet den Auslöser, die Causa, sowie die Begleitumstände, die Modalitäten. Der homöopathische Arzt wertet diese. Auslöser und Begleitumstände machen das Krankheitsbild individuell. Nicht die Krankheitssymptome selbst, die bei allen Patienten ähnlich sind: also Atemnot, pfeifende Ausatmung, Nutzung der Atemhilfsmuskulatur. Diese krankheitstypischen Symptome können für die Mittelwahl hilfreich sein, sie allein reichen aber nicht aus.
Wie unterscheidet sich das Vorgehen eines homöopathischen Arztes von dem eines konventionellen Mediziners?
Der Homöopath behandelt den Menschen, der asthmatische Symptome hat, in seiner Individualität und lebensgeschichtlichen Situation. Die konventionelle Medizin „managed“ die Krankheit Asthma mithilfe der sogenannten „Disease- Management-Programme“ (DMPs). Das Wort an sich ist schon eines der modernen „Unwörter“, denn kein Arzt wird von sich behaupten wollen, Krankheitsmanager zu sein, sondern jeder Arzt möchte Menschen helfen.
Was passiert, wenn die Symptome von Asthma bronchiale systematisch unterdrückt werden?
Wir kennen die Folgen einer lang dauernden Unterdrückung der asthmatischen Entzündung nicht. Bei Kindern sind Wachstumsstörungen bekannt. Bei älteren Menschen treten gehäuft Lungenentzündungen auf. Früher hat man die Haut bei Neurodermitis auch dann mit Cortison behandelt, wenn sie gut war, weil man sagte: „die neurodermitische Haut braucht das“. Davon ist sogar die konventionelle Medizin gänzlich abgekommen, weil es die Haut verdünnt und schädigt.
Heute gilt die Bedarfsmedikation. Bei den Schleimhäuten der Bronchien ist die konventionelle Medizin noch nicht so weit, obwohl die wissenschaftliche Studienlage längst gezeigt hat, dass eine Intervallbehandlung genau so gut ist wie eine Dauerbehandlung. Trotz dieses Wissens werden viele Patienten jahrelang dauertherapiert – das rechnet sich für die Pharmaindustrie und die Ärzte, die die Patienten in DMPs aufnehmen. Die schreiben die Krankheit dann endgültig fest.
Kann Asthma bronchiale durch Homöopathie geheilt werden?
Da es „das Asthma“ nicht gibt, sondern nur den Menschen mit Asthma, kann auch nicht „das Asthma“ geheilt werden. Sehr wohl ist es aber möglich, den Patienten mit all den bereits genannten Differenzierungen mithilfe der Homöopathie zu heilen.
Kann ich einem Asthma bronchiale vorbeugen?
Da es die erwähnten verschiedenen Asthmaformen gibt, gestaltet sich auch die Vorbeugung als problematisch. Erwiesen ist eine sehr frühe Prophylaxe: nicht rauchen in der Schwangerschaft oder in der Anwesenheit eines Babys oder Kleinkindes, Vermeidung von Frühgeburtlichkeit, Stillen des Kindes, frische Luft und Bewegung, Entspannung und Erholung, Aufenthalt am Meer, Weglassen eines auslösenden Antigens bei allergischem Asthma. Kurz, es ist ein bunter Strauß von allgemein gesundheitserhaltenden Maßnahmen, die auch Asthma vorbeugen können.