Sepia – Tinte des Tintenfischs

Substanz

Sepia wir aus der Tinte des Tintenfisches hergestellt. Bereits Hahnemann hat diese Substanz einer homöopathischen Arzneimittelprüfung unterzogen, nachdem ihm der Verdacht gekommen war, dass die von ihm beobachteten Krankheitssymptome eines Kunstmalers womöglich durch dessen regelmäßiges Pinselablecken bedingt sein könnten. Sepia enthält hauptsächlich Calcium carbonicum, Magnesium carbonicum, Natrium sulfuricum, Kochsalz und einen schwarzen Farbstoff. Trotz der Zusammensetzung aus mehreren Ausgangsstoffen wichtiger homöopathischer Arzneien ergab die Prüfung einen völlig eigenständigen Wirkungscharakter.

Einsatzbereiche

Sepia ist eines der Polychreste (griech: „Vielkönner”) im homöopathischen Arzneischatz. Meist wird das Mittel bei chronischen Krankheiten nach ausführlicher homöopathischer Anamnese verordnet. Als „Konstitutionsmittel” hat es besondere Bezüge zu Frauenleiden, wenn die Lokalsymptome einerseits und Allgemeinsymptome sowie das „psychische Bild” andererseits genau passen. Oft finden sich Senkungsbeschwerden im Bereich des Unterleibs oder Regelstörungen mit meist verspäteter und/oder abgeschwächter Menstruation, aber auch entzündliche Erkrankungen im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane. Auch chronische Hauterkrankungen haben mit Sepia oft eine sehr wirkungsvolle Arznei. Sepia passt oft dann besonders gut, wenn wir beim Kranken eine gewisse emotionale Distanziertheit und Kühle finden, die manchmal sogar mit Gleichgültigkeit oder Ablehnung gegenüber Ehepartner und Kindern einhergehen kann. Die Stimmungslage kann dabei durchaus auch als depressiv beschrieben werden, teilweise abwechselnd mit Gereiztheit.

In akuten Fällen kommt Sepia in Frage bei Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege (Nasenrachenkatarrh, Bronchitis) sowie bei Blasenentzündungen. Auch in diesen Akutfällen sollte auf die beschriebenen konstitutionellen Hintergrundaspekte geachtet werden, um eine größtmögliche Ähnlichkeitsentsprechung zwischen Krankem, Krankheitsbild und Arzneimittelbild herzustellen.

Leitsymptome

  • Innerliches Gefühl von Schwere, Leere oder von einem Klumpen
  • Gefühl von Senkung und Erschlaffung in den Baucheingeweiden
  • Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen
  • Übelkeit durch den Geruch von Speisen
  • Verstopfung ohne Stuhldrang
  • Übelriechender Urin
  • Übelriechender Stuhl
  • Übelriechender Achselschweiß
  • Schwacher Kreislauf, niedriger Blutdruck
  • Frösteln mit kalten Händen und Füßen
  • Rückenschmerzen im Lendenbereich
  • Lippenherpes (oft zyklusbegleitend)
  • Durchfall (oder sonstige Unverträglichkeit) nach Milch
  • Gelber, weißer, meist wund machender Scheidenausfluss
  • Schmerzen bei Koitus
  • Mag gerne Saures und Essig
  • Ärgerliche Gereiztheit, oder Gleichgültigkeit und Rückzug

Modalitäten

Schlimmer

  • Kälte, kalte Luft, feuchtkalte Umgebung
  • Vor und während der Menstruation
  • Morgens und abends
  • Nach dem Essen
  • Stehen
  • Viele Beschwerden auf der linken Seite

Besser

  • Wärme
  • Bewegung im Freien, an der frischen Luft
  • Kräftige Bewegung

Wirkdauer

  • Lang

Vergleichbare Mittel

Lycopodium

  • Ähnlich: sehr viele chronische und akute Einsatzbereiche; Gereiztheit; Durchfall auf Milch; übelriechender Urin; erkältlich und fröstelig; besser beim Gehen im Freien; gerne frische Luft.
  • Unterschied: Meist rechtsseitige Beschwerden oder rechtsseitiger Beginn; oft mit Blähungen und Aufstoßen verbunden; Verlangen nach Süßem; eher schlimmer durch körperliche Anstrengung und kräftige Bewegung.
    ( gehe zu Lycopodium )

Natrium muriaticum (chloratum)

  • Ähnlich: Lippenherpes; Rückzug und will eher allein sein; Schmerzen bei Koitus; Schwächegefühl, beim Erwachen.
  • Unterschied: Schlimmer durch Hitze und Sonne; großer Durst; Verlangen nach Salz; Trockenheit von Haut und Schleimhäuten; bei Infekten oft hämmernde Kopfschmerzen;
    ( gehe zu Natrium muriaticum )

Pulsatilla

  • Ähnlich: schlimmer abends; schlimmer vor der Menstruation; schwacher Kreislauf; besser durch sanfte Bewegung im Freien.
  • Unterschied: Auffallende Veränderlichkeit der Symptome und der Stimmungslage; reichliche, milde, gelbgrüne Schleimhautabsonderungen; besser durch sanfte und gleichmäßige Bewegung; mag keine Zimmerwärme.
    ( gehe zu Pulsatilla )

Wie sollten homöopathische Arzneien (Globuli) eingenommen werden?

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) empfiehlt bei der Selbstbehandlung für alle homöopathischen Medikamente die Potenz C12. 2-3 Globuli sind eine Gabe. Bei Bedarf kann man die Gabe bis zu viermal am Tag wiederholen. Die Wirkung jeder Gabe muss abgewartet werden. Die Globuli im Mund zergehen lassen. 15 Minuten vor und 15 Minuten nach der Gabe möglichst nichts essen und trinken. Homöopathische Arzneimittel gibt es nur in Apotheken.

Foto: Günther Dotzler / pixelio.de

Buch-Tipp

Die homöopathische Hausapotheke

Die homöopathische Hausapotheke – Die wichtigsten Arzneien für zu Hause und unterwegs

Gerhard Bleul, Patrick Kreisberger, Ulf Riker, DZVhÄ, Bonn, 3. Auflage 2011, 196 Seiten, 10 Euro.

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