Schulmedizinischer Hintergrund

Zur homöopathischen Selbstbehandlung eignen sich nur unkomplizierte Reizungen und Infektionen der Harnblase und der Harnröhre, die akut aus völliger Gesundheit heraus entstanden sind. Sie sollten auf eine zeitnahe und plausible Auslöse-Ursache zurückzuführen sein!

Wenn Blasenentzündungen immer wieder, mit oder ohne nachvollziehbare Ursache auftreten, so müssen Sie von einer chronischen Krankheitsbereitschaft ausgehen, die eine sorgfältige und ausführliche homöopathische Anamnese erforderlich macht; dabei muss dann immer auch der konstitutionelle Hintergrund des Kranken Berücksichtigung finden! In unklaren Fällen sollten Sie einen Urin-Streifentest oder eine Urinuntersuchung bei Ihrem Arzt durchführen lassen. Von einem bakteriellen Infekt müssen Sie ausgehen, wenn der Urin Nitrit und weiße Blutkörperchen in größerer Menge enthält!

Die typische Symptomatik einer Blasenentzündung besteht aus

  • häufigem Harndrang
  • Druck- und Völlegefühl im Unterbauch in Höhe des Schambeines
  • Schmerz in dieser Region
  • Schmerz beim Wasserlassen entlang der Harnröhre und am Harnröhrenausgang
  • Trüber Urin
  • Übler Uringeruch
  • Blutiger Urin

 

Allgemeine Maßnahmen

Grundsätzlich sollten Sie für eine größtmögliche Durchspülung der Harnwege und damit auch der Blase durch gesteigerte Trinkmenge (mindestens 3 Liter!) sorgen. Außerdem kann die äußerliche Anwendung von feuchter Wärme durch entsprechende Auflagen und Packungen über der Blasenregion zu einer verbesserten lokalen Infektabwehr beitragen (nähere Informationen hierzu finden Sie auch in der Broschüre „Wickel, Tees und Globuli”, welche in derselben Reihe von Patienteninformationen des DZVhÄ erschienen ist.)

 

Ärztliche Hilfe erforderlich

Treten im Verlauf eines Harnwegsinfektes plötzlich Schmerzen im Bereich des Rückens bzw. in Höhe der Taillen auf oder kommt es zu Fieber mit Schüttelfrost, dann sollte unverzüglich ein Arzt hinzugezogen werden! Sie müssen dann von einem zur Niere aufsteigenden Infekt ausgehen, welcher in eine Nierenbeckenentzündung mit unter Umständen schweren Komplikationen münden kann!

 

Die wichtigsten Arzneimittel

Apis

Brennende und stechende Schmerzen oft schon zu Beginn des Wasserlassens; häufiger schmerzhafter Harndrang, bei Frauen oft vor der Menstruation; der Urin wird als heiß empfunden und geht nur tröpfelnd ab; oft spärlicher Urin; Empfindlichkeit und Verschlimmerung der Beschwerden durch Wärme (!), lokale Kälteanwendung führt zur Beschwerdelinderung. Meist durstlos. Manchmal mit Wassereinlagerungen im Gewebe, zum Beispiel um die Augen.
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Cantharis

Der Schmerz steht hier ganz im Vordergrund! Der Schmerz ist schneidend, brennend, krampfartig, der Kranke zieht die Beine an und schreit vor Schmerz; jeder einzelne Tropfen brennt wie Feuer; die geringste Urinmenge in der Blase löst bereits wieder heftigen Harndrang aus; der Urin kann rasch blutig werden.

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Dulcamara

Harnwegsinfekt bei jeder Erkältung, vor allem nach kalter Nässe; oft passend nach warmen Tagen und abendlicher Abkühlung, zum Beispiel im Herbst; dann auch sofort häufigerer Harndrang.

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Lycopodium

Druck, Schwere- und Völlegefühl in der Blase, muss aber lange warten, bis der Urinfluss beginnt; übelriechender Urin mit rötlichem, sandigem Bodensatz; oft begleitend Blähungen.

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Nux vomica

Ständiger, aber erfolgloser Harndrang, Urin geht nur tropfenweise ab und dann scheint sich der Blasenausgang wieder zusammenzukrampfen; oft nach Kälteexposition, deutliche Linderung durch lokale Wärmeanwendung.

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Pulsatilla

Rasch zunehmender Schmerz in der Blase, wenn der Kranke beim Auftreten von Harndrang nicht sofort urinieren kann; muss sich ständig auf die Blase konzentrieren, sonst geht Urin unwillkürlich ab, ebenso beim Husten, Niesen oder Lachen; Gefühl die Blase sei zu voll; bei Frauen vor der Menstruation schlimmer, aber auch bei Rückenlage;

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Sarsaparilla

Reichlicher Harnfluss mit Schmerz erst am Ende des Wasserlassens; kann oft nur im Stehen urinieren; Abgang von rötlichem „Sand” mit dem Urin.

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Sepia

Harndrang, „als ob die Gebärmutter nach außen drängen” würde; Frösteln beim Harndrang oder beim Wasserlassen; muss sich zum Urinieren beeilen, sonst geht Urin unwillkürlich ab; manchmal milchiger Urin, der wie Feuer brennt; bei Frauen schlimmer während der Menstruation.

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Staphisagria

Harnwegsinfekt nach Geschlechtsverkehr, besonders bei jüngeren Frauen nach dem ersten sexuellen Kontakt; Gefühl, nach dem Wasserlassen „nicht fertig” zu sein; besser durch zusammengekrümmtes Liegen in Seitenlage.

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