Medizinwende in Sicht? Jeder Zweite glaubt laut Forsa an eine Wende hin zur Integrativen Medizin

Medizinwende in Sicht? Jeder Zweite glaubt laut Forsa an eine Wende hin zur Integrativen Medizin

Immer mehr Bürger wünschen sich eine Integrative Medizin in Deutschland. Also ein Miteinander von konventioneller Medizin und Verfahren wie Naturheilkunde, Homöopathie und Anthroposophischer Medizin, die Hand in Hand zum Wohle der Patienten eingesetzt werden.

Als Vorbild kann hier die Entwicklung in der Schweiz dienen: Seit Mitte 2017 werden die genannten Therapien in der Schweiz von der obligatorischen Grundversicherung voll erstattet, nachdem die sogenannten WZW-Kriterien – die wissenschaftliche Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit – mit positivem Ergebnis geprüft wurden. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war der starke Zuspruch der Bevölkerung zur Integrativen Medizin bei einer Volksabstimmung.

Dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) liegt eine aktuelle, repräsentative Forsa-Befragung vor, die zeigt, dass sich auch viele Bürger in Deutschland eine Wende in der Medizin wünschen – und zwar hin zur Integrativen Medizin.

Abb. 1: Forsa – Integrative Medizin in Sicht

Der Frage (Abb. 1) „Sind Sie der Meinung, dass die steigende Nachfrage nach Homöopathie eine Wende in der Medizin einleitet hin zu einer Integrativen Medizin, also dem Miteinander von Schul- und Naturmedizin?“ stimmten 51 Prozent der Befragten zu, nur 28 Prozent der Befragten waren nicht dieser Meinung. Und 21 Prozent trauten sich hierüber kein Urteil zu (weiß nicht). Bei den befragten Frauen stimmten sogar 58 Prozent zu, bei den Männern waren es 43 Prozent. Besonders stark: Selbst aus der Gruppe der Nichtverwender der Homöopathie stimmten 42 Prozent der oben genannten Meinung zu. Grundgesamtheit der repräsentativen Befragung waren 2.000 Bundesbürger ab 18 Jahren.

„Die Bürger wollen neben einer Energiewende und Mobilitätswende auch eine Medizinwende in Deutschland“, sagt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), „und zwar hin zu einer Integrativen Medizin, die konventionelle Medizin und Homöopathie Hand in Hand einsetzt“.

Darüber hinaus zeigt die aktuelle Forsa-Befragung mit Blick auf vorherige Veröffentlichungen, dass der Verwenderkreis der Homöopathie in Deutschland weiter wächst. Während im Jahr 2010 noch 45 Prozent der Bevölkerung „selbst schon einmal Erfahrungen mit Homöopathie bzw. der Verwendung homöopathischer Arzneimittel gemacht“ haben, sind es aktuell bereits 53 Prozent (Abb. 2). Frauen verwenden dabei Homöopathie öfter als Männer (61 Prozent versus 48 Prozent), und Bürger mit einem höheren Bildungsabschluss verwenden Homöopathie mit 56 Prozent häufiger als alle anderen.

Abb. 2: Forsa – Integrative Medizin – Homöopathie Verwender 2010 bis 2018

Die Wirtschaftsdaten zu homöopathischen Arzneimitteln weisen in die gleiche Richtung: Laut dem Pharma-Marktforschungsunternehmen IQVIA ist der Jahresabsatz mit homöopathischen Arzneien von rund 46 Millionen Packungen im Jahr 2012 auf 53 Millionen Packungen im Jahr 2017 gestiegen. „Die Bürger wollen neben einer Energiewende und Mobilitätswende auch eine Medizinwende in Deutschland“, sagt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, „und zwar hin zu einer Integrativen Medizin, die konventionelle Medizin und Homöopathie Hand in Hand einsetzt“.

„Auch die Wünsche und Werte der Patienten müssen im Kontext einer evidenzbasierten Medizin berücksichtigt werden“, behauptet Bajic. Die ärztliche Homöopathie gehöre zu den in Deutschland am stärksten verbreiteten Heilmethoden nach der konventionellen Medizin:

„Das Konzept der modernen Evidenzbasierte Medizin (EbM) basiert per Definition auf drei Säulen: auf der klinischen Erfahrung der Ärzte, auf den Werten und Wünschen des Patienten und auf dem aktuellen Stand der klinischen Forschung. Zu jeder dieser Säulen hat die ärztliche Homöopathie Studiendaten und Evidenz zum therapeutischen Nutzen vorzuweisen“, erklärt Bajic, „homöopathische Ärzte wehren sich gegen einen verengten Evidenzbegriff der Kritiker, der Evidenz allein auf die Säule der klinischen Forschung bzw. hier ausschließlich auf sogenannte RCT verengen möchte und die anderen beiden Säulen ausblendet“. Experten schätzen, so Bajic weiter, dass bei einer solchen Auffassung von EbM rund 70 Prozent aller Leistungen der GKV nicht evidenzbasiert sei. „Nötiger als eine Homöopathie-Debatte hat die Gesellschaft und Politik aus meiner Sicht eine klare Verständigung darüber, welcher Evidenzbegriff gilt“, so die Medizinerin.

Beitragsbild: iStock.com/rclassenlayouts

Ähnliche Beiträge: