Berlin, 24. März 2026. Dr. med. Ulf Riker, Internist – Naturheilverfahren und Homöopathie, schreibt Fallbeispiele aus seiner Praxis für den Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH). So wird die homöopathische Praxis sichtbar und Patientinnen und Patienten können sich ein Bild von der Behandlung machen. Im Homöopathie Fall 8 von Dr. Riker geht es um wiederkehrende Mundaphthen (Stomatitis aphthosa).
Die 59-jährige Patientin leidet seit den Wechseljahren an Aphthen im Mund, anfangs in größeren Abständen, zuletzt fast alle 4 Wochen. Die Aphthen sind teilweise groß wie kleine Geschwüre, sehr schmerzhaft, besonders an der Zunge, am Zahnfleisch und an der Wangenschleimhaut. Gleichzeitig beobachtet sie jedes Mal einen deutlich vermehrten Speichelfluss sowie nächtliches Schwitzen, der Schweiß riecht „ungesund“, sauer.
Seit dem die Aphten häufiger wiederkehren sei sie innerlich unruhiger geworden, hektisch, fahrig, alles müsse schnell gehen, dabei bestehe objektiv gar kein Grund für diese eher ziellose Unruhe. Wenn es wieder mal schlimm sei, dann überkomme sie eine überwältigende Schwäche. Viel Durst. Kein Fieber, aber sie friere vermehrt. – Schon immer sei sie sehr geräuschempfindlich, wache auch nachts bei geringsten Geräuschen auf.
Mundaphthen sind auf Herpes-Viren zurückzuführen
Die Krankheit ist auf Herpes-Viren zurückzuführen, manchmal spricht man auch von Mundfäule. Auffallend bei der Patientin ist das immer häufigere Auftreten seit dem Wechsel (vorher hatte sie derartige Symptome nie gehabt) und die große begleitende Schwäche (es handelt sich ja auch um eine Virusinfektion, die den Organismus und sein Immunsystem stark herausfordert). Begleitsymptome sind der verstärkte Speichelfluss sowie das nächtliche Schwitzen.
Die Suche nach dem Simile – der passenden homöopathischen Arznei
Aus der Gruppe von Arzneien, die gegen Mundaphthen (u.a. Arsenicum album, Borax, Kalium-Salze, Mercurius, Nux vomica, Sulfur, Acidum sulfuricum) in Frage kommen suchen wir also eine, für die gleichzeitig große körperliche Schwäche typisch ist (also z.B. Arsenicum album oder Kalium-Salze). Zu den Arzneien, für die das Phänomen „Schwäche“ charakteristisch ist gehören aber auch die „Säuren“ (z.B. Acidum nitricum, Acidum phosphoricum u.a.), also z.B. auch die potenzierte Schwefelsäure (Acidum sulfuricum).
Die Patientin beobachtet aber auch noch einen ganz besonderen Zusammenhang: Seit dem Wechsel hat sie nicht nur die Aphthen, sie hat sich außerdem auch noch emotional deutlich verändert, sie fühlt sich ohne Grund ruhelos und getrieben. Obwohl das eine (Aphthen) mit dem anderen (innere Unruhe) nichts zu tun hat, bestimmen beide Phänomene ihr Leben im Klimakterium. Eine passende Arznei sollte also auch beide Symptomaspekte abdecken. Gerade diese hastige innere Unruhe, vor Allem auch im Klimakterium, ist ein weiterer deutlicher Hinweis für Acidum sulfuricum.
Dem einen Mittel auf der Spur
Hat man nun diese Arznei „im Verdacht“, dann sollte man ihn bestätigen oder widerlegen. Speichelfluss und Nachtschweiß passen auch zur Arznei, ebenso der große Durst. Und was ist mit der Geräuschempfindlichkeit? Die hatte sie schon immer, also bereits lange vor ihren jetzigen Beschwerden. Hier findet sich die potenzierte Schwefelsäure nicht in der entsprechenden Rubrik. Spricht das gegen die Arznei? Nein, denn wir suchen ja ein Mittel gegen ihre Hauptbeschwerden, die sie seit dem Wechsel hat, und dafür passt Acidum sulfuricum. Im Hintergrund (und vielleicht als sogenanntes „Konstitutionsmittel“) wäre eine andere Arznei denkbar, aber das würde uns von dem jetzt indizierten Mittel unter Umständen wegführen.
Eine gezielte Frage nach einem Phänomen, das für Acidum sulfuricum auch typisch wäre, macht die Arzneiwahl sicher: „Kenne Sie bei sich eine Neigung zu Blutungen oder blauen Flecken?“ Antwort: „ Ja! Seit ein paar Jahren bekomme ich sofort Blutergüsse, selbst wenn ich mich nur geringfügig irgendwo anstoße!“
Dies bestätigt ganz eindeutig die Wahl von Acidum sulfuricum. Die Patientin erhält in größeren zeitlichen Abständen von Wochen die Arznei zunächst in C 200, dann in C 1000, und nach wenigen Monaten werden die Aphthen-Schübe seltener und milder, bis sie am Ende gänzlich ausbleiben. Die Patientin war dann über Jahre beschwerdefrei und auch ihre innere Getriebenheit ließ deutlich nach.
Fazit
Eine homöopathische Arznei hat selbstverständlich keine direkte Wirkung gegen die auslösenden Viren, aber offenkundig ist es gelungen, die innere psychovegetative / psycho-neuro-immunologische Balance der Patientin so zu stabilisieren, dass sie aus eigener Kraft in der Lage war, Widerstand gegen die Angriffe der Viren aufzubauen.
Informationen zur Homöopathie
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