Frankreich: 77 Prozent nutzen Homöopathie

Frankreich: 77 Prozent nutzen Homöopathie

Die Homöopathie wird in Frankreich noch breiter verwendet als in Deutschland. Einer aktuellen repräsentativen Umfrage des französischen Ipsos-Instituts zufolge haben bereits 77 Prozent der Franzosen homöopathische Arzneien für sich genutzt. Laut Kantar TNS-Studie, ebenfalls von 2018, sind es in Deutschland 56 Prozent. 72 Prozent der französischen Verwender haben positive Erfahrung mit Homöopathie bei Gesundheitsproblemen. Laut einer repräsentativen Befragung von Forsa (2017) sind in Deutschland ebenso 72 Prozent mit Wirksamkeit und Verträglichkeit zufrieden. Das belegt, dass die Homöopathie in den beiden größten europäischen Ländern eine anerkannte und breit angewandte Therapieform ist.

Gute Erfahrung wird in Frankreich „vererbt“

Auch das Image der Homöopathie ist laut Ipsos mit 76 Prozent positiver Zustimmung in Frankreich auf hohem Niveau. Deshalb verwundert es nicht, dass die Homöopathie von etwa 50 Prozent der Franzosen seit vielen Jahren regelmäßig  genutzt wird. „Die Patienten kommen nicht aus dem Glauben an die Homöopathie, sondern weil sie ihnen hilft”, sagt die homöopathische Ärztin Dr. Christine Bertin-Belot aus Besançon gegenüber der Tageszeitung Le Parisien. „Diese gute Erfahrung wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben, “ erlebt Bertin-Belot, sie ist auch Vizepräsidentin der französischen Ärztegesellschaft für Homöopathie (SNMHF). Dabei sehen 71 Prozent der Franzosen in ihrer Wertschätzung der Homöopathie auch keinen Widerspruch zur konventionellen Medizin. Im Gegenteil, 83 Prozent findet das Miteinander beider Richtungen legitim. In Deutschland befürworten laut Kantar TNS 75 Prozent das gemeinsame Nutzen von Schulmedizin und Homöopathie bzw. Naturmedizin. „Die integrative Medizin überzeugt mich und meine Patienten täglich in meiner hausärztlichen Praxis“, sagt Cornelia Bajic, Fachärztin für Allgemeinmedizin und 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ).

In Frankreich gibt es aktuell – so wie in Deutschland – kontroverse Debatten in den Medien zur Homöopathie. Es ist allerdings noch unklar, inwieweit diese Debatten für den weiteren Anstieg der Popularität der Homöopathie sorgen, die aktuell zu beobachten ist.

Wichtig in beiden Ländern: Unterstützung durch Kassen

In Frankreich wird eine homöopathische Behandlung zu 30 Prozent von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Laut der Ipsos-Umfrage möchten auch 74 Prozent der Franzosen, dass das so bleibt. In Deutschland übernimmt die Mehrzahl der Krankenkassen eine homöopathische Behandlung auf Basis sogenannter Selektivverträge oder homöopathische Arzneimittel als Satzungsleistungen. Laut Kantar TNS ist es 64 Prozent der Deutschen wichtig, dass der Arzt auch Medikamente der Homöopathie einsetzen kann.

Insgesamt haben die Umfragen in Frankreich und in Deutschland sehr ähnliche, positive Stimmungsbilder für die Homöopathie hervorgebracht. Festzuhalten ist: Die Homöopathie ist in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern Europas fest verankert.

Prüfung der Wirksamkeit

Das französische Gesundheitsministerium hat angekündigt, die Homöopathie im Jahr 2019 auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Die Schweiz hatte das in den vergangenen Jahren getan. Das Ergebnis: Die Homöopathie ist heute Bestandteil der obligatorischen Grundversicherung in der Schweiz. Nachdem sich bei einer Volksabstimmung mehr als zwei Drittel der Bevölkerung für die Homöopathie als ein Teil der integrativen Medizin in der Schweiz ausgesprochen hatte, wurden Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Kriterien) aufwendig geprüft. Dabei wurden große Beobachtungsstudien, die Erfahrungen der Ärzte und auch die Wünsche der Patienten berücksichtigt. – So wie es die Definition der evidenzbasierten Medizin fordert.

Ob das französische Gesundheitsministerium die “drei Säulen der evidenzbasierten Medizin” berücksichtigen wird, oder in der Betrachtung allein auf den fehlenden naturwissenschaftlichen Nachweis des Wirkmechanismus homöopathischer Arzneien abstellen wird, bleibt abzuwarten.

Foto: Pixabay

Ähnliche Beiträge: