Berlin, 16. September 2026 | Prof. Dr. Michael Frass und sein Team haben im September 2026 im Fachjournal Supportive Care in Cancer (Springer Nature) eine Studie mit der Fragestellung veröffentlicht, ob eine homöopathische Begleittherapie die Lebensqualität und Lebenserwartung von Krebspatienten verbessern kann. Die Antwort lautet Ja. Doch die Studie hat eine Vorgeschichte, auf die Prof. Frass auch eingeht.
Herr Professor Frass, Sie haben jetzt mit Ihrem Forschungsteam eine neue Auswertung Ihrer Studie zur additiven Homöopathie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) im Fachjournal Supportive Care in Cancer vorgelegt. Was war der konkrete Anlass für diese Veröffentlichung?
Prof. Frass: Ziel dieser Arbeit war es, die Ergebnisse einer früheren Studie zur Lebensqualität und zur Überlebenszeit bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs im Stadium IV methodisch noch robuster zu überprüfen. Wir wollten wissen, ob und in welchem Ausmaß eine individuell abgestimmte homöopathische Behandlung parallel zur konventionellen Krebstherapie einen messbaren Unterschied machen kann.
Wie war das Studiendesign aufgebaut?
Prof. Frass: Es handelte sich um eine prospektive, randomisierte, placebo-kontrollierte und doppelblinde dreiarmiige Multizenterstudie. Insgesamt erhielten 98 Patienten doppelblind entweder ein individualisiertes homöopathisches Arzneimittel (n=51) oder ein Placebo (n=47). Zusätzlich gab es eine nicht-randomisierte Kontrollgruppe von 52 Patienten ohne homöopathische Zusatztherapie, bei denen wir die Überlebensrate dokumentiert haben.
Ein zentraler Punkt Ihrer neuen Publikation ist die methodische Überarbeitung. Warum war diese erforderlich?
Prof. Dr. Michael Frass: Eine frühere Publikation dieser Studiendaten aus dem Jahr 2020 im The Oncologist wurde Ende 2025 nach zwei Korrekturen von der Zeitschrift zurückgezogen. Eine Entscheidung, mit der die Mehrheit des Autorenteams nicht einverstanden war. Für die jetzige Veröffentlichung haben wir denselben Studiendatensatz genutzt, aber den Fokus ganz bewusst auf eine außergewöhnlich transparente und strikte Methodik gelegt.
Was bedeutet das konkret für die Datenanalyse?
Prof. Frass: Wir haben einen vierfach unabhängigen Auswertungsprozess etabliert: Das Studiendesign und die Vorbereitung erfolgten durch einen leitenden Statistiker, gefolgt von separaten Schritten für Dateneingabe, vom AKH Wien kontrollierte Datenweitergabe und eine unabhängige statistische Evaluierung. Zudem folgt die Berichterstattung exakt den CONSORT-Richtlinien, und die Interpretation der Ergebnisse wurde bewusst konservativer formuliert.
Zu welchen Ergebnissen sind Sie bei der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten gekommen?
Prof. Frass: Die Daten zeigen deutliche Vorteile für die Homöopathiegruppe. Sowohl nach 9 als auch nach 18 Wochen war der allgemeine Gesundheitszustand in der Homöopathiegruppe signifikant höher als in der Placebogruppe (p<0,001). Bis auf wenige Ausnahmen schnitten nahezu alle Funktions- und Symptomskalen des Fragebogens zugunsten der Homöopathie ab. Die Gruppenunterschiede lagen dabei über der Schwelle von 10 Punkten, was in der Onkologie als klinisch bedeutsam gilt.
Wie stellen sich die Ergebnisse bezüglich der Überlebenszeit dar?
Prof. Frass: Über den Beobachtungszeitraum von 730 Tagen lag die mittlere Überlebenszeit in der Homöopathie-Gruppe bei 435 Tagen, verglichen mit 257 Tagen unter Placebo (p=0,010) und 228 Tagen in der unbehandelten Kontrollgruppe (p<0,001). Die 2-Jahres-Überlebensrate betrug 45,1 % in der Homöopathie-Gruppe, 23,4 % in der Placebogruppe und 13,5 % in der Kontrollgruppe. Zwischen der Placebo- und der reinen Kontrollgruppe gab es statistisch keinen signifikanten Unterschied.
Welches Fazit ziehen Sie aus den Ergebnissen für die klinische Praxis?
Prof. Frass: Die Ergebnisse legen nahe, dass Homöopathie als begleitende Maßnahme zur Standardtherapie sowohl die Lebensqualität verbessern als auch mit einer längeren Überlebenszeit einhergehen kann. Dennoch betonen wir ausdrücklich, dass nun unabhängige Replikationsstudien notwendig sind – idealerweise eingebettet in moderne, zeitgemäße immunonkologische Behandlungsregime.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
______________________________
Weitere Informationen zur aktuellen Frass-Studie
- BPH-Beitrag zu den Hintergründen der zurückgezogenen Studie
- DZVhÄ-Beitrag zur aktuellen Studie
___________________________________________
Thema: Im Interview: Prof. Frass zur aktuellen Studie Homöopathie bei Lungenkrebs
_____________________
- Informationen zur Selbstbehandlung in der Homöopathie
- Informationen zur Homöopathie-Forschung