Berlin, 8. September 2026. Dr. med. vet. Karoline Kretzdorn, Vorsitzende der Homöopathie-Stiftung des DZVhÄ, spricht im Interview mit Barbara Stelzer, Initiatorin der Initiative ‚Gemeinsam Gesund Haus‘ über die aktuelle Lage der Homöopathie nach den jüngsten Entscheidungen der Bundesregierung.
Die politische Entscheidung ist gefallen: Homöopathische Leistungen dürfen künftig nicht mehr als freiwillige Leistung der gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden. Für viele Menschen ist das ein Einschnitt.
Doch ist damit die Homöopathie am Ende? Dr. Karoline Kretzdorn sagt klar: Nein.
Die Tierärztin und Homöopathin und Vorsitzende der Homöopathie-Stiftung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte blickt trotz der aktuellen Entwicklung zuversichtlich in die Zukunft. Denn die großen Herausforderungen unseres Gesundheitssystems bleiben bestehen: Immer mehr Menschen leben mit chronischen Erkrankungen, die Gesellschaft wird älter, Ressourcen sind begrenzt und Antibiotikaresistenzen nehmen zu.
Aus Sicht Kretzdorns braucht es deshalb eine Medizin, die unterschiedliche Therapierichtungen zusammenbringt und den individuellen Menschen stärker in den Mittelpunkt stellt. Integrative Medizin statt eines starren Entweder-oder könnte ein Weg sein, die Versorgung zukunftsfähig zu gestalten. Dabei gewinnen auch Gesundheitskompetenz und die Fähigkeit zur Selbstfürsorge an Bedeutung. Menschen sollen ihre Gesundheit besser verstehen und gemeinsam mit ihren Ärztinnen und Ärzten Entscheidungen treffen können.
Auch die Frage nach der wissenschaftlichen Evidenz verdient aus ihrer Sicht eine differenzierte Betrachtung. Wissenschaftliche Standards bleiben unverzichtbar. Gleichzeitig sollte Forschung unterschiedliche Behandlungskonzepte – wie die Homöopathie – und komplexe Krankheitsverläufe angemessen abbilden.
Ihre Erfahrungen aus Human- und Tiermedizin haben Kretzdorn darin bestärkt, dass komplementäre Verfahren ihren Platz in einer verantwortungsvollen Medizin haben können – immer dort, wo sie sinnvoll eingesetzt werden und notwendige konventionelle Behandlungen nicht ersetzen.
Die politische Entscheidung verändert die Rahmenbedingungen. Sie beendet jedoch nicht die Suche nach einer Medizin, die den Menschen ganzheitlich betrachtet. Für Dr. Karoline Kretzdorn bedeutet die aktuelle Situation deshalb vor allem eines: weiterdenken, forschen und miteinander im Gespräch bleiben.
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Thema: Dr. Karoline Kretzdorn im Interview über die Zukunft der Homöopathie
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