Berlin, 17. August 2026 | Die bayerische Homöopathie-Studie wurde vorzeitig ohne Ergebnis beendet. Der Grund: Die Rekrutierung geeigneter Patientinnen verlief deutlich langsamer als erwartet. Für Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ und Studienarzt, ist das zwar enttäuschend, aber keineswegs ungewöhnlich. Probleme bei der Rekrutierung gehören zu den häufigsten Gründen, aus denen klinische Studien vorzeitig beendet werden müssen. Er sagt im Gespräch mit dem Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH):  „Das vorzeitige Ende der Studie lässt kein wissenschaftliches Ergebnis zu – weder für noch gegen Homöopathie“.

Unverständlich findet der Internist Riker die Reaktion der bayerischen SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann. Statt sich mit den tatsächlichen Gründen für den Studienabbruch und den daraus ableitbaren wissenschaftlichen Aussagen auseinanderzusetzen, habe Waldmann vor allem Spott und ihre bereits zuvor feststehende Ablehnung der Homöopathie zum Ausdruck gebracht.

Die Studie sollte konkrete Fragen beantworten

Ausgangspunkt der bayerischen Studie war eine Beobachtung, die viele homöopathisch tätige Kassenärzte aus ihrem Praxisalltag kennen: Sie verordnen ihren Patientinnen und Patienten häufig weniger Antibiotika als der Durchschnitt ihrer jeweiligen Fachgruppe. Angesichts der weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen liegt die Frage nahe, ob sich dieser Unterschied wissenschaftlich untersuchen lässt. Genau daraus entstand die Idee für die Studie, die von der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit der Technischen Universität München auf den Weg gebracht und finanziert wurde. In die Studie aufgenommen werden sollten Frauen, die an einer chronischen Harnwegsinfektion litten. Die Fragestellung war damit keineswegs abwegig. Im Gegenteil: Wenn sich im Versorgungsalltag Unterschiede beim Antibiotikaverbrauch beobachten lassen, ist es legitim, deren Ursachen unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen zu untersuchen.

Dr. Ulf Riker: Dass eine solche Studie anschließend nicht wie geplant durchgeführt werden kann, ist bedauerlich. Es macht die ursprüngliche Forschungsfrage aber nicht unwissenschaftlich.

Weniger als 20 Prozent der notwendigen Teilnehmerzahl

Entscheidend ist, was das vorzeitige Ende der Studie wissenschaftlich tatsächlich bedeutet. Nach Angaben der wissenschaftlichen Studienleitung waren rund 240 Patientinnen erforderlich, um eine belastbare statistische Aussage treffen zu können. Tatsächlich konnten jedoch weniger als 20 Prozent dieser Zahl rekrutiert werden. „Damit ist eine eindeutige wissenschaftliche Aussage über einen möglichen Unterschied zwischen den untersuchten Behandlungsgruppen nicht zu erwarten“, erklärt Dr. Riker, der als Arzt an der Studie teilgenommen hat.

  • Genau deshalb ist die Aussage, die Studie habe „keine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo gezeigt“, falsch.
  • Die richtige Aussage muss heißen: Aufgrund der zu geringen Teilnehmerzahl konnte kein statistisch signifikantes Ergebnis erzielt werden.

Studien können an der Rekrutierung scheitern

Der vorzeitige Abbruch klinischer Studien aufgrund einer unzureichenden Rekrutierung ist nicht ungewöhnlich. Die Gründe dafür können vielfältig sein, beispielsweise zu strenge Ein- und Ausschlusskriterien, Schwierigkeiten bei der Ansprache geeigneter Teilnehmer oder eine geringere Zahl geeigneter Patientinnen und Patienten als ursprünglich erwartet. Für alle Beteiligten ist ein solcher Abbruch enttäuschend: für die Politik, die eine Studie finanziert hat, für die wissenschaftliche Studienleitung und für die beteiligten Ärztinnen und Ärzte – und auch für die Patientinnen.

Dr. Ulf Riker: Wer aus dem Abbruch der Studie schließt, Homöopathie habe sich als unwirksam erwiesen, verwechselt das Fehlen eines statistisch auswertbaren Ergebnisses mit einem negativen Studienergebnis.

Warum die Studie sinnvoll wäre

Für Riker stellt sich deshalb auch eine grundsätzliche Frage: Warum wird eine wissenschaftliche Untersuchung zunächst als sinnvoll und förderungswürdig betrachtet und anschließend ihr Scheitern politisch instrumentalisiert? Gerade bei einer kontrovers diskutierten Therapie sollte wissenschaftliche Forschung ergebnisoffen sein. Eine Studie ist dann sinnvoll, wenn eine relevante Frage gestellt wird, die wissenschaftlich überprüfbar ist. Das Ergebnis muss offenbleiben. Das gilt auch dann, wenn das Ergebnis möglicherweise nicht den eigenen Erwartungen entspricht. Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen sind ein reales gesundheitspolitisches Problem. Jede seriöse Forschungsfrage, die dazu beitragen könnte, den Einsatz von Antibiotika besser zu verstehen oder unnötige Verordnungen zu vermeiden, verdient daher eine sachliche Prüfung.

Wissenschaft braucht Ergebnisoffenheit

Die politische Auseinandersetzung um Homöopathie ist stark polarisiert. Das zeigt sich auch an der jüngsten gesundheitspolitischen Entwicklung: Die Bundes-SPD hat gemeinsam mit der Union den Ausschluss homöopathischer Leistungen aus der GKV-Versorgung mitgetragen. Als Begründung wurden wissenschaftliche und wirtschaftliche Argumente angeführt. Doch auch hier lohnt ein genauer Blick: Der Anteil homöopathischer Leistungen an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei lediglich rund 0,03 Prozent. Mit der Streichung dieser Leistungen lassen sich die strukturellen Finanzprobleme der GKV nicht lösen.

Umso wichtiger wäre es, gesundheitspolitische Entscheidungen nicht mit vorgefassten wissenschaftlichen Urteilen zu begründen. Schon vor vielen Jahren erklärte Karl Lauterbach, Homöopathie stehe für eine „Abkehr von der Wissenschaft“. Gleichzeitig wurde von Kritikern immer wieder gefordert, die Homöopathie müsse ihre Wirksamkeit erst wissenschaftlich belegen. Die Homöopathie-Forschung hat sich inzwischen weiterentwickelt. Es gibt zahlreiche Studien und systematische Auswertungen, die eine differenzierte Betrachtung der Evidenz erfordern. Andere Länder haben daraus andere gesundheitspolitische Konsequenzen gezogen als Deutschland. Die Schweiz beispielsweise hat die Homöopathie in ihre Grundversorgung aufgenommen. Das zeigt, wissenschaftliche Daten können unterschiedlich bewertet werden, aber ein pauschales „keine Evidenz“ entspricht nicht der Komplexität der Forschungslage.

Wenn Politik wissenschaftliche Ergebnisse vorwegnimmt

Besonders problematisch wird es, wenn politische Akteure ein Forschungsergebnis bereits vor Beginn einer Untersuchung zu kennen glauben. Genau diesen Eindruck vermittelt für Riker die Reaktion von Ruth Waldmann. Wenn eine Studie aufgrund mangelnder Rekrutierung vorzeitig beendet wird, ist zunächst zu klären, was die vorhandenen Daten aussagen und was sie gerade nicht aussagen.

Dr. Ulf Riker: Ein wissenschaftlich nicht auswertbares Ergebnis ist kein Freibrief für politische Schadenfreude.

Natürlich muss auch der Einsatz öffentlicher Mittel kritisch hinterfragt werden dürfen. Das gilt für diese Studie ebenso wie für jede andere öffentlich finanzierte Forschung. Aber öffentliche Forschung ist nicht dadurch „herausgeschmissenes Geld“, dass eine Studie ihre vorgesehene Teilnehmerzahl nicht erreicht. Wissenschaftliche Forschung produziert nicht nur positive Ergebnisse. Manchmal bestätigt sie eine Hypothese, manchmal widerlegt sie sie – und manchmal lässt sie eine Frage offen. Auch das gehört zum wissenschaftlichen Erkenntnisprozess.

Wissenschaftsfreiheit gilt auch bei kontroversen Themen

Die Debatte berührt einen grundsätzlichen Punkt: die Freiheit von Wissenschaft und Forschung. Der Rechtsphilosoph Christoph Möllers hat darauf hingewiesen, dass der Staat Wissenschaft ermöglichen muss, ihrer eigenen Logik zu folgen. Forschung darf deshalb nicht davon abhängig gemacht werden, ob ein mögliches Ergebnis politisch erwünscht ist.Gerade bei kontroversen Themen ist diese Freiheit besonders wichtig. Die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, gemeinsam mit der Technischen Universität München eine wissenschaftliche Untersuchung zu einer konkreten medizinischen Fragestellung zu finanzieren, war deshalb zunächst ein Ausdruck von Forschungsoffenheit: Eine Beobachtung aus der Versorgung sollte wissenschaftlich überprüft werden. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist nun allerdings nicht die Widerlegung der Homöopathie.

Dr. Ulf Riker: Die Studie wurde wegen unzureichender Rekrutierung beendet und konnte deshalb die für eine belastbare statistische Aussage erforderliche Teilnehmerzahl nicht erreichen. Mehr lässt sich aus diesem Studienabbruch wissenschaftlich nicht seriös ableiten.

Weniger Polemik, mehr Wissenschaft

Die Diskussion um Homöopathie ist kontrovers. Wissenschaft lebt vom Disput über Hypothesen, Methoden und Ergebnisse. Was sie nicht braucht, sind vorweggenommene Urteile und politische Polemik. Gerade angesichts der zunehmenden Antibiotikaresistenzen wäre es sinnvoller, die bayerische Studie zum Anlass für eine sachliche Diskussion zu nehmen: Welche Faktoren beeinflussen den Antibiotikaverbrauch? Welche Rolle spielen unterschiedliche Behandlungskonzepte? Und lassen sich Beobachtungen aus der ärztlichen Versorgung in kontrollierten Studien überprüfen? Und: welche Studien aus der Versorgungsforschung ‚Homöopathie‘ liegen bereits vor?

Fazit

Das vorzeitige Ende der bayerischen Homöopathie-Studie liefert keinen Beleg dafür, dass Homöopathie unwirksam ist. Er zeigt zunächst nur eines: Eine Studie, die für eine belastbare Aussage 240 Teilnehmerinnen benötigt, kann mit weniger als 20 Prozent dieser Zahl keine entsprechende statistische Antwort liefern.

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Tranzparenzhinweis: dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

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