Berlin, 5. März 2026. Kampagnen Update zur Landtagswahl Baden-Württemberg am 8. März `26. Was wünschen sich Wählerinnen und Wähler, was sagen Parteien in Baden-Württemberg zu Homöopathie und/oder Integrativen Medizin und wie beziehen Kandidierende Stellung. ‚weil`s hilft!‘ hat gefragt und Antworten erhalten. Eine Zusammenfassung des BPH.
Das Kampagnen-Bündnis ‚weil`s hilft!‘ macht die Integrative Medizin im Wahlkampf in Baden-Württemberg zum Thema. Der BPH als Patientenverband und weil`s hilft! als Bürgerbündnis stellen erst einmal die Wählerinnen und Wähler in den Mittelpunkt. Eine Befragung, an der rund 4.500 Menschen teilgenommen haben, zeigte, welche Bedürfnisse im Gesundheitswesen ganz vorne stehen:
- 93,6 % wollen Praxen, in denen Ärztinnen/Ärzte, Therapeuten und Pflege Hand in Hand arbeiten.
- 90,8 % sagen: Naturheilkunde gehört ins Krankenhaus.
- 87,2 % fordern gesicherte Forschung zur Integrativen Medizin.
- 22 % sind mit der gesundheitlichen Versorgung in ihrem Bundesland zufrieden.
Landtagswahl Baden-Württemberg `26 – Integrative Medizin ist kein Thema in den Programmen
In den Wahlprogrammen von Grünen, SPD, CDU, FDP und Linken finden sich keine ausdrücklichen Programmpunkte zur Integrativen Medizin oder zu Naturheilverfahren. Das zeigt, wie wichtig die Kampagne ist. Die Parteien wurden gefragt, wie sie die Gesundheitsversorgung der Zukunft gestalten wollen – und welche Rolle Integrative Medizin dabei spielen soll. Die Fragen basieren auf der Bürgerumfrage von ‚weil`s hilft!‘. Viele Menschen wünschen sich mehr Prävention, mehr Zeit für Gespräche und eine bessere Verbindung verschiedener medizinischer Ansätze.
Auf dieser Grundlage haben wir die Parteien gebeten, sich zu drei zentralen Punkten zu positionieren:
- flächendeckende Verankerung integrativer Angebote in Kliniken
- langfristige Sicherung von Forschung und Lehre
- stärkere Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe
Integrative Medizin ist kein „Entweder-oder“. Sie verbindet das Beste aus konventioneller und komplementärer Medizin. Sie schafft neue Lösungen.
Das sagen die Parteien
Wir veröffentlichen hier eine Zusammenfassung der bisher eingegangenen Stellungnahmen, vollständig stehen die Statements auf der ‚weil`s hilft!‘ Seite.
Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Wir GRÜNE sehen die Integrative Medizin als wichtigen Bestandteil einer modernen und bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung. Baden-Württemberg hat dafür in den vergangenen Jahren eine bundesweit einzigartige Infrastruktur aufgebaut – unter anderem mit dem Kompetenznetz Integrative Medizin, Forschungsprojekten wie KIG BaWü und einem Lehrstuhl an der Universität Tübingen. Diese Strukturen haben wir gezielt mit Landesmitteln unterstützt.
Unser Ziel ist es, qualitätsgesicherte komplementäre Angebote stärker in die Versorgung einzubinden und den Menschen mehr Möglichkeiten für einen bewussten Umgang mit ihrer Gesundheit zu eröffnen.
Besonders wichtig ist uns dabei die Prävention. Gesundheitsprävention muss in Deutschland stärker werden, denn sie verringert Leid, verbessert Lebensqualität und entlastet langfristig das Gesundheitssystem. Integrative Medizin setzt hier gezielt an – etwa durch Prävention, Lebensstilmedizin und die Stärkung der Selbstfürsorge.
Auch die Forschung spielt eine zentrale Rolle. Baden-Württemberg nimmt hier bereits eine Vorreiterrolle ein, etwa durch die Professur zur Erforschung komplementärmedizinischer Verfahren an der Universität Tübingen sowie durch verschiedene Landesprojekte.
Für die Zukunft wollen wir Prävention und Gesundheitsförderung noch stärker in den Mittelpunkt stellen – etwa mit der Health-in-all-Policies-Strategie des Landes, die Gesundheit in allen Politikbereichen mitdenkt. Integrative Medizin kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten.
FDP
Die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg wollen wir mit einer Offenheit für Therapieformen und komplementäre Ansätze angehen. Wir sehen die Versorgung der Zukunft interdisziplinär und sektorenübergreifend in innovativen Versorgungsangeboten.
Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker bieten seit Jahrhunderten den Bürgerinnen und Bürgern im Land alternative und komplementäre Behandlungsmethoden an. Die Naturheilkunde setzt auf ein Bündel von Maßnahmen, wie pflanzliche Präparate (Phytotherapie), Akupunktur, Homöopathie und weitere Methoden, die sich durch Erfahrungen bewährt haben. Die liberale Bürgergesellschaft lebt vom mündigen Bürger. Gerade wenn es um die eigene Gesundheit geht, müssen die Bürgerinnen und Bürger in die Lage versetzt werden, selbstverantwortliche, gesundheitsbewusste Entscheidungen über die Art und den Umfang von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zu fällen. Dies erfordert Wettbewerb. Die Freien Demokraten treten seit jeher für Wettbewerb und Auswahlsouveränität ein. Auch unter Zugrundelegung dieses Prinzips ist es folgerichtig, dass wir auch in Zukunft die Leistungen von Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker ermöglichen wollen. Wir haben in unserem Landtagswahlprogramm festgehalten: „Die freie Therapiewahl ist uns im Sinne der Patientensouveränität wichtig. Dazu gehören für uns auch Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker.“
Weiter hat die FDP-Landtagsfraktion ein prägnantes Positionspapier „Homöopathie und zur Rolle komplementärer Heilverfahren“ erarbeitet, das über diesen Link einsehbar ist: Positionspapier FDP
SPD
Integrative Medizin spielt in Baden-Württemberg eine große Rolle – sowohl in der Wissenschaft als auch in der Versorgungspraxis. Viele Ärztinnen und Ärzte sowie andere Berufsgruppen in Medizin und Pflege beziehen wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethoden in ihr Angebot mit ein. Allein unter dem Dach der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg verfügen zum Beispiel 945 Kassenärzt:innen über die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren oder 845 über die Zusatzbezeichnung Akupunktur. Auch unter den Kliniken einschließlich der Universitätsmedizin wächst das Angebot für Integrative Medizin. Wir unterstützen diese Vielfalt ausdrücklich und setzen uns – insbesondere im Rahmen einer verbesserten Krankenhausplanung – für ausreichende Weiterbildungsplätze ein.
Baden-Württemberg hat bereits 2018 eine Professur für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Tübingen mit dem Sitz am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus eingerichtet. Dort soll insbesondere wissenschaftlich geprüft werden, ob diese Methoden tatsächlich die erwartete Wirkung zeigen, ob sie sicher angewandt werden können und ob sie ökonomisch sind. Auch andere Universitätskliniken sowie das Klinikum Stuttgart bieten (ergänzende) Integrative Medizin insbesondere in der Onkologie an und forschen dazu. Das Kompetenznetz Integrative Medizin evaluiert gemeinsam angebotene integrative Behandlungskonzepte. Diese Strukturen wollen wir weiter ausbauen.
Der interprofessionelle Ansatz spielt in der Integrativen Medizin eine herausgehobene Rolle. Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflegekräfte, Hebammen, Ernährungswissenschaftler:innen sowie Sport- und Bewegungswissenschaftler:innen tragen gemeinsam zum Behandlungserfolg bei. Auch mit veränderten Berufsqualifikationen – darunter mehr akademische Ausbildungen in der Pflege und bei den Therapieberufen – wollen wir eine bessere Zusammenarbeit auf Augenhöhe herstellen. Das Wissen über die Wirksamkeit von Komplementärmedizin, aber auch über ihre Grenzen, gehört für uns in allen Berufen zu den Ausbildungsinhalten.
Was Kandidierende sagen – abgerufen auf www.abgeordnetenwatch.de
Daniel Belling, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Wir Grünen in Baden-Württemberg und auch ich persönlich unterstützen die Integrative Medizin ausdrücklich. Wir haben hier im Land eine große Tradition und eine hohe Qualität und wir befördern das aktiv, beispielsweise durch einen Lehrstuhl für Integrative Medizin an der Universität Tübingen oder auch Forschungen, wie sie beispielsweise im Klinikum in Heidenheim betrieben werden. Unser Ziel ist es, das Beste aus allen Welten zu verbinden – und das ganze natürlich möglichst evidenzbasiert aufzustellen.“
Thomas Poreski, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Wir Grüne in Baden-Württemberg haben uns immer für Therapiefreiheit und für Naturheilverfahren eingesetzt und unterscheiden uns da von dem Parteitagsbeschluss auf Bundesebene. Wir sind deshalb dafür, die Regelung zur Komplementärmedizin – einschließlich Homöopathie und anthroposophischer Medizin – so zu belassen, wie sie ist…“
Matthias Dietrich, ÖDP: „Im Landesprogramm der ÖDP Baden-Württemberg heißt es: Förderung naturheilkundlicher Therapien wie Naturheilverfahren, Phytotherapie, Homöopathie und anthroposophische Medizin einschließlich Heilpraktiker-Behandlungen, deren Kosten von den Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zu übernehmen sind.“
Isabell Huber, CDU: „Ich nehme wahr, dass viele Menschen von positiven Erfahrungen mit homöopathischen Behandlungen und naturheilkundlichen Verfahren berichten. Und ich finde, diese Erfahrungen verdienen Respekt – auch wenn sie nicht jeder teilt oder wissenschaftlich gleich bewertet.“
Andreas Stoch, SPD: „… Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das Patientensicherheit, Wirksamkeit von Behandlungen und Transparenz in den Mittelpunkt stellt. Dazu gehört auch, dass medizinische Leistungen, die aus Beitragsmitteln finanziert werden, einem wissenschaftlich nachvollziehbaren Nutzenkriterium genügen. Vor diesem Hintergrund ist mir die klare Abgrenzung wichtig: Komplementäre Verfahren können eine individuelle Rolle spielen, die Grundlage der Regelversorgung muss jedoch die wissenschaftlich überprüfte Medizin bleiben.“
Jochen Haußmann, FDP: „Die FDP-Landtagsfraktion hatte dazu wie von Ihnen angesprochen das beigefügte Positionspapier beschlossen fdp-landtag-bw.de/homoeopathie Daraus können Sie unsere Positionierung entnehmen. Darüber hinaus stehen wir mit Fachverbänden und Herstellern im Austausch.
Alle Informationen, Umfragen, Statements… findet ihr auf der Kampagnen-Seite bei weil`s hilft!
Thema: Kampagnen Update zur Landtagswahl Baden-Württemberg `26
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