Berlin, 5. Mai 2026 | Homöopathie streichen löst Domino-Effekt aus. Denn zahlreiche von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattete Leistungen haben wenig, bis keine Evidenz und werden angewendet, weil es z.B. finanzielle Anreize dafür gibt. Eine konsequent auf Qualität ausgerichtete und faktenbasierte Gesundheitspolitik müsste hier ansetzen und Leistungen streichen.
Die Vorschläge für die aktuelle Reform der GKV wurden von einer Finanzkommission erarbeitet. Doch es geht nicht nur um Finanzen, es geht auch um Qualität. Es soll für alle Untersuchungen, Behandlungen und Arzneimittel der Grundsatz gelten, dass ihr Nutzen nach den Regeln der Evidenzbasierten Medizin (EbM) belegt ist. Meinolf Stromberg, Vorsitzender des Bundesverbands Patienten für Homöopathie (BPH): „Dieser Ansatz ist nachvollziehbar und gut, aber warum soll die Homöopathie gestrichen werden? Sie hat ihren medizinischen Nutzen in zahlreichen Studien belegt und erfüllt die Kriterien der Evidenzbasierten Medizin.“ Stromberg erweitert die Debatte um die Streichung der GKV-Satzungsleistungen und richtet seinen Blick auf medizinische Leistungen generell. „Wer Homöopathie streicht, betreibt reine Symbolpolitik – löst aber einen Domino-Effekt aus.“ Stromberg fragt: „Warum werden Probleme wie Überversorgung, Polypharmazie oder unnötige Operationen nicht gelöst?“
Wenn Medizin mehr schadet als nutzt
Die Bertelsmann-Stiftung kritisiert, dass „Überflüssige und in ihrem Nutzen fragwürdige Untersuchungen, Operationen, Therapien und Arzneimittelverschreibungen den Patienten schaden. Sie können zu Verunsicherung, Komplikationen und Folgeeingriffen führen.“ Und sie kosten Milliarden.
In der Altersgruppe der über 65-jährigen nehmen laut verschiedenen Auswertungen rund 42 Prozent bis über 50 Prozent der Versicherten täglich fünf oder mehr verschreibungspflichtige Wirkstoffe als Dauermedikation ein. Dass bedeutet einen therapeutischen Blindflug. Polypharmazie verursacht in Deutschland erhebliche gesundheitliche Risiken, hohe Fallzahlen in der stationären Versorgung und Kosten:
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Todesfälle: Jährlich sterben schätzungsweise 12.000 bis 58.000 Menschen an unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW); mindestens 2.500 Fälle gelten als vermeidbare Medikationsfehler.
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Klinikaufenthalte: UAW sind für 1,5 bis 6,5 Prozent aller Krankenhauseinweisungen verantwortlich. Besonders gefährdet sind Senioren: Ab zehn Medikamenten täglich steigt das Risiko für Notfallaufnahmen massiv an.
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Symptome & Folgen: Häufige Folgen sind gefährliche Wechselwirkungen, Verordnungskaskaden sowie Schwindel, Müdigkeit und Verwirrtheit.
Weiteres Sparpotenzial nicht evidenzbasierter Leistungen sind z.B. Operationen. Es wird geschätzt, dass rund 30 Prozent der durchgeführten Operationen aufgrund von finanziellen Anreizen und nicht aufgrund einer medizinischen Notwendigkeit durchgeführt werden.
Versorgungsforschung zeigt das Potenzial der Homöopathie auch zur Polypharmazie
Die französische EPI3-Kohortenstudie wurde in den Jahren 2012-2016 in der Primärversorgung durchgeführt. Es wurden 8.559 Patienten untersucht, die von 825 Allgemeinärzten wegen Muskel- und Skeletterkrankungen, Schlaf-, Angst-und depressiver Störungen oder Infektionen der oberen Atemwege behandelt wurden.
Angesichts der weltweit zunehmenden Polypharmazie, besonders im höheren Alter, liefert die Studie einen wichtigen Beitrag und ergänzt entsprechende Ergebnisse aus anderen europäischen Ländern. Zudem weist sie auf mögliche positive Effekte der Homöopathie innerhalb eines integrierten Versorgungsmodells hin.
Weitere Ergebnisse
- Etwa 50 Prozent weniger Verschreibungen von Antibiotika, Entzündungshemmern und fiebersenkenden Arzneien in homöopathischen Praxen bei ebenbürtigem Therapieerfolg wie in konventionellen Praxen.
- Ca.Rund 50 Prozent weniger Verschreibung nichtsteroidaler Antirheumatika und Schmerzmittel, dabei kein signifikanter Unterschied zur konventionellen Gruppe in den Behandlungsergebnissen nach 12 Monaten.
- Der Rückgang von Symptomen war in homöopathischen Praxen größer als in konventionellen. Gleichzeitig betrug die Wahrscheinlichkeit einer Verordnung von Psychopharmaka in der Gruppe der homöopathisch Behandelten weniger als ein Drittel im Vergleich zu konventionell behandelten Patienten.
Homöopathie in der Versorgung: weniger Kosten, weniger konventionelle Arzneimittel, weniger Krankschreibungen und AU-Tage.
Warum also die Homöopathie?
Es zeigt sich die Inkonsequenz der Argumentation von Ministerin Nina Warken und dem Kabinett. „Geht es bei dieser Reform wirklich um eine Verbesserung der medizinischen Qualität und um das Sparen von Geld?“, fragt sich Meinolf Stromberg. Denn würde das Kriterium der strikten wissenschaftlichen Evidenz konsequent auf alle Leistungen angewendet, stünde das gesamte System vor einem radikalen Umbau. „Nur Homöopathie und Anthroposophische Medizin herauszugreifen, ist reine Symbolpolitik mit dem Ergebnis, dass die Versorgung schlechter und teurer wird.“
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Thema: Homöopathie streichen löst Domino-Effekt aus
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Informationen zum Stand der Homöopathie-Forschung:
- www.hri-research.org/de/hri_publication/the-epi3-laser-study-real-world-observational-evidence-for-homeopathy-from-general-physicians-in-france/
- www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-1587-2308
- www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin
- www.springermedizin.de/efficacy-of-homoeopathic-treatment-systematic-review-of-meta-ana/26139250
- www.ikim.unibe.ch/forschung/uebersichten_zum_stand_der_forschung/homoeopathie/index_ger.html
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