„Ich will dem Patienten nicht schaden, wenn ich ihn behandle – also bin ich bei der Homöopathie gelandet.“

„Ich will dem Patienten nicht schaden, wenn ich ihn behandle – also bin ich bei der Homöopathie gelandet.“

Zu Gast in der NDR-Talkshow vom 06.04.2018 waren der Journalist und Schriftsteller Ulrich Wickert, die Komikerin Enissa Amani, der Modedesigner Michael Michalsky, der Koch Roland Trettl, „Alfons“ der Kabarettist sowie Dr. Franziska Rubin, Ärztin und Autorin, und der Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Unter der Moderation von Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt spricht Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt über seine Heilmethoden, die Homöopathie, über seine Erfahrungen mit prominenten Patienten und seine Biografie, die er nun in einem Buch veröffentlicht hat. 

Meyer-Burckhardt: Ich habe vor kurzem Herbert Grönemeyer auf der Bühne gesehen. Das war sehr eindrucksvoll, denn er ist auch nicht mehr 30 Jahre alt. Er hat nicht nur musikalisch sondern auch physisch ein enormes Programm. Grönemeyer hat über Sie gesagt – Zitat:

„Er ist ein Künstler. Er hat etwas, das man nicht versteht, nicht verstehen muss, und das er vielleicht auch selber nicht versteht.“

Dr. Müller-Wohlfahrt

Bildquelle: NDR-Talkshow

Wie ist das, wenn Sie ihre Hände zur Heilung einsetzen: Wieviel ist Intuition und wieviel ist Wissen über Anatomie?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Die Hände benutze ich hauptsächlich um zu diagnostizieren. Da sind die anatomische Ausbildung und das tägliche Üben allentscheidend – um die Fähigkeit zu kultivieren, mit den Fingerkuppen wahrzunehmen. Es muss eine Verbindung zum Gehirn hergestellt werden, um Gespeichertes mit dem neuen Eindruck zu verbinden und so zu einer Diagnose zu kommen.

Das ist mehr ein diagnostisches Umgehen mit dem Patienten, das Therapeutische ist nochmal eine andere Sache, auch da sind die Hände entscheidend. Ich muss fühlen wo die sogenannten Trigger-Punkte oder Tenderpoints sind. Wo ich Muskelverletzungen behandeln muss, wo die Fasern beschädigt sind. Das alles muss ich fühlen können, um dann auch punktgenau behandeln zu können.

„Ich will dem Patienten nicht schaden, wenn ich ihn behandle. Also bin ich bei der Homöopathie gelandet.“

Schöneberger: Was ist das für eine Art der Behandlung? Wie unterscheidet sie sich von den Behandlungen anderer Ärzte?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ich habe einen Grundsatz von Anbeginn meiner ärztlichen Tätigkeit: Ich will dem Patienten nicht schaden wenn ich ihn behandle. Also bin ich bei der Homöopathie gelandet, und bei biologischen Heilmitteln. Ich habe gesehen, dass es von Anfang an fantastisch funktioniert hat – man muss allerdings die Punkte kennen. Man muss die Punkte fühlen und punktgenau behandeln, dann wirkt es auch. Wenn man das nicht kann und sich denkt „irgendwie wird das schon hinkommen“, dann funktioniert es sicher nicht.

Wickert: Wenden Sie auch Akupunktur an?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ich habe sowohl die Akupunktur, die Neuraltherapie als auch in Frankreich die Mesotherapie gelernt. Aus diesem Wissen heraus habe ich beschlossen, dass, wenn ich in den Körper mit Nadeln eindringe, ich auch Medizin mit hineinnehmen und diese dort punktgenau an den entscheidenden Stellen absetzen kann. Das sind ausschließlich Pflanzenextrakte in homöopathischer Verdünnung, die nicht schaden. Es ist bekannt, dass Arnika entzündungshemmend ist, dehydrierend (wasserziehend) und abschwellend wirkt, und das mache ich mir zu Nutze.

Meyer-Burckhardt: Und das spricht sich herum! Sie haben 2002 einen Anruf bekommen, von einem Trainer, der einen damals 16-jährigen jamaikanischen Sprinter betreut hat. Was wollte dieser Trainer von Ihnen?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Er hatte einen Schützling, der schon im sehr jungen Alter Weltrekorde aufgestellt hat: schon mit 13, 14 Jahren war er der Schnellste auf der Welt. Doch dann verletzte sich der junge Athlet immer häufiger, wegen einer starken Skoliose.

Meyer-Burckhardt: Der Athlet ist Usain Bolt!

„Ich habe mich schließlich dazu entschieden, den Fall und damit die Verantwortung zu übernehmen.“

Dr. Müller-Wohlfahrt: Genau, und sein Manager wollte nun wissen, ob es sinnvoll sei, diesen Jungen trotz seiner häufigen Verletzungen weiter zu trainieren. Man hat ihn dann zu mir geschickt, ich habe ihn einen Tag lag untersucht, ohne ihn oder seine Erfolge zu kennen. Ich habe mich schließlich dazu entschieden, den Fall und damit die Verantwortung zu übernehmen. Mit der Voraussetzung, ihn jedes Vierteljahr bei mir in München untersuchen und gegebenenfalls behandeln zu können. Und dass ich zusätzlich bei jeder Verletzung zwischen den Untersuchungen umgehend informiert werde.

Das hat alles geklappt. Und wenn man betrachtet, wie oft er seitdem trotz des langen Anreisewegs von Miami nach München gekommen ist, bemerkt man, was da für ein starkes Vertrauensverhältnis besteht, dass er diese Strapazen auf sich nimmt.

„Ich muss eine Höchstform von Konzentration aufbringen.“

Meyer-Burckhardt: Ist es jemals passiert, dass Sie ins Wartezimmer gekommen sind und Kai Pflaume, Herbert Grönemeyer und Bono dort nebeneinander gesessen haben?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ja, das ist häufiger vorgekommen (lacht). Ich wusste allerdings nie, wer im Wartezimmer sitzt. Meine Kolleginnen sind nämlich angewiesen, mir nicht zu sagen, wer an welchem Tag kommt oder gerade da ist. Ich möchte völlig unbelastet meine Arbeit machen. Ich muss eine Höchstform von Konzentration aufbringen, sonst funktioniert meine ganze Arbeit nicht. Es darf mich einfach nichts ablenken, nicht einmal ein Telefon.

Homöopathie in der Schmerztherapie

Dr. Rubin: Die Homöopathie steht ja häufig unter Beschuss, sie wird immer wieder durch den Kakao gezogen und abgewertet – und dann gibt es aber auch wieder gute Zeiten. Wie reagieren denn die Fußballspieler wenn Sie sagen, dass Sie homöopathisch behandeln?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Das Bewusstsein der Fußballer ist sehr gewachsen. Ich habe 1975 begonnen, den ersten professionellen Fußballverein – Hertha BSC – zu übernehmen. Damals ging es darum, dass Spieler in erster Linie schmerzfrei werden. Und mit der Homöopathie geht das nicht ad hoc. Es funktioniert zwar sehr gut, aber zu der Zeit war es üblich, dass man sehr viel Kortison einsetzt. Und das habe ich von Anfang an nicht gemacht und lehne es nach wie vor ab.

Meyer-Burckhardt: Und auf diesem Wege haben Sie momentan sogar Einfluss auf den Golfsport.

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ja, jetzt läuft ja gerade das Golfturnier in Augusta (Georgia, USA) und es gab den Fall José Olazábal, der nach seinem Weltmeistertitel fürchterliche Probleme in seinen beiden Füßen bekam. Und zwar so massiv, dass er weder spielen, trainieren oder gar gehen konnte. Er war in vielen verschiedenen Kliniken unter anderem in der Mayo Clinic. Überall hieß es, dass er unheilbares Rheuma habe und er nie wieder Golf spielen könne.

Schließlich hat ihn sein Weg zu mir geführt. Ich habe ihn sehr zeitaufwendig molekularbiologisch, kernspintomographisch, röntgenologisch und mit meinen Händen sehr genau untersucht.

Am Abend des Tages habe ich gesagt: „José, ich glaube, ich kann dir helfen“. Sein Manager saß neben mir, sie schauten sich an und sagten sinngemäß: Der spinnt wohl, dass er denkt, er wisse es besser als die großen amerikanischen Kliniken.

Ich habe dann um die Chance gebeten, ihn drei Tage zur Probe behandeln zu können, um zu schauen, ob es klappt. Und er ist geblieben. Einen Tag nach der Behandlung rief er an und sagte, dass er wiederkommen werde.

Knapp drei Monate später konnte er sein erstes Golfturnier spielen. Etwa 13 Monate später hat er wieder in Augusta gespielt – und erneut gewonnen.

Von Ostfriesland in die Welt

Meyer-Burckhardt: Wir fassen mal zusammen: Die Fußballer glauben daran, die Golfer glauben daran und die Rockmusiker auch. Diese einmalige Karriere hat für Sie nicht etwa in München oder in Berlin beim Hertha BSC begonnen, sondern in Ostfriesland – in Wittmund. Wie war diese Kindheit in einem protestantischen Pfarrhaus?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Wittmund aufgewachsen mit einer großen Gemeinde. Damals wollte ich immer weg, ich hatte großes Fernweh. Und obwohl meine Eltern es mir verboten hatten, bin ich in den Ferien dann heimlich bis nach Spanien getrampt.

In diesem Pfarrhaus bin ich sehr streng erzogen worden, mit Erziehung zur Musik und Disziplin für den Sport. Das ging von meinem Vater aus. Ich habe schon immer sehr viel und auch erfolgreich Sport gemacht.

Meyer-Burckhardt: Sind Sie gläubig?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ja, sehr. Ich würde sagen ohne jeden Zweifel. Zweifel habe ich zwar auch gehabt, aber ich habe immer wieder zum Glauben zurück gefunden.

„Ich glaube an das, was ich fühle“

Meyer-Burckhardt: Ich habe viele Begegnungen mit Ärzten gehabt und habe den Eindruck, dass gläubige Ärzte weniger der Technik folgen als andere. Ist das auch Ihr Eindruck?

Dr. Müller-Wohlfahrt: Ein Kapitel in dem Buch (Autobiografie: „Mit den Händen sehen“) ist mir sehr wichtig. Da geht es um meinen Eindruck von der heutigen, jungen Medizin. Viele junge Ärzte heutzutage sind viel zu technikgläubig und halten die Kernspin-Untersuchung für das Höchste überhaupt. Wohingegen ich sage, ich glaube an das, was ich fühle – und das stimmt oft nicht überein. Sie sehen ja am Erfolg, beim Verlauf einer Verletzung, wer Recht hat. Da konnte ich in vielen Fällen zeigen: Wenn wir der Kernspin-Untersuchung gefolgt wären, hätte ein Sportler noch wochenlang warten müssen, bis er wieder hätte Sport machen können. Über den Tast-Befund konnte ich sagen, dass die Verletzung nicht so schlimm ist und es beispielsweise nur ein Lymphstau oder ein Bluterguss ist und der Spieler nach 14 Tagen wieder ins Training gehen kann.

Meyer-Burckhardt: Sie sind jetzt 44 Jahre mit Ihrer Frau Karin verheiratet. Wie oft haben Sie aus dem Mund Ihrer Frau gehört: Mach doch mal weniger, wir können es uns doch leisten. Das Haus ist abbezahlt?

Dr. Müller-Wohlfahrt: (lacht) Das war am Anfang der Fall. Wir hatten abgemacht, dass ich erstmal drei Jahre bei Bayern bleibe und wir dann entscheiden, was als nächstes kommt. Ich habe das aber immer weiter rausgeschoben und wollte immer noch ein Jahr länger machen.

Nach diesem Jahr hat sie aber nie wieder gefragt, weil sie gemerkt hat, dass ich in dem, was ich tue, aufgehe. Sie ist klug genug, um mich so arbeiten zu lassen, wie ich es brauche.

Meyer-Burckhardt: Also ist es Ihrer Frau zu verdanken, dass sie heute Abend hier bei uns sind. Sie waren und sind uns eine Ehre und eine Freude. Vielen Dank.

Der Bericht zu dem Beitrag auf Homöopathie-Online

Bildquelle Beitragsbild: NDR/Uwe Ernst

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