Seit Sommer 2008 bereitet eine Initiativgruppe aus dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) die Gründung einer Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) vor. Die Gründung von WissHom erfolgt im Veranstaltungszentrum Schloss Köthen im Rahmen des 10. Internationalen Coethener Erfahrungsaustausches (ICE 10). Zur Gründungssitzung am Donnerstag, 11. November 2010, von 12 bis 14.30 Uhr, sind alle an wissenschaftlicher Homöopathie interessierten Ärztinnen und Ärzte herzlich eingeladen!

Interview zur Gründung von WissHom mit Angelika Gutge-Wickert, im DZVhÄ-Vorstand für Weiterbildung zuständig, und Curt Kösters, 2. DZVhÄ Vorsitzender

Mit welchen Zielen gründen Sie WissHom?

Angelika Gutge-Wickert: Wir möchten ein Forum schaffen für den wissenschaftlichen Austausch zwischen homöopathischen Ärzten und Forschern. Neben den Fragen der klinischen Forschung wollen wir uns aber auch mit der Verbesserung der homöopathischen Praxis befassen, also Qualitätsmanagement, Falldokumentation, der Materia Medica. Aber auch Fragen der Wissenschaftstheorie und der Begriffsbildungen der Homöopathie interessieren uns. Und nicht zuletzt könnte die Gesellschaft auch etwas beisteuern zur Verbesserung der Lehre. Wichtig ist, dass solche Überlegungen unabhängig sind vom Berufsverband, der sich an der Tagespolitik orientieren muss.

Wer kann Mitglied werden?

Angelika Gutge-Wickert: Mitglieder können alle Ärzte und Wissenschaftler werden, die ernsthaft an Forschung in der Homöopathie interessiert sind und ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben. Wir wollen Leute mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Qualifikationen zusammen bringen.

Wie wird WissHom arbeiten?

Curt Kösters:
Innerhalb der einzelnen Sektionen – bisher sind das Forschung, Qualitätssicherung und Lehre – können sich dann Arbeitsgruppen bilden. Die können ggf. auch überschneidende oder konkurrierende Themen und Ansätze verfolgen, sie müssen sich nur nach bestimmten Spielregeln richten. Dazu gehört, dass sie ihre Ergebnisse dann regelmäßig publizieren müssen.

Wem gehören die Ergebnisse?

Angelika Gutge-Wickert: Das ist eine ganz entscheidende Frage. Es gibt und gab ja in der Homöopathie schon viele kluge Leute, die sich viele gute Gedanken gemacht haben. Leider ist vieles davon in irgendwelchen Schubladen verschwunden; oder es sitzt dann irgendwann jemand auf dem Urheberrecht. So kann man auf die Dauer nichts zustande bringen. Wir müssen sicherstellen, dass die Ergebnisse am Ende dann der homöopathischen Gemeinschaft auch zur Verfügung stehen.

Es gibt an vielen Hochschulen Forschung zur Homöopathie. Warum noch WissHom?

Curt Kösters: Es wäre schön, wenn es so wäre. Hochschulforschung gibt es noch viel zu wenig. Aber die wollen und können wir auch nicht ersetzen. Das Ziel ist zunächst mal, dass es einen besseren Austausch zwischen Praxis und Forschung gibt; wenn jemand eine Studie über die Behandlung von Marathonläufern macht, und das aus methodischen Gründen mit einem Mittel im Sinne einer bewährten Indikation, wäre es doch ganz sinnvoll, sich zunächst mal Gedanken zu machen, mit welchem Mittel das funktionieren könnte. Die Hypothesen, die von der Forschung untersucht werden, müssen aus der Praxis generiert werden. Und das gilt auch für die Theoriebildung. Wir arbeiten da mit Begrifflichkeiten und Modellen, die in den letzten 150 Jahren fast niemand mehr kritisch hinterfragt hat. Das wäre auch für die Grundlagenforschung ganz interessant, wenn wir uns das noch einmal genauer anschauen und mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen – sowohl Kultur- und Geisteswissenschaften als auch Naturwissenschaften – vernetzen.

Viele Studien belegen die Wirksamkeit der Homöopathie. Sie wird aber immer wieder als unwissenschaftlich und unwirksam dargestellt. Haben Sie ein Kommunikationsproblem?

Curt Kösters: Neulich habe ich in einem Blog den schönen Satz gelesen: „Homöopathie lehne ich allein deswegen schon ab, weil ich nicht möchte, dass sich mein Leitungswasser daran erinnert, wo es schon überall war.“

Darum geht es. Wir können in der Tat belegen, dass Homöopathie wirksam ist. Wir können auch schon recht gut belegen, dass es sich dabei um eine substanzspezifische Wirkung handelt. Aber dennoch bleibt das Ganze irgendwie unheimlich, mysteriös und schwer zu verstehen, wenn man genauer über den Wirkungsmechanismus nachdenkt. Ich glaube, dass die Homöopathie systemtheoretisch eigentlich recht gut zu verstehen ist; ich habe aber großes Verständnis für Leute, die meinen, dass das nur Humbug sein kann – vor allem, wenn sie das noch nie praktisch sehen konnten. Ohne Bäume und Äpfel würde ich auch nicht an Schwerkraft glauben.

Weitere Informationen unter www.wisshom.de 

Mehr zum Thema:

Homöopathie entdecken – Die Arbeit von WissHom – Interview mit Curt Kösters