Schauspielerin Marion Kracht spricht über Homöopathie, Engagement, Ernährung, die Geburten ihrer Söhne und über Idioten, die es in der Medizin immer noch gibt.

Frau Kracht, seit Ihrem 5. Lebensjahr stehen Sie vor der Kamera, bis heute haben Sie über 200 verschiedene Fernseh-, Bühnen- und Kinorollen gespielt. Was macht für Sie die Faszination der Schauspielerei aus?

Ich bin in den Beruf hineingewachsen – und dabei geblieben. Es reizt mich, unterschiedliche Charaktere darzustellen, mich in die Menschen hinein zu versetzen. Das macht mir großen Spaß, und man lernt dabei viel über Menschen. Auch für das eigene Leben. Ich versuche zu verstehen, wieso sich meine Rolle so verhält wie sie sich verhält. Arroganz ist beispielsweise ein Zeichen von Unsicherheit. Wenn man das weiß, kann man die Rolle glaubwürdiger spielen.

Auf der Bühne zu stehen macht mir auch viel Freude.  Den direkten Kontakt mit dem Publikum finde ich großartig. Aktuell spiele ich an der Komödie am Kurfürstendamm das Stück ‚Auf ein Neues‘ – ein drei Personen Stück. Ich spiele dort eine Business-Frau, die glaubt, Gefühle seien nur hinderlich. Bis sie auf einen Obdachlosen trifft, den sie schließlich zu Weihnachten zu sich einlädt, was ihr und sein Leben verändert.

Sie haben in der ARD-Reihe „Liebe, Babys und …“ eine Hebamme gespielt, die leidenschaftlich für die Homöopathie eintritt. Wie weit ist diese Rolle von der echten Marion Kracht entfernt?

Eigentlich sollte das ein einziger Film werden, der aber so erfolgreich war, dass man eine Reihe daraus gemacht hat. Von da an erschienen pro Jahr zwei Neunzigminüter. Das habe ich sechs Jahre lang gemacht und eine von Homöopathie begeisterte Hebamme gespielt. Durch die Geburten meiner beiden Kinder hatte ich Erfahrungen für die Rolle. Die erste Geburt war ein Kaiserschnitt, und auch die zweite Geburt drohte ein Kaiserschnitt zu werden. Die Hebamme verriet mir damals, dass es ihr auf der Station durch den Chefarzt verboten worden sei, mit Homöopathie zu arbeiten. Entschuldigung – aber solche Idioten gibt es immer noch. Als die Geburt nicht vor und zurück ging und ein Kaiserschnitt vorbereitet werden sollte, schaute die Hebamme sich gründlich um. Als niemand hinguckte, steckte sie mir ganz schnell zwei Globuli in den Mund. Und eine halbe Stunde später hatte ich mein Kind. Ohne Komplikationen.

Die Rolle hat mir schon sehr zugesagt, als ich das Skript  gelesen habe. Mir hat gefallen, dass sie mit Homöopathie aufmischt. Ich hatte durch meine Hebamme ein sehr gutes Vorbild. In ihrer Durchsetzungskraft ist mir die Rolle sehr ähnlich.

Welchen Stellenwert hat für Sie Gesundheit und ein gesundheitsbewusstes Leben?

Das hängt für mich zusammen. Man kann nicht sein ganzes Leben lang Kette rauchen, trinken, Drogen nehmen, sich schlecht ernähren und dann die Schultern zucken und sagen: Wieso habe ich denn jetzt Zucker, Herzprobleme oder andere Krankheiten?

Gesundheit ist einfach das Höchste für mich. Sie betrifft alle Bereiche des Lebens. Gesundheit beginnt nicht beim Arzt – sondern schon wenn ich morgens aufstehe. Wie fühle ich mich? Wie ernähre ich mich? Wie gehe ich mit mir um? Dafür sollte man ein Bewusstsein bekommen.

Wie kam Ihr erster Kontakt mit der Homöopathie zustande?

Meine Eltern haben die Homöopathie nicht genutzt. Als Teenager bekam ich große Probleme, weil ich drei Nieren habe. Ich hatte Koliken, Nierenbeckenentzündungen und war permanent im Krankenhaus. Die Schulmediziner wollten operieren und mir die Niere rausnehmen – was wollten die mir nur alles antun. Doch dann hat mir erstaunlicherweise mein Zahnarzt, der sich mit Homöopathie gut auskannte, ein paar Globuli gegeben. Und danach waren die Beschwerden weg. Da fragte ich mich: Was ist denn das?

Später bekam mein Vater dann Lymphkrebs. Die Ärzte haben ihm keine lange Lebenszeit mehr eingeräumt. Mir zur Liebe hat er sich dann mit Jin Shin Jyutsu – einer Urform der Akupunktur – und Homöopathie behandeln lassen. Er hielt davon zuerst überhaupt nichts. Doch dann hat es ihm das Leben gerettet. Er hat noch zwanzig Jahre geschenkt bekommen und mit dem Krebs gelebt. Das ist schon großartig.

In welchen Fällen nutzen Sie heute die Homöopathie?

Ich verwende heute ausschließlich Homöopathie, wenn das möglich ist. Bei einem Leistenbruch geht das natürlich nicht. Da ist die Schulmedizin natürlich gut und sinnvoll. Ich fände es großartig, wenn Homöopathen und Schulmediziner noch mehr zusammen arbeiten würden. Unsere Homöopathin ist deshalb auch Ärztin und Homöopathin. Meine Söhne sind 14 und 11 Jahre alt: Die beiden haben noch nie ein Antibiotikum bekommen.

Und was sind die Gründe, wesshalb Sie sich für Homöopathie entscheiden?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schulmedizin nur einen bestimmten Faktor behandelt, beispielsweise die Niere. Und nicht den ganzen Menschen sieht. Erst gestern war ich bei einem Arzt, dem ich sagte, dass ich nachgewiesener Maßen einen bakteriellen Befall der Magenschleimhaut hatte – den Helicobacter. Er fragte, welches Antibiotikum ich genommen habe und ich sagte: Gar keins, ich habe es homöopathisch behandelt. Er hat mich belächelt und sagte, das ginge nicht. Komisch, sagte ich, denn der Befall ist nachgewiesener Maßen nicht mehr da. Es heißt immer: Das geht nicht. Solche Überheblichkeit finde ich anstrengend. Ich möchte einfach ganzheitlich herangehen und ganzheitlich gesund sein. Das ist der Grund, warum ich mich für die Homöopathie entscheide. Und außerdem ist es günstiger.

Oft heißt es, die Unzufriedenheit mit der konventionellen Medizin sei der Hauptgrund dafür, warum sich Menschen der Homöopathie zuwenden. Wie ist das bei Ihnen?

Die meisten wenden sich sicher von der Schulmedizin ab, weil sie nicht so wirkt, wie sie sich erhoffen. Sie werden dadurch nicht gesund. Sie müssen etwas einnehmen, bekommen Begleiterscheinungen, da werden mitunter Organe geschädigt. – Und allwissend sind die Mediziner ja auch nicht. Ich verteufle das nicht, ich sage: Lasst uns zusammenarbeiten.

Über die Hälfte aller gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet bereits die Homöopathie – einige ebenfalls die homöopathischen Arzneimittel. Halten Sie diese Entwicklung für sinnvoll?

Ja natürlich. Die Erstanamnese ist bestimmt teuer, weil sich der homöopathische Arzt so viel Zeit nimmt. Das muss er, weil er den ganzen Menschen in den Blick nimmt. Ein wichtiger Faktor. Und danach sind die Kosten ja geringer, wenn man bei einem guten Homöopathen ist. Teure Behandlungen und Medikamente fallen weg.

Eigentlich müsste man es machen wie früher: Da wurde der Arzt so lange bezahlt wie man gesund blieb. An den Höfen gab es Ärzte für die Adligen, die für die Gesundheit ihrer Patienten Geld bekamen, nicht bei deren Erkrankung. Ein Arzt sollte ein Partner im Leben sein, der einen begleitet und hilft, gesund zu bleiben.

Kritiker sagen, die Heilerfolge durch Homöopathie beruhen auf Einbildung und Glaube. Wie sehen Sie das?

Zunächst wäre das trotzdem großartig. Wobei ich da sagen muss: Dann müssen sich Babys auch viel einbilden können. Und auch meine Katze und mein Hund. Da merkt man schon, dass mit diesem Argument der Einbildung etwas nicht stimmt. Darüber hinaus ist doch Einbildung oder schlicht der Glaube an Heilung ein Bestandteil jeder ärztlichen Behandlung. Auch der Schulmedizinischen. Vielleicht gibt es noch nicht die Methoden, um die Wirkung der Homöopathie zu messen. Oder anders: Wenn man ein Buch untersuchen würde, dann würde man sagen es bestünde aus Pappe, Papier und Druckerschwärze. Und das war´s. Aber der Inhalt, der bleibt unberücksichtigt. Die Art, wie man etwas testet, ist also von Bedeutung.

Kontakt zu Marion Kracht: www.facebook.com/marion.kracht

Foto: Agentur reuters