Kinder ohne Worte

Kinder ohne Worte

Viele Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern sind durch seelische Nöte verursacht, die Erwachsenen nur bedingt zugänglich sind. Ein großes Einfühlungsvermögen aufzubringen und die Perspektive des Kindes einzunehmen, fällt nicht immer leicht. Selten äußern Kinder ihre Not direkt. Sie können sie noch nicht in Worte kleiden, bringen sie aber im Verhalten und im Spiel zum Ausdruck.

Kummer durch Trennung

Wenn Eltern sich trennen müssen, bedeutet das auch für die Kinder einen großen Einschnitt in ihr Leben und ihre Gefühlswelt. Grundsätzlich haben Kinder ein Recht darauf, dass die Eltern sich einvernehmlich einigen, bei wem die Kinder in Zukunft wohnen sollen und wie der Kontakt zum anderen Elternteil gestaltet wird. Auch wenn die Eltern noch so viel streiten und die Wogen der Gefühle hoch schlagen, sind sie aufgerufen, im Sinne ihrer Kinder einen minimal gemeinsamen Weg zu finden. Dabei muss jeder zurückstecken. Das tut weh.

Es gibt viele Möglichkeiten der Hilfe für Familien in seelischer Not. Erziehungsberatung, psychologische Begleitung oder Therapie sind Formen der Hilfe. Eine weitere Möglichkeit ist die homöopathische Behandlung. Denn es geht um seelische Wunden, die homöopathischer Behandlung ebenso zugänglich sind wie körperliche Leiden.

 

Schuldfragen: Der Fall Stefan

Stefan, sieben Jahre alt, ist vom Auszug des Vaters aus der gemeinsamen Wohnung tief gekränkt und verstört. Warum konnte sein Vater nicht bei der Mutter bleiben? Was hat er, Stefan, falsch gemacht? War er nicht lieb genug gewesen zu seinen Eltern? Wenn der Vater seine Mutter nicht mehr lieb hat, hat er dann ihn, seinen Sohn Stefan, auch nicht mehr lieb? Wenn sein Vater die Mutter verlassen hat weil sie sich nicht mehr verstanden, warum musste er denn auch ihn, Stefan, verlassen? Das ewige Warum macht Stefan ganz krank im Kopf. Er grübelt Tag und Nacht darüber nach. Er möchte aus diesem Alptraum erwachen – und alles soll wieder so sein wie früher!

Die Mutter hat bemerkt, dass Stefan ganz still geworden ist und oft ein sehr trauriges Gesicht macht. Sie fragt die homöopathische Ärztin, ob man da etwas machen kann. Stefan erhält drei Globuli Ignatia in der Potenz C 200 auf die Zunge. Danach kann er mal tüchtig weinen und seine Wut herausschreien. Es ist, als ob sich eine Blockade gelöst hat. Zwar hat sich seine äußere Situation nicht geändert, aber er hat wieder Boden unter den Füßen.

 

Ignatia

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich ein „Ignatia-Zustand“ bei einem Kind bemerkbar macht. Die erste Art entspricht dem oben geschilderten Fall, bei dem sich ein Kind verschließt und still wie stark leidet:

  • Das Kind hat einen überwältigenden Trennungsschmerz und kann sich darüber gar nicht mitteilen.
  • Es kann nicht weinen, wirkt aber sehr traurig und leer, wie blockiert.
  • Es kann nicht fassen, was passiert ist und fragt insgeheim: „Warum, warum? Was habe ich falsch gemacht?

Die zweite Ignatia-Variante betrifft Kinder, die mehr „Krach“ machen und schwieriger für die Eltern sind. Diese Fälle treten häufig auf, wenn Kinder starke Eifersucht gegenüber ihren Geschwistern entwickeln:

  • Das Kind fühlt sich im Stich gelassen und ist gekränkt.
  • Es zeigt große Stimmungsschwankungen und Überreaktionen auf die geringste Zurückweisung mit viel Wut und Tränen.
  • Es weint laut, schon fast hysterisch und lehnt Trost stark ab.

Diese Fälle sind für die Eltern meist ungemütlicher als still leidende Kinder. Dennoch geht es diesen Kindern im Inneren meist viel besser als jenen, die keine Worte mehr finden und keine Gefühle mehr nach außen tragen, um ihrer Situation Ausdruck zu verleihen.

 

Quelle:
Homöopathie - alles Gute für KindDr. med. Anne Sparenborg-Nolte, Dr. med. Stephan Nolte
Homöopathie
Alles Gute für Ihr Kind
Verlag Oberstebrink
Hardcover, 309 S., 24,90 €, ISBN 978-3-934333-17-8

 

 

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