Homöopathie im Nationalsozialismus

Homöopathie im Nationalsozialismus

„Wir wissen, dass die Haltung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte und der Schriftleitung seines Verbandsorgans AHZ damals explizit auf den Schulterschluss mit den Nationalsozialisten abzielten“, sagte Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des DZVhÄ, in Weimar. Ziel sei gewesen, „der homöopathischen Heilkunst Anerkennung zu verschaffen“. Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft im Jahr 1933 wurden medizinische Methoden gefördert, die in der Weimarer Republik als Außenseiter galten.

1935 wurde die Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde gegründet, die bereits 1937 wieder aufgelöst wurde. In der Arbeitsgemeinschaft waren die Deutsche Allgemeine Gesellschaft für Psychotherapie, die Deutsche Gesellschaft für Bäder- und Klimakunde, der Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte, der Kneippärzte-Bund, der Reichsverband der Naturärzte, der Reichsverband deutscher Privatkrankenanstalten und die Vereinigung anthroposophischer Ärzte. Doch aus der Anerkennung wurde nichts. Professor Robert Jütte, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung und Vorstandsmitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, hat auf diesem Gebiet geforscht und in Weimar seine bisherigen Ergebnisse präsentiert. Sein Fazit: „Eine institutionelle Aufwertung der Homöopathie hatte nicht stattgefunden, kein einziger Lehrstuhl war geschaffen worden und die Integration der Homöopathie in die Schulmedizin war weitgehend gescheitert.“

Doch dies ist nur ein Kapitel der Homöopathie im Nationalsozialismus. Ein anderes begann 1941 im Konzentrationslager Dachau. Auch wenn der Begriff Homöopathie nicht in den Registerbänden der Nürnberger Prozesse zu finden ist, kann „kein Zweifel daran bestehen, dass vereinzelt auch homöopathisch potenzierte Mittel zu Menschenversuchen missbraucht wurden“, sagte Professor Jütte. Diese Versuche wurden von Reichsführer-SS Heinrich Himmler angeordnet und wurden mit potenzierten Mitteln durchgeführt. Dies waren zwar keine Arzneien der Homöopathie, jedoch werden Schüssler Salze, Spenglersan oder die Spagyrik aufgrund ihrer Herstellung in der Öffentlichkeit der Homöopathie zugeordnet. Aus diesem Grund hat der DZVhÄ in der Weimarer Erklärung auch „sein tiefstes Bedauern darüber“ bekundet, „dass im Namen der Homöopathie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurden.“

Fakten schaffen

„Wir werden jetzt die bisher noch nicht erfolgte Forschung in den Gebieten unserer eigenen Geschichte sowohl durch direkte finanzielle Beiträge als auch durch institutionelle Unterstützung fördern“, erklärte der Vorstand des Zentralvereins homöopathischer Ärzte. So können Fehlverhalten homöopathischer Ärzte dokumentiert und Kritikern der Homöopathie Fakten entgegengesetzt werden. Kritiker werfen der Homöopathie bis heute vor, sie sei kompromittiert, da führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes sie gefördert hätten. „Damit wird insinuiert, dass es auch ideologische Gemeinsamkeiten gegeben haben muss. Eine solche Sicht kann man nur als Geschichtsfälschung bezeichnen“, urteilte Robert Jütte in seinem Vortrag.

Der Vortrag Homöopathie und Nationalsozialismus von Prof. Dr. Robert Jütte und die Weimarer Erklärung des DZVhÄ finden Sie auf der DZVhÄ-Webseite www.welt-der-homoeopathie.de im Bereich Presse.

Foto: DZVhÄ

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