“Homöopathische Ärzte können schwere Krankheitsverläufe erkennen, einschätzen und behandeln”

“Homöopathische Ärzte können schwere Krankheitsverläufe erkennen, einschätzen und behandeln”

Cornelia Bajic ist Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Sie arbeitet als homöopathische Ärztin, Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in Remscheid

Frau Bajic, sollte ich mit einer chronischen Krankheit zu einem homöopathischen Arzt gehen?

Ja, ein Arzt mit der Weiterbildung „Homöopathie“ kann schwere Krankheitsverläufe erkennen, einschätzen und behandeln. Sei es mit Homöopathie oder konventioneller Medizin oder einer Kombination der Methoden.

Sind Homöopathie und konventionelle Medikamente denn miteinander vereinbar?

Homöopathische Ärzte werden versuchen, schulmedizinische Medikamente auszuschleichen und durch ein homöopathisches zu ersetzen. Doch die Praxis zeigt grundsätzlich: Es kann ein Miteinander geben. Sollte bei einer schweren Erkrankung der Patient gut mit konventionellen Medikamenten zurecht kommen, wird er sie auch behalten. Das Ziel ist eine gute Therapie und nicht die Frage, ob Schulmedizin oder Homöopathie.

Übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Behandlungskosten für einen homöopathischen Arzt?

Ja, erfreulicherweise entscheiden sich viele für die Erstattung. Heute sind es rund 80 Krankenkassen, die homöopathische Behandlungen bei Vertragsärzten erstatten. Die Ärzte müssen das Homöopathie-Diplom des DZVhÄ nachweisen können.

Was ist eigentlich eine sogenannte Erstverschlimmerung? Tritt die bei jeder homöopathischen Behandlung auf?

Zunächst ist eine Erstverschlimmerung nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Sie wird von Homöopathen als ein gutes Zeichen gewertet, das zeigt, dass der Heilungsprozess beginnt. Die Symptome verschlimmern sich kurzzeitig, die Reaktion des Körpers darauf führt zur Heilung. Sie tritt aber nicht in jedem Fall auf. Sollte sie lange anhalten oder stark sein, muss der Arzt benachrichtigt werden.

Einige Patienten nehmen Globuli auf eigene Faust ein. Wann ist eine Selbstbehandlung angezeigt?

Eine Selbstbehandlung kann bei leichten akuten Erkrankungen und Verletzungen sinnvoll sein. Handelt es sich jedoch um ein chronisches Leiden, oder besteht bereits eine homöopathische Behandlung, sollte man nicht selbst zu Homöopathika greifen. In diesen Fällen muss der homöopathische Arzt verständigt werden.

Wie oft muss ich eine homöopathische Arznei einnehmen, damit sie ihre Wirkung entfalten kann?

In akuten Fällen sollte schon bei der Einnahme der ersten Arzneigabe nach 15 Minuten eine Verbesserung eintreten. Erst wenn sich nach anfänglicher Besserung kein weiterer Fortschritt zeigt, sollte das Mittel frühestens nach 15 Minuten wiederholt werden, beim dritten Mal frühestens nach 30 Minuten. Bei Bedarf bis zu viermal am Tag. Eine Gabe sind zwei bis drei Globuli.

Falls es sich um eine Selbstbehandlung handelt, empfiehlt der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) für alle homöopathischen Medikamente die Potenz C12.

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