Homöopathie bei Zerrung, Verstauchung, Verrenkung

Generell kommen alle homöopathischen Arzneimittel auch als „Verletzungsmittel” bei Zerrung, Verstauchung und Verrenkung in Frage. In der Praxis zeigt sich aber, dass bestimmte Arzneimittel – vorzugsweise einige pflanzliche – bei bestimmten Verletzungen besonders häufig zur Anwendung kommen. Doch nicht jede Muskel, Sehnen- und Gelenkverletzung, Zerrung oder Verstauchung kann selbst behandelt werden: Bitte begeben Sie sich bei allen schweren Verletzungen umgehend in ärztliche Behandlung!

Einnahme homöopathischer Arzneien bei akuten Beschwerden nach Zerrung, Verstauchung:

Schon nach 15 Minuten sollte in akuten Fällen eine Verbesserung eintreten. Erst wenn sich nach anfänglicher Besserung kein weiterer Fortschritt zeigt, sollte das Mittel frühestens nach 15 Minuten wiederholt werden, beim dritten Mal frühestens nach 30 Minuten. Bei Bedarf bis zu viermal am Tag zu wiederholen. Die Wirkung jeder Gabe muss abgewartet werden. Die Globuli im Mund zergehen lassen. 15 Minuten vor und 15 Minuten nach der Gabe möglichst nichts essen und trinken. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) empfiehlt bei der Selbstbehandlung für alle homöopathischen Medikamente die Potenz C12. Eine Gabe sind 2-3 Globuli. Homöopathische Arzneimittel gibt es nur in Apotheken.

Arnica

Arnica ist das wichtigste und am häufigsten angewandte „Verletzungsmittel“ in der Homöopathie. Die „blinde“ Anwendung bei jeder Verletzung ist aber sicher nicht korrekt und wird bei Zerrung und Verstauchung auch nicht immer zum Erfolg führen.

Entsprechend der Ähnlichkeitsregel wird Arnica bei denjenigen Verletzungen besonders gut helfen, bei denen es durch Schlag, Prellung oder Sturz zu starken Schmerzen, Schwellung und Bluterguss gekommen ist. Auch äußere Blutungen können bestehen. Die verletzten Körperteile schmerzen wie wund und zerschlagen. Es besteht eine Empfindlichkeit gegen Erschütterung und Berührung. Bewegung verschlimmert, Ruhe und Liegen bessern die Schmerzen.

Bei Kopfverletzungen und Schock durch Verletzung sollte man auch immer an Arnica denken. Der Patient ist unruhig und schätzt die Situation falsch ein. Obwohl er verletzt ist, sagt er, dass es ihm gut geht und er keine Hilfe braucht. Dabei kann er manchmal zusätzlich einen heißen Kopf haben (und dennoch frösteln). Auch nach Operationen und zahnärztlichen Eingriffen, wenn es zu Nachblutung, Schwellung und Schmerzen kommt, ist Arnica bewährt.

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Bryonia

Bryonia wird bei allen Verletzungen von Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln (z.B. Zerrung) angewandt, bei denen typischerweise stechende Schmerzen bestehen, die durch die geringste Bewegung schlimmer und durch absolute Ruhe, festen Druck und örtliche Kälte besser werden.

Die Patienten haben Durst auf große Mengen kaltes Wassers.

Meistens reagieren sie empfindlich auf jede Störung, sind reizbar, wollen „nach Hause“ und ihre Ruhe haben oder sprechen von der Arbeit.

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Ledum

Ledum ist ein sehr wichtiges Arzneimittel bei Stichwunden und Insektenstichen.

Es besteht ein heftiger Juckreiz, der durch Kratzen noch schlimmer wird. Obwohl sich die betroffene Stelle kalt anfühlt und z.T. blau verfärbt ist, werden die Beschwerden (Schmerz, Schwellung, Juckreiz) durch Kälte gebessert.

Der Heilungsprozess kann gestört sein. Sowohl Stichverletzungen als auch Insektenstiche und Tierbisse, die zu Entzündungsreaktionen, Infektion und Eiterung führen, können erfolgreich behandelt werden.

Auch bei Verletzungen von Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken, wie zum Beispiel Verstauchungen und Zerrungen ist Ledum bewährt. Auch hier lindert Kälte (und verstärkt Wärme) die Schmerzen.

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Rhus toxicodendron

Rhus toxicodendron kann bei vielen Verletzungen von Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln angezeigt sein, insbesondere bei Verstauchungen, Überdehnungen und Zerrungen.

Charakteristisch für dieses Arzneimittel ist, dass die Schmerzen in Ruhe schlimmer werden und den Patienten dazu zwingen, die betroffene Stelle zu bewegen um Linderung zu erfahren. Besonders nachts kann der Patient nicht ruhig liegen und muss ständig seine Lage ändern. Nach einer Ruhephase kommt es zu einem Steifigkeitsgefühl. Die Schmerzen werden bei Beginn der Bewegung schlimmer und bessern sich bei fortgesetzter Bewegung wieder. Wärme bessert, Nässe und Kälte verschlimmern die Beschwerden.

Bei Verbrennungen kann Rhus toxicodendron, wenn auch seltener, angezeigt sein, wenn intensiv brennende und juckende, kleinere Brandbläschen vorherrschen, wobei der Juckreiz durch Kratzen verschlimmert wird. Auch hier ist eine ausgeprägte allgemeine Bewegungsunruhe des Patienten zu beobachten.

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Ruta

Bei Schlagverletzungen der Knochen und Knochenhaut muss man in erster Linie an Ruta denken. Aber auch bei Zerrungen der Sehnen und Bänder (zum Beispiel auch durch Halswirbelsäulen-Schleudertrauma), Verstauchungen der Gelenke und Schleimbeutelentzündungen kommt dieses Arzneimittel in Frage.

Die betroffenen Körperteile schmerzen wie geprellt, zerschlagen oder zerbrochen, es bestehen Unruhe, Schwäche und ein Schweregefühl. Herabhängenlassen des betroffenen Körperteils und (feuchte) Kälte verschlimmern die Beschwerden, sanfte Bewegung und Wärme lindern.

Bei Kopf- und Augenschmerzen nach Überanstrengung der Augen, beispielsweise durch Lesen, Handarbeit oder längeres Arbeiten am Computer, ist Ruta häufig angezeigt. Die Augen sind dabei gerötet und brennen.

Die Ausheilung von Knochenbrüchen – wenn sie verzögert abläuft oder mit Schmerzen einhergeht – kann durch Calcium phosphoricum, Ruta und Symphytum unterstützt werden.

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Symphytum

Wird in erster Linie bei Verletzungen der Knochen und Knochenhaut eingesetzt, insbesondere bei Schlägen und Abschürfungen an vorspringenden Knochen wie Jochbeinen, Ellenbogen, Knien, Wirbelsäule und Schultern. Aber auch bei Augenprellungen durch stumpfe Gegenstände (Ellenbogen, Faust, Sektkorken, Ball) ist es angezeigt.

Es bestehen generell sehr starke Schmerzen und Berührungsempfindlichkeit.

Auch Beschwerden, insbesondere stechende Schmerzen durch lange zurückliegende Knochenbrüche können mit Symphytum geheilt werden.

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