Berlin, 8. Februar 2024. Dr. med. Ulf Riker, Internist – Naturheilverfahren und Homöopathie, schreibt Fallbeispiele aus seiner Praxis für den Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH). So wird die homöopathische Praxis sichtbar und Patientinnen und Patienten können sich ein Bild von der Behandlung machen. Im Homöopathie Fall 5 geht es um Homöopathie bei  Gesichtsschmerz – einer rechtsseitigem Trigeminus-Neuralgie.

Eine ältere Dame leidet seit 2,5 Jahren an einem Gesichtsschmerz, einer Trigeminus-Neuralgie – betroffen ist die rechte Seite. Es begann ganz plötzlich ohne nachvollziehbaren Grund. Der Schmerz ist sehr heftig, er umfasst den gesamten Unterkiefer. Sie hat deswegen schon eine, wie sie sagt „Zahnarzt-Odyssee“ hinter sich und ein querliegender Weisheitszahn sei operativ entfernt worden, aber das habe überhaupt nichts geändert. Deshalb nehme sie nun alle acht Stunden 200 mg Carbamazepin. Dies ist ein Mittel gegen Krampfanfälle, das aber auch bei Trigeminus-Neuralgien zum Einsatz kommt.

Keine Lösung der Schmerzen durch konventionelle Medizin

Die Patientin berichtet in der Anamnese: Wenn der Schmerz da ist, dann kann sie nicht mehr reden, nicht essen, nicht kauen, jede geringste Bewegung tut einfach höllisch weh. Sie darf  auch keinen Speichel und kein Getränk in die rechte Mundseite bzw. an die Zähne bringen, sie kann nur mit einem Trinkhalm trinken, den sie in die linke Mundseite schiebt und dabei den Kopf auf die linke Seite neigen muss. Auch das Einziehen von Luft durch den Mund tut weh. Äußerlich ist sie im rechten Unterkieferbereich sehr empfindlich auf Wind oder Zugluft. Drehen des Kopfes zur Seite verstärkt ebenfalls den Schmerz.

Das Ermitteln des homöopathischen Arzneimittels

Sie hat immer mal wieder starke Kreuzschmerzen, ein kleiner Bandscheibenvorfall ist bekannt, das rechte Bein ist seit Jahren pelzig, aber damit hat sie sich abgefunden. Wärme lindert diese Rückenschmerzen deutlich. Sie isst gerne Fisch, hat Angst vor Dunkelheit und in einer Menschenmenge, ist aber gerne unter Leuten, fühlt sich in der Wohnung wie „eingesperrt“, sodass sie einen ständigen Drang nach draußen hat. Eine erste Arzneigabe war Phosphorus, die Arznei hat jedoch keinerlei Effekt auf die Symptomatik. Im zweiten Anlauf erfolgt die sorgfältige Repertorisation (nach Boenninghausen), wobei die Lokalisation und die Modalitäten der Verschlimmerung herangezogen werden. Parallel wird noch mit einer zweiten Methode (Kent) gearbeitet, und siehe da: mit beiden Methoden steht Belladonna an erster Stelle.

Homöopathie bei Gesichtsschmerz – Belladonna ist das Arzneimittel

Eine erste Gabe Belladonna C 200 bringt nur eine kurze und nicht sehr überzeugende Besserung der Schmerzsymptomatik. War es nur der Placebo-Effekt? Aber nach einer Gabe C 1000 ist der Schmerz für mehr als eine Woche komplett verschwunden. Als er wieder auftaucht, bringt eine Wiederholungsgabe in derselben Potenz eine deutlich länger anhaltende Schmerzbefreiung. Die Arznei wird noch mehrfach wiederholt, seither ist die Patientin komplett beschwerdefrei und konnte das Carbamazepin absetzen.

Belladonna ist vielen Eltern als Fiebermittel bekannt und hilft in entsprechenden Fällen auch ziemlich häufig. Aber Belladonna – die Tollkirsche, ein Nachtschattengewächs – kann viel mehr: zum Beispiel Neuralgien zum Verschwinden bringen!

Homöopathie bei  Gesichtsschmerz – das ist interessant an diesem Fall

  • Eine erste (falsch gewählte) Arznei hat keinerlei Wirkung, auch keinen Placebo-Effekt.
  • Nach dem anfänglichen Fehlschlag wirkt die zweite (diesmal sorgfältiger ausgewählte) Arznei erst nur mäßig, aber bei wiederholter Gabe in noch höherer Potenz durchschlagend. Für Laien (und für unseren Gesundheitsminister!) ist das nicht plausibel, für „Eingeweihte“ aber nachvollziehbar und erklärbar.
  • Der Wirkmechanismus der Homöopathie ist nach wie vor ungeklärt, aber die Wirksamkeit ist offensichtlich. Und darauf kommt an.
  • Carbamazepin ist eigentlich ein Epilepsiemittel, und für diese Indikation ist der Mechanismus der Wirkung geklärt. Nicht aber für die Wirksamkeit bei Trigeminusneuralgie. Homöopathie (in diesem Falle Belladonna) steht also in diesem Fall mit Carbamazepin auf gleicher Stufe: man weiß nicht, wie es genau wirkt. Aber man kann als Patient erleben, dass es wirkt.
  • Carbamazepin ist ein schwer abbaubarer Arzneistoff, der umweltschädlich ist und deshalb auf der nationalen Beobachtungsliste des Umweltbundesamtes steht. Homöopathie hingegen hinterlässt weder im Herstellungsprozess noch nach therapeutischer Anwendung relevante Schäden in der Umwelt.

Informationen zur Homöopathie

In der Rubrik „Behandlung“ der BPH-Webseite finden Sie viele weitere Informationen über die Selbstmedikation und die Beschreibungen von Arzneimitteln und Erkrankungen. Hier wird auch beschrieben, wie eine professionelle homöopathische Behandlung funktioniert.

  • Informationen zur Selbstbehandlung mit Homöopathie, Arzneimittelbildern und Erkrankungen erhalten Sie hier.
  • BPH-Broschüre Homöopathie to go können Sie durchblättern und online für 5,50 Euro bestellen.
  • Aktuelle Informationen zur Homöopathie Forschung.
  • Informationen zu homöopathischen Arzneimitteln beim BfARM
  • Gesetzliche Krankenkassen und private Zusatzversicherungen, Informationen gibt es hier.

BPH-Broschüre Homöopathie to go