Tiermedizin: Die Grenzen der Selbstmedikation

Tiermedizin: Die Grenzen der Selbstmedikation

von Dr. med. vet. Klaus Danowski:

Homöopathische Arzneimittel eignen sich hervorragend zur Selbstmedikation beim Tier. Sie helfen, sind rezeptfrei und preiswert. Verwendet man sie als Tiefpotenz von D3 – D12, hat der Tierhalter kaum unerwünschte Wirkungen zu fürchten. Nebenwirkungen im Sinne der konventionellen Medizin gibt es nicht – aufgrund der ganzheitlichen Wirkanforderung sind alle Wirkungen erwünscht. Jedoch hat jede Selbstmedikation ihre natürlichen Grenzen. Das fängt an bei hochakuten Erkrankungen. Es gibt zahlreiche Alarmsignale, die dem Tierbesitzer diese aufzeigen. An erster Stelle stehen anhaltende Schmerzen. Schreit oder stöhnt ein Tier ununterbrochen, sind schwere Entzündungen oder Gewebeschäden zu vermuten.

So erkennen Sie schwerwiegende Erkrankungen

  • Eine Hirnhautentzündung erkennt man an ungewöhnlichen Augenbewegungen, Schielen, Licht- und Berührungsempfindlichkeit. Erhöhte Aggressivität mit Beißen kommt vor, das Tier erkennt etwa seine Angehörigen nicht mehr und flieht.
  • Koliken aller Art, besonders bei Jungtieren, müssen ärztlich behandelt werden. Sie treten oft bei einem Futterwechsel aber auch bei einem Wetterwechsel auf. Schnell heranziehende Tiefdruckgebiete können bei sensiblen Tieren zu Verkrampfungen der Eingeweide führen, man spricht dann vom Kolik-Wetter. Besonders Katzen, Meerschweinchen und Pferde sind davon betroffen. Eine Kolik erkennen Sie daran, dass beim Abtasten des Unterbauches das Tier starke Schmerzen zeigt. Der Bauch ist bretthart wie ein aufgepumpter Ball. Blasenkoliken erkennt man an sehr schmerzhaftem Wasserlassen.
  • Eine Entzündung des Nagelbetts geht mit einer starken Schwellung eines Zehenendgliedes einher. Viele Patienten gehen plötzlich lahm. Jede kleine Berührung wird dem Tier sehr unangenehm.
  • Akutes Herzversagen bei Katzen führt zu hochdramatischen Symptomen. Das betroffene Tier schreit ununterbrochen, als ob es geprügelt würde, Krampfanfälle, Rotationsbewegungen, Fluchttendenz mit Aufprall auf umstehende Gegenstände sind die Regel. Beim Hund tritt Herzversagen eher schleichend auf. Der Hund wirkt schlapper, die Spaziergänge werden immer kürzer.
  • Anhaltender Husten, besonders mit Erbrechen schaumiger Flüssigkeit nach dem Erwachen, oder kalte Pfoten, zeigen eine Notfallsituation im Lungenkreislauf an.
  • Orthopädische Probleme sind in der Regel leicht einzuordnen. Überlastungssituationen bei Spiel und Sport sind sicher die häufigste Ursache. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 3 bis 5 Tagen, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Hochschmerzhafte Zustände bei Hund und Katze werden z. B. durch verrutschte Wirbel beim HWS-Syndrom verursacht. Das Tier kann den Kopf nicht mehr in alle Richtungen bewegen. Es schreit auf bei leisester Berührung.

Als chronische Erkrankungen bezeichnet man alle Probleme, die länger als 4 Wochen bestehen. Hier wird generell die Grenze der Selbstmedikation erreicht. Dazu gehören starker Gewichtsverlust, große Schwäche, anhaltende Hautprobleme, ständiger Durst, Durchfall oder Atemwegserkrankungen oder auch immer wiederkehrende Beschwerden, sie müssen vom Tierarzt behandelt werden. Besondere Gefahr besteht, wenn die Probleme in immer kürzeren Abständen auftauchen.

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