Berlin, 22. Mai 2026 | Im aktuellen Informationsdienst Homöopathie sagt Prof. David Martin: „Homöopathie für Kinder aus der GKV zu streichen ist unethisch, da ihnen eine wirksame Methode vorenthalten würde.“ Der Kinderarzt und renommierte Wissenschaftler kritisiert vor allem, dass bei Kindern zu viel Antibiotika anstatt Homöopathie eingesetzt wird – die Studienlage gibt ihm Recht.
Homöopathie für Kinder zu streichen ist unethisch, sagt der Kinderarzt und Wissenschaftler Prof. Dr. med. David Martin von der Universität Witten-Herdecke. Er begründet dies mit überzeugenden Studien aus der Versorgungsforschung, die zeigen, dass mit Hilfe der Homöopathie der Antibiotikaeinsatz um 43 bis 57 Prozent gesenkt werden kann. Das Mikrobiom der ersten Lebensjahre prägt das Immunsystem lebenslang, Antibiotika stören aber diese Entwicklung massiv. Die Folge können viele schwerwiegende Erkrankungen sein.
Nicht nur unethisch, auch unsozial
Kindern Homöopathie vorzuhalten ist nicht nur medizinisch unethisch – es ist auch unsozial. Es gilt, dass verordnete homöopathische Arzneimittel als Regelleistung von der Krankenkasse für Kinder bis zum 12. Lebensjahr erstattet werden. Bis jetzt. Geplant ist, diese Regel abzuschaffen. Dann werden viele Eltern aus finanziellen Gründen auf homöopathische Arzneien verzichten müssen.
Zur Person: Prof. Dr. med. David Martin ist Kinder- und Jugendarzt, pädiatrischer Endokrinologe, Onkologe, Diabetologe und Hämatologe. Er leitet das Institut für Integrative Medizin (IfIM) und den Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin. Er ist Co-Leiter des Interdisziplinären Graduiertenkollegs für Integrative Medizin und Gesundheitswissenschaften (IGIM) und des Forschungs- und Lehrzentrums Herdecke (FLZ).
Protest gegen die GKV-Reform
Der gesellschaftliche Protest gegen das Streichen der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin aus dem Sozialgesetzbuch V (SGB V) wird stärker. Vor allem das Unverständnis an diesem Vorhaben bewegt die Menschen zum Handeln. Sie sprechen vermehrt mit Politikerinnen und Politikern und konfrontieren sie mit der medizinischen Notwendigkeit der besonderen Therapierichtungen in der Praxis.
Was Lauterbach nicht schaffte, soll nun von der Union durchgesetzt werden. Die vom BMG eingesetzte Finanzkommission stellt in ihrer Empfehlung fest, dass bislang das GKV-Aus der Homöopathie „…letztlich aber am politischen Entscheidungswillen“ scheiterte. Man fragt sich, was diese politische Analyse in dem Papier zu suchen hat. Lauterbach scheiterte vor zwei Jahren an Einigem – vor allem an einer Kampagne, die eine der erfolgreichsten Bundestagspetitionen führte. Die Petenten wurden bei der Anhörung im Bundestags-Petitionsausschuss sehr herzlich von den Vertretern der Union begrüßt. Davon ist nicht viel geblieben.
Prof. Martin: „Homöopathie muss als gesundheitswirtschaftliche Investition gesehen werden“
Prof. David Martin hat vorhandene Studien zur Homöopathie, die in peer-reviewed Journalen erschienen sind, gesichtet. Er kommt zu dem Schluss, dass „Homöopathie als gesundheitswirtschaftliche Investition“ gesehen werden muss, da sie insbesondere einen Beitrag gegen Antibiotikaresistenzen (AMR) leisten kann. Doch Antibiotika stellen ein weiteres Problem dar: Sie verändern das kindliche Mikrobiom. Als Kinderarzt warnt Prof. Martin vor dem flächenmäßigen Einsatz von Antibiotika und sagt, dass die Homöopathie solange eine Berechtigung hat, bis er und seine Kolleg:innen in der Mainstream Medizin es geschafft haben, so wenig Antibiotika zu verschreiben wie die Homöopath:innen – mit gleichwertigen Behandlungsergebnissen.
Deshalb ist Homöopathie in der GKV wichtig
1. Die ökonomische Realität: Direkte Einsparungen
Homöopathie ist kein zusätzlicher Kostenfaktor –sie senkt die Gesamtkosten der medizinischen Versorgung signifikant.
- 20 % geringere Gesamtkosten: Die französische EPI3 Studie(n=8.559) zeigte, dass Patienten bei homöopathischen Hausärzten bei gleicher klinischer Wirksamkeit 20 % weniger Kosten im Gesundheitssystemverursachen. [1]
- Reduktion der Arzneimittelkosten: Bei Atemwegserkrankungen sinken die Kosten für konventionelle Medikamente durch homöopathische Begleitbehandlung um 46–47 %. [2]
Prof. Martin: „Würde nur 10 % der Primärversorgung auf homöopathische Praxis umgestellt, ergäbe sich eine Einsparung von mehreren hundert Millionen Euro jährlich.“
2. Der Schlüsselhebel: Reduktion von Antibiotikaresistenzen (AMR)
Antibiotikaresistenzen kosten Europa jährlich ca. 1,5 Milliarden Euro und verursachen über 35.000 Todesfälle.
- Das Problem: 80 % der ambulanten Antibiotika werden für Atemwegsinfektionen verschrieben – oft unnötig bei viralen Infekten.
- Die Lösung: Homöopathische Behandlungen reduzieren den Antibiotikaeinsatz bei diesen Indikationen nachweislich um 43 % bis 57 %.[1][4]
- Der Return on Investment: Eine Reduktion des Antibiotikaverbrauchs um nur 10 % durch komplementäre Therapien würde direkte Einsparungen von 150 Millionen Euro jährlich in der EU bedeuten.
Prof. Martin: „Prävenention durch Homöopathie ist keine Nischenmaßnahme – sie ist ein zentraler Hebel der europäischen Gesundheitspolitik.“
3. Langfristiger Schutz: Das kindliche Mikrobiom
Das Mikrobiom der ersten Lebensjahre prägt das Immunsystem lebenslang. Antibiotika stören diese Entwicklung massiv.
- Die Folgen: Frühkindliche Antibiotika-Exposition erhöht das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), Zöliakie, Asthma und Adipositas signifikant. [5][6]
- Die Kosten: Ein CED-Patient kostet das System lebenslang 8.000 bis 20.000 Euro pro Jahr.
- Die Prävention: Jeder durch Antibiotika-Vermeidung verhinderte Fall einer chronischen Erkrankung spart dem Gesundheitssystem ein Vielfaches der Kosten für die homöopathische Behandlung.
Prof. Martin: „Schutz des kindlichen Mikrobioms durch Reduktion unnötiger Antibiotika ist primäre Prävention – und damit harte Ökonomie.“
4. Die Gesamtheit der klinischen Forschung zur Homöopathie
Die Wirksamkeit der Homöopathie ist durch hochwertige Meta-Analysen belegt.
- Globale Evidenz: Der aktuellste Systematic Review von Meta-Analysen (Hamre et al., 2023) bestätigt signifikante positive Effekte der Homöopathie über Placebo hinaus. [7]
- Der Qualitäts-Effekt: Bei der klassischen, individualisierten Homöopathie steigt die Effektgröße mit der methodischen Qualität der Studien. Die qualitativ hochwertigsten Studien zeigen die stärksten Effekte (OR 1.98). [8]
Prof. Martin: „Die Evidenzlage ist nicht schwach – sie ist bei der richtigen Therapieform (individualisiert) besonders stark in den besten Studien.“
Unsere Forderungen an die Politik
- Streichung stoppen: Den Passus zur Aufhebung der homöopathischen Leistungen in § 11 Abs. 6 SGB V ersatzlos aus dem Entwurf entfernen.
- Pädiatrisches Antibiotika-Stewardship: Förderung komplementärer Alternativen in nationalen Programmen zur Reduktion von Antibiotika.
- Forschungsförderung: Gezielte Unterstützung klinischer Studien zu Langzeiteffekten auf das Mikrobiom und zur Kosteneffektivität.
- Integrierte Versorgungsmodelle: Ausbau von Verträgen mit klaren Zielvorgaben für die Reduktion konventioneller Medikamente.
- Ideologiefreie Entscheidung: Gesundheitspolitische Entscheidungen müssen auf Fakten und dem Versorgungsnutzen basieren.
Unsere Quellen
- Grimaldi-Bensouda L et al. (2014). Management of Upper Respiratory Tract Infections by Different Medical Practices, Including Homeopathy, and Consumption of Antibiotics in Primary Care: The EPI3 Cohort Study in France 2007–2008. PLoS ONE 9(3):e89990.
- Rossi E et al. (2009). Cost–benefit evaluation of homeopathic versus conventional therapy in respiratory diseases. Homeopathy 98(1):2-10.
- European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) / EFSA (2022). The bacterial challenge: time to react. AMR burden in Europe.
- Perry R et al. (2024). The effectiveness of homeopathy in relieving symptoms and reducing antibiotic use in patients with otitis media: A systematic review and meta-analysis. Heliyon 10(20):e39174.
- McDonnell L et al. (2021). Association between antibiotics and gut microbiome dysbiosis in children: systematic review and meta-analysis. Gut Microbes 13(1):1870402.
- Jiang F et al. (2023). Association between antibiotic use during early life and early-onset colorectal cancer risk. Int J Cancer 153(9):1602-1611.
- Hamre HJ et al. (2023). Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication. Syst Rev 12:191.
- Mathie RT et al. (2014). Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev 3:142.
- Mathie RT et al. (2017). Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev 6:63.
- Kass B et al. (2020). Effectiveness and cost-effectiveness of treatment with additional enrollment to a homeopathic integrated care contract in Germany. BMC Health Serv Res 20:872.
- Bornhöft G, Matthiessen PF (Eds.) (2012). Homeopathy in Healthcare: Effectiveness, Appropriateness, Safety, Costs. Springer.
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- Thema: Homöopathie für Kinder aus der GKV zu streichen ist unethisch
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Quellen zum Stand der Homöopathie-Forschung
- www.hri-research.org/de/hri_publication/the-epi3-laser-study-real-world-observational-evidence-for-homeopathy-from-general-physicians-in-france/
- www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-1587-2308
- www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin
- www.springermedizin.de/efficacy-of-homoeopathic-treatment-systematic-review-of-meta-ana/26139250
- www.ikim.unibe.ch/forschung/uebersichten_zum_stand_der_forschung/homoeopathie/index_ger.html