„Schlafprobleme müssen individuell behandelt werden“

„Schlafprobleme müssen individuell behandelt werden“

Interview:

Dr. Tatjana Werner

 

Dr. Tatjana Werner ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie und dem Homöopathie-Diplom. Als niedergelassene Ärztin praktiziert sie in Oldenburg in Holstein.

Frau Werner, wann wird aus einem Schlafproblem eine Schlafstörung?

Wenn die Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen nicht nur gelegentlich oder vorübergehend auftreten, sondern regelmäßig und häufig. Es gibt allerdings auch andere Schlafstörungen, beispielsweise bei verschiedenen akuten oder chronischen Erkrankungen, das obstruktive Schlafapnoesyndrom, bei dem eine nächtliche Atemstörung vorliegt, die auch zur Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit führt oder den Nachtschreck, bei dem die Kinder zwar aufschrecken und schreien, aber nicht ganz wach sind, so dass sie sich hinterher nicht an dieses Ereignis erinnern können.

Welche Tipps geben Sie Eltern für eine Lösung?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass sich die Eltern auf ein bestimmtes gemeinsames und realistisches Ziel einigen und dass sie sich durch Einmischung anderer Personen nicht irritieren lassen. Ein wenige Wochen altes Kind kann zum Beispiel noch nicht zum Durchschlafen erzogen werden, aber bei einem dreijährigen Kind ist es möglich, mit liebevoller Konsequenz für alle beteiligten Personen erholsame Nächte zu erreichen. Dies kann sehr unterschiedlich aussehen. Es gibt Familien, die zufrieden damit sind, gemeinsam in einem Familienbett zu schlafen, wenn die Kinder sich dort ruhig verhalten und andere benötigen ihren eigenen Raum, um zur Ruhe zu kommen, so dass die Kinder lernen sollten, alleine in ihrem eigenen Bett zu schlafen.

Was halten Sie von den Schlaflernprogrammen?

Schlaflernprogramme können gut funktionieren, allerdings nur, wenn die Bezugspersonen sich einig sind und durchhalten, bis das Kind schläft. Nicht jedes Elternteil erträgt es aber, sein Kind einige Stunden lang schimpfen oder auch weinen zu lassen und wenn es dann nach langem Meckern doch ins Elternbett geholt wird, hat es gelernt, dass man nur lange genug durchhalten muss, um seinen Willen durchzusetzen. Da dies das Gegenteil von dem ist, was das Kind eigentlich lernen sollte, ist es wichtig, dass die Eltern sich vorher einigen, wer zu welcher Zeit für die Betreuung des Kindes zuständig ist und sich gegenseitig unterstützen. Wenn alle Bezugspersonen sich nicht zutrauen, ein solches Programm durchzuführen, dann sollten sie lieber gar nicht erst damit anfangen, weil die Situation danach schlechter sein kann als vorher.

Sind die Maßnahmen für alle Altersgruppen gleich, wodurch unterscheiden sie sich?

Bis zu einem Alter von etwa sechs Monaten ist eine Schlaferziehung kaum möglich, danach auch immer individuell abzuwägen, da Charakter und Entwicklung der Kinder sehr unterschiedlich sind. Im Vorschulalter ist meistens liebevolle Konsequenz am hilfreichsten, ab dem Schulalter können dann manchmal schon kleine Verträge geschlossen werden, in denen beide Parteien ihre Wünsche festschreiben können. Beispielsweise möchten die Eltern einigermaßen in Ruhe schlafen, was bei Erfolg am nächsten Morgen in einem Belohnungskalender durch Lachgesichter oder Sonnen kenntlich gemacht werden kann und das Kind wünscht sich z. B. einen Zoobesuch mit seinen ausgeschlafenen Eltern, nachdem der Belohnungskalender gefüllt ist.

Wie behandeln Sie solche Störungen homöopathisch?

So vielfältig die Art der Schlafstörung ist, so sehr unterscheiden sich auch die Kinder. Um eine begleitende homöopathische Behandlung durchführen zu können, benötigen wir daher eine homöopathische Anamnese, die uns dabei hilft, für das jeweilige besondere Kind und seine Situation das möglichst passendste Mittel zu finden.

Ist bei Kleinkindern die Anamnese nicht sehr schwierig?

Das ist richtig, je kleiner das Kind ist, desto mehr sind wir auf unsere eigene Beobachtung und die der Eltern angewiesen. Es ist also umso wichtiger, dass diese genau hinschauen und uns mitteilen, durch welche Umstände sich die Situation z. B. verbessert oder verschlechtert.

Wie behandelt die konventionelle Medizin Schlafstörungen?

Je nach Ursache der Schlafstörung. Bei einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom werden die Adenoide (Polypen) und/oder Mandeln entfernt oder verkleinert. Bei Ein- und Durchschlafstörungen wird ein Schlaftagebuch über einige Wochen empfohlen, um Schlafbedarf und eventuell auch Ursachen für Schlafstörungen zu ermitteln. Dann erfolgen Empfehlungen zur Schlafhygiene. Weitergehende Informationen zum Thema gibt es z. B. bei der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, dort kann der Flyer: „Mein Kind schläft nicht!“ heruntergeladen oder bestellt werden (www.dgkj.de).

Würden Sie die Behandlung auch für die Selbstmedikation empfehlen?

Phytotherapeutisch könnte man einen Kamillen- oder Melissentee probieren, eine homöopathische Selbstmedikation würde ich nicht empfehlen.

Foto: dagon_ / www.pixabay.com

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