Im Zusammenspiel: Intensivmedizin und Homöopathie

Im Zusammenspiel: Intensivmedizin und Homöopathie

Es waren sich alle einig: Der Zustand, in dem Andreas in die Kinderneurologie der Münchner Universitätsklinik in Großhadern eingeliefert wurde, war sehr bedenklich. Die behandelnden Ärzte machten den Eltern nur wenig Hoffnung, dass sich ihr 4-jähriges Kind von den Folgen einer Gehirnentzündung wieder ganz erholen würde. Doch er wurde wieder gesund, in sehr kurzer Zeit. Für die Eltern steht fest, dass die homöopathische Begleitbehandlung zur konventionellen Therapie eine wichtige Rolle gespielt hat.

Auch ein paar Wochen nach der Erkrankung ihres Sohns stand den Eltern der Schreck noch im Gesicht geschrieben. An einem Samstagmorgen Ende August kann Andreas plötzlich nicht mehr richtig sprechen, ist weinerlich, motorisch unsicher, unruhig, die Augen zucken wie unter Stress. In der nahegelegenen Kinderklinik des Münchner Stadtteils kann das Kind nicht behandelt werden, die Ärzte verlegen es sofort auf die Intensivstation der Uniklinik in Großhadern. Inzwischen hat sich der Zustand von Andreas weiter verschlechtert, er ist kaum mehr ansprechbar, krampft. In der Kinderneurologie wird eine MRT gemacht, um die Ursachen der Erkrankung festzustellen.

Die Ärzte sind sich nicht sicher, ob es sich um eine Enzephalitis, eine Gehirnentzündung, oder vielleicht auch um einen Schlaganfall handeln könnte. Eine antibiotische und eine antivirale Behandlung werden begonnen. Um herauszufinden, ob Viren oder Bakterien die Auslöser sind, werden das Blut und die Hirnflüssigkeit untersucht, die Entzündungszeichen sind negativ. Doch in der Nacht verschlechtert sich Andreas Zustand weiter. Ein zweites MRT wird durchgeführt und das Kind in ein künstliches Koma versetzt. Die Eltern fassen die Situation so zusammen: „Es war unfassbar schlimm.“

Die behandelnden Ärzte machen den Eltern inzwischen kaum Hoffnung, dass ihr Kind wieder so werden wird, wie sie es kennen. Die Entzündung habe große Teile des Gehirns erfasst. Die Gehirnentzündung ist wahrscheinlich die Folge eines banalen Infekts, den Andreas in der Woche zuvor hatte. Die Ärzte beginnen eine Behandlung mit hochdosiertem Kortison. Die Eltern fühlen sich nicht ausreichend informiert. Die Aussage, man könne nicht mehr machen, als jetzt gemacht würde, lässt Andreas Mutter zum Telefon greifen. Sie ruft Andreas Kinderärztin an, die ihren Sohn auch schon homöopathisch behandelt hat, und schildert ihr die Situation. Die Ärztin fragt, ob sich die Eltern auch jetzt eine homöopathische Behandlung für ihr Kind vorstellen könnten. Die Mutter erzählt, dass sie auf diese Möglichkeit nicht gekommen sei, da sie im Krankenhaus noch nicht mit Homöopathie konfrontiert wurde. Sie stimmt zu. Dann spricht sie mit den Klinikärzten über diese Option.

Die Homöopathie wird in die Behandlung integriert

„Der behandelnde Arzt hat über den Vorschlag erst einmal nur gelächelt“, erzählt Andreas Mutter. Aber er zeigt sich schnell kooperativ, zumal eine homöopathisch therapierende Kinderärztin seit vielen Jahren offiziell in der Klinik arbeitet. So wird gleich ein Termin für den nächsten Tag ausgemacht. Dr. Sigrid Kruse arbeitet seit über 20 Jahren in der Universitätskinderklinik in München. Sie hat nicht eine feste Station, sondern wird von den Stationsärzten zu den Patienten gerufen, wenn die Eltern dies wünschen oder die Ärzte die Homöopathie als Behandlungsmethode hinzuziehen möchten.

„Wir waren erst einmal begeistert, dass sich Frau Kruse zwei Stunden Zeit genommen hat“, erzählt Andreas Vater. Dr. Kruse macht eine ausführliche homöopathische Anamnese und lässt sich von den Eltern die gesamte (Kranken)-Geschichte von Andreas erzählen. Sie kommt zu dem Schluss, dass eine homöopathische Begleittherapie sinnvoll sei. Die intensivmedizinischen Maßnahmen werden unverändert weiter geführt. Andreas ist inzwischen nicht mehr im künstlichen Koma, wird aber weiterhin beatmet und über eine Magensonde ernährt. Als erste homöopathische Arznei verordnet Sigrid Kruse Helleborus niger, die Christrose, in einer hohen Potenz, ein weiteres Mittel ist Opium in potenzierter Form. Die Reaktionen auf die Mittel sind deutlich, Andreas schläft ruhiger und ist am Tag erstmalig wieder wacher und scheint seine Eltern wieder zu erkennen.

Die homöopathischen Mittel werden weitergegeben. Die Eltern sind die gesamte Zeit anwesend und begleiten ihr Kind. Langsam fängt der Junge wieder zu sprechen an. Da Andreas nun auch nicht mehr beatmet werden muss, kann er die Intensivstation verlassen. Die Hauptprobleme sind eine Schluckstörung und Unvermögen zu sprechen bei unbeweglicher Zunge. Dr. Kruse gibt das potenzierte Mittel Crotalus horridus, das aus dem Gift der Klapperschlange hergestellt wird. Die Wirkung ist verblüffend, als ob ein Schalter umgelegt worden wäre. 10 Minuten nach der Gabe sagt Andreas einen ganzen Satz, er möchte, dass der Schlauch entfernt wird. Sein Vater sagt, dass das nur dann gehe, wenn er auch schlucken könne. Andreas schluckt, er trinkt mit einem Strohhalm einen Becher leer und isst etwas. Die Krankenschwester ist beeindruckt. Sie sagt, wenn Andreas abends und morgens selbstständig isst, könne sie mit dem Arzt sprechen – am nächsten Tag war der Schlauch entfernt. Es gibt keinen Rückschritt mehr, von den Reha-Maßnahmen wird nicht mehr gesprochen.


So wird die Homöopathie eingesetzt: Die Homöopathie wird in der Kinderklinik als begleitende Therapie sowohl bei ambulanten – inklusive Notfallambulanz – als auch bei stationär behandelten Kindern eingesetzt. Dabei ist das hauptsächliche Einsatzgebiet dort, wo die konventionellen Therapiemöglichkeiten unbefriedigend sind. Besonders bewährt hat sich eine begleitende homöopathische Therapie beispielsweise bei ambulanten Patienten mit neurologischen Erkrankungen in der Entwicklungsneurologie bei behinderten Kindern, in der Allergologie bei Kindern mit Neurodermitis und Asthma bronchiale, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Bei den stationär behandelten Kindern seien exemplarisch einige Indikationen für eine begleitende homöopathische Therapie genannt: Neugeborene – Unruhe und Schreiattacken bei Frühgeborenen und Säuglinge, Hirnblutung dritten Grades bei Frühgeborene, Drogenentzugssyndrom. Onkologie – Begleitende homöopathische Therapie zum Abfangen der Nebenwirkungen der Chemotherapie und der Bestrahlung zur Verbesserung der Lebensqualität der Kinder. Chirurgie – Wundheilungsstörungen, Verbrennungen, Ängste der Kinder, postoperativer Harnverhalt.


„Er machte nach jeder Gabe deutliche Fortschritte“

Ein Interview mit Dr. Sigrid Kruse, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Andreas’ behandelnde Ärztin – Sie arbeitet seit über 20 Jahren als Leiterin des Bereichs Homöopathie am Dr. von Hauner´schen Kinderspital der LMU München.

Frau Dr. Kruse, wie schätzten Sie die Erkrankung von Andreas ein?

Er war in einem sehr bedenklichen Zustand, niemand konnte vorhersehen, ob er sich davon erholen würde. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen der Kinderneurologie in Großhadern und weil die Eltern offen für die homöopathische Behandlung waren, konnten wir ihm gut helfen.

… aber von alleine sind Ihre Kollegen nicht auf die Idee gekommen, Sie hinzuziehen.

Es ist häufig so, dass die Initiative von den Eltern ausgeht, weil sie von unserem Homöopathie- Angebot gehört oder bereits gute Erfahrung mit der Methode gemacht haben. Es ist aber auch ein sehr seltenes Krankheitsbild gewesen, bei dem wenigen Kollegen bekannt ist, dass die Homöopathie hilfreich sein kann.

Gibt es eine Nachbearbeitung der Fälle im ärztlichen Team?

Das ist unterschiedlich. Letztlich lässt sich ja auch nicht sagen, welche Therapie den Ausschlag gegeben hat. Die konventionelle Therapie hat ja weiterhin stattgefunden, vielleicht waren es ja auch die Steroide, die im Verlauf hochdosiert eingesetzt wurden.

Aber es gab doch immer nach einer Gabe Globuli deutliche Verbesserungen.

Ja, das stimmt. Was mich beeindruckt ist, dass der Junge direkt nach der Gabe von Opium C 200 einen klaren Blick bekommen hat und eine ruhigere Nacht. Er machte nach jeder Gabe deutliche Fortschritte, so ging es Schritt für Schritt. Auch das Schluckproblem mit der unbeweglichen Zunge hat sich sehr deutlich nach den Globuli gebessert – da ist für mich schon ein Zusammenhang.

Foto: iStockphoto (Symbolbild)

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