Homöopathie-Deklaration: Professoren und Ärztegesellschaften unterstreichen die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der Homöopathie – und kritisieren einseitige Darstellungen

Autor: Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen, Vorsitzender des Sprecherkreises des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM), im Namen der untenstehenden Professoren und Ärztegesellschaften

Zusammenfassung der Homöopathie-Deklaration

Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie ist es Mode geworden, deren therapeutische Wirksamkeit in Abrede zu stellen, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht. Dennoch werden als Ausdruck von Ignoranz oder einer bewussten Stimmungsmache gegen die Homöopathie wissenschaftliche Fehlinformationen lanciert. Die vorliegende Publikation zeigt an drei ausgewählten Beispielen aus jüngster Zeit unter Berücksichtigung der tatsächlichen Beleglage die fehlende Seriosität dieser Aktivitäten auf.

Im Namen des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) und weiterer etablierter und repräsentativer Ärzteorganisationen wird das Erfordernis einer evidenzbasierten Integrativen Medizin sowie seine zunehmende Bedeutung an führenden medizinischen Fakultäten in den USA ebenso wie in Deutschland dargelegt. Es wird aufgezeigt, dass eine vollorchestrierte Gesundheitsversorgung, die den individuell unterschiedlichen Bedürfnissen und Präferenzen der Bevölkerung zu entsprechen sucht, eine Integrative Medizin als ein zwar kritisches, aber unvoreingenommenes Kooperationsgefüge zwischen Mainstreammedizin und ausgewählten komplementärmedizinischen Ansätzen zu seiner Grundlage bedarf.

In diesem Zusammenhang wird auf einen von allen Mitgliedern des Dialogforums verfassten Grundsatzartikel zur Professionalität verwiesen, demzufolge sowohl für die konventionelle Medizin als auch für die Komplementärmedizin gleichermaßen eine Verpflichtung zur Wissenschaftlichkeit besteht. Bereits Ludwig Fleck und Thomas Kuhn haben aufgezeigt, dass die Anhänger eines bestimmten Paradigmas bestrebt sind, das je eigene Paradigma durch den Staat zu privilegieren. Der vorliegende Artikel verweist jedoch darauf, dass dem Staat nach §5 Abs. 3 des Grundgesetzes ein Wissenschaftsrichtertum im Sinne der Parteiergreifung für ein bestimmtes Paradigma grundsätzlich untersagt ist. Darüber hinaus wird darauf verwiesen, dass die Monopolisierung eines einzigen Paradigmas mit der Ausbildung totalitärer Denkstrukturen einhergeht. In einem abschließenden Votum verwahren sich die Unterzeichner, die neben etablierten Ärzteorganisationen aus einer Vielzahl ausgewiesener Ärzte und Wissenschaftler bestehen, gegen die Verfolgung totalitärer, mit dem Grundgesetz kollidierenden Denkfiguren in unserem Gesundheitswesen.

Tendenziöse, sachlich unzutreffende Wiedergaben von Studienergebnissen zur therapeutischen Wirksamkeit der Homöopathie

Das Plädoyer von Edzard Ernst, die Homöopathie aus den Apotheken zu entfernen, widerspricht der wissenschaftlichen Beleglage und entbehrt der Bereitschaft zu einer sachlichen Information.

Vor dem Hintergrund zahlreicher unhaltbarer nationaler und internationaler Pauschalangriffe auf die Komplementärmedizin im Allgemeinen und die Homöopathie im Besonderen sei nachfolgend im Namen des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) sowie der weiteren unten aufgeführten unterzeichnenden Institutionen und Personen ein Plädoyer für das Erfordernis einer evidenzbasierten Integrativen Medizin und deren verfassungsrechtliche Stellung im deutschen Grundgesetz formuliert. Aktueller Anlass für diese Stellungnahme sind zum einen die kürzlich in einem „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ erhobene Forderung der Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie auf dem 121. Ärztetag in Erfurt [ 1 ] . Zum anderen eine Meinungsäußerung von Edzard Ernst, die unter der Rubrik „Außenansicht“ in der Süddeutschen Zeitung am 10.08.2018 veröff entlicht worden ist. Zudem das willkürliche und der realen Datenlage widersprechende Plädoyer von Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung, Ressort Meinung, vom 11.10.2018, in dem dieser u. a. geltend macht, „alles, was das Etikett Homöopathie trägt“ müsse aus der Apotheke verschwinden, da auch „bei diesen Mitteln und vielen anderen mehr […] auf seriöse Weise nie ein Nutzen nachgewiesen“ worden sei, was „hundertfach belegt“ sei.

Während im Hinblick auf das „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ des „Münsteraner Kreis“ bereits eine Stellungnahme erfolgt ist [ 2 , 3 ] , ist dies bezüglich des Artikels von Ernst [ 4 ] und Bartens [ 5 ] noch nicht geschehen. Dort hat Ernst sich dafür ausgesprochen, homöopathische Arzneimittel, die von ihm als Placebos ohne therapeutische Wirksamkeit erachtet werden, dadurch vom Markt zu nehmen, dass er von den Apothekern fordert, Kunden darüber aufzuklären, dass Homöopathika Placebos ohne Wirksamkeit seien. Leider handelt es sich bei den von Ernst und Bartens verfassten Texten nicht um sachliche oder gar wissenschaftlich belegte Darlegungen, sondern um tendenziöse, sachlich unzutreff ende Wiedergaben von Studienergebnissen zur therapeutischen Wirksamkeit der Homöopathie. Dies und der Umstand, dass es in jüngster Zeit Mode geworden ist, sich abwertend gegenüber der Homöopathie zu äußern [ 6 – 11], veranlasst uns, die Mitglieder des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM), der nachfolgend aufgeführten Institutionen und die diese Gegendarstellung unterzeichnenden Ärzte und Wissenschaftler, zu einer Richtigstellung, die unter Verweis auf internationale repräsentative klinische Studien, Metaanalysen, und HTAs zur Homöopathie erfolgt [ 12 – 24 ].

Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) und Integrative Medizin

Das Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) wurde im Jahr 2000 vom damaligen Präsidenten der Bundesärztekammer Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jörg-Dietrich Hoppe gegründet, um mit renommierten Ärzten und Wissenschaftlern die traditionellen Parteilichkeiten zwischen Mainstreammedizin (konventionelle Medizin) und Komplementärmedizin durch einen verstetigten Dialog zwischen ausgewiesenen Vertretern unterschiedlicher Denk- und Praxisansätzen auf Augenhöhe zu überwinden. Zu den im Dialogforum vertretenen medizinischen Ansätzen gehören neben demjenigen der Mainstreammedizin die Anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Naturheilkunde und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Anliegen und Ziel des DPM ist es, neben einer Trennung der Spreu vom Weizen, eine evidenzbasierte Integrative Medizin zu erarbeiten als Voraussetzung für eine vollorchestrierte Gesundheitsversorgung, durch die den individuell unterschiedlichen Bedürfnissen und Präferenzen der Bürger/Patienten besser entsprochen werden kann. Integrative Medizin bedeutet allerdings keineswegs Beliebigkeit, eine Trennung der Spreu vom Weizen wird auch unsererseits als unabdingbar angesehen [ 25 – 27 ].

Vom DPM methodisch verfolgt wird die Frage nach dem wechselseitigen Ergänzungspotential, aber auch dem gegenseitigen Ausschluss der unterschiedlichen medizinischen Ansätze. Entsprechende Zielsetzungen gehören auch zu den nachfolgend genannten medizinischen Einrichtungen. Eine akribische, aber unvoreingenommene Analyse der publizierten Evidenz zur Wirksamkeit der Homöopathie ergibt, dass die therapeutische Wirksamkeit durch qualitativ hochwertige Studien wohlbegründet ist und 90 % der vorhandenen klinischen Studien außer Acht gelassen werden müssten, um eine Unwirksamkeit der Homöopathie schlussfolgern zu können [ 18 ]. In ärztlicher Hand ist die Homöopathie ein wichtiger Bestandteil einer Integrativen Medizin, die das Beste aus konventioneller Medizin und ärztlicher Homöopathie zum Wohle des Patienten verbindet [ 28 ].

Schweiz: Erstattung der Homöopathie nach wissenschaftlicher Evaluation

In der Schweiz wurde die Einführung der Komplementärmedizin als ein durch die Verfassung verbrieftes Recht nach einer gründlichen Evaluation vorgenommen. Dies hat dazu geführt, dass die Homöopathie neben drei weiteren komplementärmedizinischen Methoden als Pflichtleistung der Krankenkassen in der Schweiz angeboten und an den Hochschulen für alle Gesundheitsberufe gelehrt werden muss. Dieser Entscheidung ist nicht nur eine Volksabstimmung, sondern auch eine doppelte wissenschaftliche Evaluation vorangegangen. Entgegen Behauptungen, es gäbe keine qualitativ hochwertigen Studien in der Homöopathie, gibt es derer eine ganze Reihe, obwohl eine institutionelle Förderung der Homöopathieforschung nicht stattfindet [ 17 , 22 , 29 ].

Professor Robert Hahn über Metaanalysen zur Homöopathie

Robert Hahn, ein mit mehreren Forschungspreisen ausgezeichneter Professor für Anästhesie und Intensivmedizin an der Universität von Linköping, Schweden, der über 300 wissenschaftliche Artikel im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin veröffentlicht hat und zuvor nichts mit Homöopathie zu tun hatte, äußert sich wie folgt [ 18 ]: „Vor gut drei Jahren startete die Organisation „Vetenskap och folkbildning (VoF) (Wissenschaft und Volksbildung) eine Sommerkampagne gegen die Homöopathie. Während der politischen Woche in Almedalen versah die VoF eine Gruppe Teenager mit T-Shirts, die den Aufdruck “Jag är skeptisk” – (Ich bin skeptisch) trugen. Diese Gruppe landete durch diese Aktion zusammen mit dem Astronauten Christer Fuglesang im Fernsehen, wo sie einen Abend lang frei und ungestört gegen die Homöopathie argumentieren durften. Homöopathie wurde als großer Bluff dargestellt. Die Teenager sagten einer nach dem anderen, dass es keinerlei wissenschaftliche Studien gebe, die beweisen könnten, dass Homöopathie funktioniere. Dieses beklemmende Faktum veranlasste mich, über die existierenden Beweise zu Gunsten der Homöopathie zu schreiben. Meine drei Blogs zu diesem Thema weckten im Spätsommer 2011 enorme Aufmerksamkeit. Das Ziel war es, die wissenschaftlichen Artikel durchzugehen, die sich mit der Frage auseinandersetzten, ob Homöopathie bei medizinischen Erkrankungen, statistisch gesehen, effektiver ist als ein Placebo (Globuli oder Dilutionen). […] Ernst verfasste 2002 eine angebliche Metaanalyse über Homöopathie, bei der es sich in Wahrheit jedoch um eine systematische Übersicht handelt. […] Wem also kann man noch trauen? Wir können damit beginnen, Edzard Ernst auszusortieren. Ich habe einige andere Studien, die er veröffentlicht hat, gelesen, und sie sind allesamt unseriös.“

Australische Studie (NHMRC): Keine valide Aussagekraft

Was die australische Studie betrifft, die Edzard Ernst als Beweis für die Unwirksamkeit der Homöopathie heranzieht, so ist hierzu festzustellen, dass es sich nicht um eine Metaanalyse, sondern nur um eine Literaturrecherche handelt, bei der Homöopathie-Studien mit weniger als 150 Teilnehmern von vornherein ausgeschlossen wurden mit der Folge, dass ein großer Teil von Datensätzen bei der Auswertung nicht berücksichtigt worden ist [ 24 ] . Dies bedeutet, dass der von Ernst zitierten Studie keine valide Aussagekraft zukommt. Dementsprechend ist diese Studie auch nicht in einem Journal mit Begutachtersystem publiziert worden. Unter dem Eindruck der gegenüber der obersten australischen Gesundheitsbehörde, dem National Health & Medical Research Council (NHMRC) erhobenen Vorwürfe, diesen Review zur Homöopathie gefälscht zu haben [ 30 ] , hat das NHMRC inzwischen selber gegenüber dem australischen Senat eingestanden, den Bericht manipuliert zu haben. Von den ursprünglich 176 Studien waren nur fünf in die Endauswahl der qualitativ hochwertigsten Studien gekommen. Der Entscheidung, andere Studien bei der Auswertung nicht zu berücksichtigen, lag offensichtlich der Umstand zu Grunde, dass viele dieser Studien positive Ergebnisse aufwiesen [ 31 ].

In einem von allen Mitgliedern des DPM unterzeichneten, 2010 im Deutschen Ärzteblatt publizierten Grundsatzartikel zur ärztlichen Professionalität und Komplementärmedizin ist aufgezeigt worden, dass sowohl für die konventionelle Medizin als auch für die Komplementärmedizin gleichermaßen eine Verpflichtung zur Wissenschaftlichkeit besteht [ 32 ].

Unzutreffend ist auch die von Ernst vorgenommene Gleichsetzung von Placebowirkung mit therapeutischer Unwirksamkeit. Dankenswerter Weise ist diese Behauptung in einem sehr kompetenten Beitrag von Winfried Rief, der am 22.08.2018 in „Außenansicht“ der Süddeutschen Zeitung erschienen ist, korrigiert worden. Darin weist Rief anhand der Ergebnisse moderner Placeboforschung darauf hin, dass Placebobehandlungen hoch eff ektiv und langfristig wirksam sein können, von den positiven (oder negativen) Erwartungen bei Patienten und Ärzten abhängig sind, mithin nicht die Pille selbst das Wesentliche ist, sondern das, was sie beim Kranken auslöst. Rief plädiert deshalb nachdrücklich dafür, diese – gleichermaßen auch in der Mainstream-Medizin eine Rolle spielenden – Placebo-Eff ekte intensiviert zu beforschen und „‚Placebonahe‘ Interventionen wie Homöopathie, Akupunktur und manche naturheilkundlichen Ansätze“ in die Medizin und Pharmazie zu integrieren.

Die Bedeutung der Integrativen Medizin

Weltweit setzt sich seit einigen Jahrzehnten die Erkenntnis durch, dass eine vollorchestrierte Gesundheitsversorgung eine Integrative Medizin als Grundlage benötigt, wenn sie den vielfältigen und individuell unterschiedlichen Bedürfnissen der Bevölkerung und insofern einer evidenzbasierten Medizin im Sinne Sacketts [ 33 ] gerecht werden will. Unter dem Konzept der Integrativen Medizin ist eine begründete und damit nachvollziehbare Koexistenz von Paradigmen im Sinne unterschiedlicher Denk- und Praxisansätze zu verstehen. In den USA wurde vom „Academic Consortium for Integrative Medicine and Health“, in dem über 60 führende medizinische Fakultäten Mitglied sind, eine Defi nition der Integrativen Medizin veröff entlicht: „Integrative Medizin und Gesundheit ist die Praxis der Medizin, die die Bedeutung der Beziehung zwischen Arzt und Patienten betont, sich auf die ganze Person fokussiert, sich auf Evidenz stützt und alle angemessenen Möglichkeiten für Therapie und Lebensweise, von Gesundheitsberufen und -disziplinen nutzt, um optimale Gesundheit und Heilung zu erreichen.“ [ 34 ] (Übersetzung: E.G. Hahn).

Für die Beteiligten stellt der Begriff Integrative Medizin ein Leitbild dar, durch das die Parteilichkeiten zwischen den einzelnen Richtungen in den Hintergrund treten zugunsten einer Integration, mit der ein unvoreingenommenes Ausschauhalten nach den je besten Therapieansätzen am individuellen Patienten assoziiert ist. In Deutschland waren Ende 2015 ca. 121 000 niedergelassene Ärzte verteilt auf ca. 95 000 Praxen komplementärmedizinisch tätig, was bedeutet, dass die Hälfte der Ärzte die Komplementärmedizin bereits in die ärztliche Praxis integriert hat.

Was sagt das Grundgesetz?

Alle diejenigen, die gegenwärtig mit eschatologischer Verbissenheit den Ausschluss der Komplementärmedizin von der Erstattungsfähigkeit durch die Kostenträger und ein Verbot der Homöopathie bzw. die Abschaff ung der homöopathischen Arzneimittel fordern, bestätigen die bereits von Thomas Kuhn [ 35 , 36 ] und Ludwig Fleck [ 37 ] beschriebene Dynamik der Privilegierung des je eigenen Paradigmas durch staatliche Rechtsprechung. In einem laizistischen Staat wie Deutschland ist aber dem Staat gemäß §5 Abs. 3 des Grundgesetzes ein Wissenschaftsrichtertum im Sinne der Parteiergreifung für ein bestimmtes Paradigma grundsätzlich untersagt. Ausführlich wird darauf auch in dem Grundgesetzkommentar von Maunz et al. hingewiesen: „Jeder, der in Wissenschaft, Forschung und Lehre tätig ist, hat – vorbehaltlich der Treuepfl icht gem. Art. 5 Abs. 3 GG – ein Recht auf Abwehr jeder staatlichen Einwirkung auf den Prozess der Gewinnung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnis“. Die Wissenschaft bilde einen „von staatlicher Fremdbestimmung freien Bereich persönlicher und autonomer Verantwortung des einzelnen Wissenschaftlers“ [ 38 ] . Insofern ist es dem Staat verfassungsrechtlich untersagt, einen bestimmten Wissenschaftsansatz bzw. ein bestimmtes medizinisches Paradigma zu privilegieren. Dementsprechend hat anlässlich der Neuordnung des Arzneimittelrechts im Rahmen des 1976 beschlossenen Arzneimittelgesetzes (AMG 1976) der zuständige Bundestagsausschuss die Auff assung vertreten, dass es „nicht Aufgabe des Gesetzgebers sein kann, bei kontrovers diskutierten wissenschaftlichen Positionen durch einseitige Festlegung bestimmter Methoden einen allgemein verbindlichen „Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse“ festzuschreiben, sondern im Zulassungsbereich dem in der Arzneimitteltherapie vorhandenen Wissenschaftspluralismus zu entsprechen“ [ 39].

Dementsprechend besteht auch für die homöopathischen Arzneimittel beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine eigene Aufbereitungskommission, werden Arzneimittel im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) geregelt und sind im SGB V verankert.

Als der Nestor der hermeneutischen Philosophie in Deutschland, Hans-Georg Gadamer im Alter von 100 Jahren in einem SPIEGELInterview vom 21.02.2000 gefragt wurde, ob er die Quintessenz seiner Philosophie in einem Satz zusammenfassen könne, antwortete er: „Der Andere könnte Recht haben“. Man führt kein Gespräch, wenn der Andere nicht Recht haben könnte. Im Dialogforum haben wir diesen Satz modifi ziert: „Der Andere könnte auch Recht haben“ [ 27 ].

Ein monoparadigmatischer Reduktionismus führt aber – bedacht oder nicht bedacht – am Ende stets in eine totalitäre Ideologie, für die die dogmatische Ideologie alles, der Respekt vor dem Selbststimmungsrecht des Bürgers, der Toleranz gegenüber Vertretern anderer Denk- und Praxisansätze, dem individuellen Erkenntnisstreben und der Achtung der Menschenwürde nichts bedeutet. Wollen wir eine solche durch totalitäre Strukturen geprägte Entwicklung in unserem Land für die Medizin und das Gesundheitswesen?

Unterzeichner der Homöopathie-Deklaration:

Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM)

Hufelandgesellschaft e.V. Ärztlicher Dachverband für Naturheilkunde und Integrative Medizin

Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom)

Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ)

Gesellschaft anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V. (GAÄD)

Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA)

Gesundheit Aktiv

Privatärztlicher Bundesverband e.V. für Privatärzte in Deutschland (PBV)

Prof. Dr. med. Michael Keusgen; Prof. Dr. med. Gabriele Fischer; Prof. Dr. med. Uwe an der Heiden; Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen; Prof. Dr. med. David Martin; Prof. Dr. Christoph Müller-Busch; Prof. Dr. med. Matthias Wildermuth; Prof. Dr. med. Arndt Büssing; Prof. Dr. rer. nat. Dirk Cysarz; Prof. Dr. med. Michael Frass; Prof. Dr. med. Karin Kraft; Prof. Dr. med. Alfred Längler; Prof. Dr. med. Harald Matthes; Prof. Dr. Jürgen Pannek; Prof. Dr. Dr. Harald Walach; Prof. Dr. med. Kurt Zänker; Prof. Dr. med. Eckhart Hahn; Dr. med. Thomas Breitkreuz; Dr. med. Marion Debus; Dr. med. Michaela Geiger; Dr. med. Friedwart Husemann; Dr. med. Johannes Krebs; Dr. med. dent. Roman Pönisch; Dr. med. Stefan Schmidt-Troschke; Dr. med. Gabriela Stammer; Dr. med. Klaus von Ammon; Dr. med. Paul Werthmann; PD Dr. rer. nat. Stephan Baumgartner; Dr. med. Matthias Girke; PD Dr. med. Florian Glaser; PD Dr. med. Friedrich Edelhäuser; PD Dr. med. Dominik Irnich; Carmen Eppel; Boris Krause; Astrid Sterner; Cornelia Bajic; Sigrid Heinze; Philipp Busche; Georg Soldner; Martin-Günther Sterner

Sie möchten die Homöopathie-Deklaration ebenfalls unterzeichnen? – Dann schreiben Sie einfach eine Mail mit dem Betreff „Homöopathie-Deklaration“ an info@dzvhae.de

Unterzeichner der Homöopathie-Deklaration nach Veröffentlichung auf Homöopathie Online:

Dr. med. Rüdiger Schweitzer; Dr.med. Marieluise Schmittdiel; Gabriele Treutler-Walter; Elke Lorenzen; Ärztegesellschaft für klassische Homöophie (ÄKH); Dr. med. Sigrid Kruse; Dr. med. Kerstin van den Dool; Dr. med. Susanne Hollensteiner-Koch; Dr. Claudia Rehfueß; Dr. Heinrich Hümmer; Dr. med. Martin Lion; Dr.med. Karola Mushack; Dr. med. Stephan Gerke; Dr. Birgitt Montz; Silvia Nuvoloni-Buhl; Dr. med. univ. Gerhard Sallaberger; Dr. med. Heinz Gärber; Rosemarie Scholz; Georg Büchele; Dr. Jörg Haberstock; Dieter Elendt; Dr. Peter Belsky; Dr. Maria Johanna Schandl; Dr. Hans Ziller; Martina Höfer-Wegan; Gabriela Schadenböck-Kranzl; Dr. Christine Neuwald; Mag. phil. Dr. med. Susanne Diez; Arnim Koepke; Dr. Silke Koch; Dr. Michaela Zorzi; Dr. Christoph Sippel; Dr. med. Ulf Riker; Dr. Anton Rohrer; Dr. Wolfgang Eichler; Dr. Christa Kastinger-Mayr; Dr. Anton E. Felleitner; Dr. Ruth Dick; Dr. med Sieghard Wilhelmer; Dr. Pia Went-Jordan; Dr. Claudia Garn; Dr. Clemens Fischmeister; Dr. Michael Takacs; Dr. Ilse Siedl; Dr. Susanne Brandstätter; Dr. med. Doris Übeleis; Dr. Heinz Tauer; Dr. Monika Angerer-Thalhammer; Martin Zwiesele; Rainald Weber; Dr. med. Steffen Sandermann; Axel Dangel; Dr. Maria Ache; Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM); Dr. Rosenarie Brunnthaler-Tscherteu; Dr. Peter Matscheko; Ing. Dr. Friedrich Dellmour; Christiane Driewer; Dr. Werner Diez; Dr. med. Dietmar Payrhuber; Riccarda Masser; Dr. Christiane Prager; Dr. med. Sabine Ludwig; Dr. Karl Brandl-Tomek; Dr. Jutta Czedik-Eysenberg; Daniela Heger; Ruth Petrasch; Dr. Heinrich Hümmer; Dr. Renate Kastner-Fried; Ulrike Fröhlich; Dr. Elisabeth Häcker-Strobusch; Hans Baitinger; Martin Bomhardt; Bettina Reinsch; Ruth Unger; David Roeder; Dr. med. univ. Eva Diana Koll; Birgit Atzl; Dr. med. Monika Lederbauer; Burak Aktas; Dr. med. Petra Paling; Dr. med Karin Pohl; Maria Lepsi-Fugmann

 Literaturverzeichnis:

[1] Münsteraner Memorandum Homöopathie. Ein Statement der Interdisziplinären Expertengruppe „Münsteraner Kreis” zur Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie. Korrespondenzadresse: Dr. Christian Weymayr, c/o Lehrstuhl für Medizinethik, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Universität Münster, Von Esmarch-Str. 62, 48149 Münster

[2] Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) . Zusatzbezeichnung Homöopathie stärkt Evidenzbasierte Integrative Medizin, Autor: Matthiessen PF. Mai 2018. Einsehbar unter http://www.dialogforum-pluralismusindermedizin.de/dpm_.dll?pageID=166

[3] Matthiessen P F . Der Andere könnte auch Recht haben . Monitor Versorgungsforschung 2018 ; 3 : 42 – 44

[4] Ernst E . Homöopathie raus aus den Apotheken. In: Süddeutsche Zeitung, Außenansicht. 10.08.2018

[5] Bartens W . Apotheken. Erste Hilfe. In: Süddeutsche Zeitung. Wissen. 11.10.2018

[6] Ernst E , Pittler M H . Re-analysis of previous meta-analysis of clinical trials of homeopathy . J Clin Epidemiol 2000 ; 53 : 1188

[7] Ernst E . A systematic review of systematic reviews of homeopathy . Br J Clin Pharmacol 2002 ; 54 : 577 – 582

[8] Shang A , Huwiler-Müntener K , Nartey L et al. Are the clinical eff ects of homoeopathy placebo eff ects? Comparative study of placebo- controlled trials of homoeopathy and allopathy . Lancet 2005 ; 366 : 726 – 732

[9] Shaw D M . The Swiss report on homeopathy: a case study of research misconduct . Swiss Med Wkly 2012 ; 142 : w13594

[10] Schmacke N , Hrsg . Der Glaube an die Globuli – Die Verheißungen der Homöopathie . Berlin : Suhrkamp ; 2015

[11] Schmacke N . Homöopathie: Der Globuspokus geht weiter . Doc-Check 2016 ; News 1 – 4

[12] Linde K , Clausius N , Ramirez G et al. Are the clinical eff ects of homeopathy placebo eff ects? A meta-analysis of placebo-controlled trials . Lancet 1997 ; 350 : 834 – 843

[13] Linde K , Clausius N , Ramirez G et al. Overviews and meta-analysis of controlled clinical trials of homeopathy . In: Ernst E , Hahn E G , eds. Homeopathy. A critical appraisal . Oxford : Butterworth-Heinemann ; 1998 : 101 – 106

[14] Kleijnen J , Knipschild P , terRied G . Clinical trials of homeopathy . BMJ 1991 ; 302 : 316 – 323

[15] Mathie R T , Lloyd S M , Legg L A et al. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: Systematic review and meta-analysis . Syst Rev 2014 ; 3 : 142 doi: 10.1186/2046-4053-3-142

[16] Cucherat M , Haugh M C , Gooch M , Boissel J B . Evidence of clinical effi cacy of homeopathy (A meta-analysis of clinical trials) . Eur J Clin Pharmacol 2000 ; 56 : 27 – 33

[17] Bornhöft G , Matthiessen P F , eds. Homeopathy in Health Care – Eff ectiveness, Appropiateness, Safety, Costs. An HTA Report on Homeopathy as part of the Swiss Complementary Medicine Evaluation Programme . Berlin/Heidelberg : Springer ; 2011

[18] Hahn R G . Homeopathy: meta-analyses of pooled clinical data . Forsch Komplementmed 2013 ; 20 : 376 – 381 doi: 10.1159/000355916

[19] Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie . Forschungsreader der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie. WissHom 2016 https://www.homoeopathie-online.info/category/wisshom/

[20] Gleiss A , Frass M , Gaertner K . Re-analysis of survival data of cancer patients utilizing additive homeopathy . Complement Ther Med 2016 ; 27 : 65 – 67 doi: 10.1016/j.ctim.2016.06.001

[21] Frass M , Dielacher C , Linkesch M et al. Infl uence of potassium dichromate on tracheal secretions in critically ill patients . Chest 2005 ; 127 : 936 – 941

[22] von Ammon K , Bornhöft G , Maxion-Bergemann S et al. Familiarity, objectivity – and misconduct. Counterstatement to Shaw MD. The Swiss report on homeopathy: a case study of research misconduct . Swiss Med Wkly 2013 ; 143 : w13720

[23] Frass M , Linkesch M , Banyai S et al. Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: a randomized, double-blind, placebocontrolled trial in an intensive care unit . Homeopathy 2005 ; 94 : 75 – 80

[24] Teut M , Lucae C , Wischner M , Dahler J D . „Der Glaube an die Globuli“ – eine kritische Rezension www.informationen-zur-homoeopathie.de 2. August 2015. Gesellschaft für Homöopathie

[25] Willich S N , Birke M G , Hoppe J D et al. Schulmedizin und Komplementärmedizin. Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden . Dtsch Arztebl 2004 ; 101 : A1314 – A1319

[26] Matthiessen P F . Paradigmenpluralität und Individualmedizin . In: Matthiessen P F . Hrsg. Patientenorientierung und Professionalität. Festschrift 10 Jahre Dialogforum Pluralismus in der Medizin . Bad Nauheim : Verlag Akademische Schriften (VAS) ; 2011

[27] Matthiessen P F . 10 Jahre Dialogforum Pluralismus in der Medizin. Warum es uns gibt, wer wir sind und was wir wollen . In: Matthiessen P F , Hrsg . Patientenorientierung und Professionalität. Festschrift 10 Jahre Dialogforum Pluralismus in der Medizin . Bad Nauheim : Verlag Akademische Schriften (VAS) ; 2011

[28] Matthiessen P F . Einzelfallforschung zwischen Evidence based Medicine and Narrative based Medicine. ICE 11. Köthen (Anhalt) www.wisshom.de/index.php?menuid=272  2013 ;

[29] Dachverband Komplementärmedizin, Schweiz. Komplementärmedizin ist Pfl ichtleistung der Krankenversicherung in der Schweiz. Medienmitteilung vom 16. Juni 2017

[30] Gesundheit aktiv. www.gesundheit-aktiv.de/aktuelles/Nachrichten/882-die-krux-mit-der-evidenz.html

[31] Australian Homoeopathic Association . Science fact or fi ction? Senate exposes NHMRC did not use accepted scientifi c methods. 20.9.2018 https://www.yourhealthyourchoice.com.au/news-features/sciencefact- or-fi ction-nhmrc-admits-they-did-not-use-accepted-scientifi cmethods- 2/

[32] Kiene H , Heimpel H . gemeinsam verfasst von den Mitgliedern des Dialogforum Pluralismus in der Medizin . Ärztliche Professionalität und Komplementärmedizin. Was ist seriöses Therapieren? Medizinpluralismus und die Verpfl ichtung zu Wissenschaftlichkeit erscheinen nur auf den ersten Blick als ein Widerspruch . Dtsch Arztebl 2010 ; 107 : A 548 – A 550

[33] Sackett D , Richardson W , Haynes R . Evidence Based Medicine: How to practice and teach EBM . New York, Edinburgh, London : Churchill Livingstone ; 1997

[34] The Academic Consortium for Integrative Medicine and Health . 2004 ; revised May 2015 https://www.imconsortium.org/about/about-us.cfm  accessed Mai 22, 2017

[35] Kuhn T S . The Structure of Scientifi c Revolutions . Chicago : University of Chicago Press ; 1962

[36] Kuhn T S . Die Entstehung des Neuen . Frankfurt a. Main : Suhrkamp ; 1977

[37] Fleck L . Die Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv . Frankfurt a. Main : Suhrkamp ; 1993 (Der Text ist identisch mit der Erstausgabe bei Benno Schwabe und Co. von 1935)

[38] Maunz T , Dürig G , Herzog R , Scholz R . Grundgesetz Kommentar . München : C.H. Beck‘sche Verlagsbuchhandlung ; 1980

[39] Deutscher Bundestag, Ausschuss für Jugend, Familie und Gesundheit . Bericht zur Neuordnung des Arzneimittelrechts. Drucksache 7/5091 vom 28.04.1976

Erstveröffentlichung der Homöopathie-Deklaration: Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2018 ; 50: 172 – 177. „Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit – Eine Stellungnahme“. Autor: Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen im Namen der genannten Professoren und Ärztegesellschaften.

Zur Stellungnahme im Dialogforum Pluralismus in der Medizin