Die homöopathische Selbstbehandlung bei Kindern

Die homöopathische Selbstbehandlung bei Kindern

Die Homöopathie erfreut sich in Deutschland steigender Beliebtheit. Insbesondere Eltern wählen häufig die homöopathische Heilmethode, um eine frühe Medikalisierung ihrer Kinder durch die konventionelle Medizin zu vermeiden.

Diese Sorge ist vor dem Hintergrund der mangelnden Arzneimittelsicherheit berechtigt. Denn mehr als 50 Prozent der Medikamente, die Säuglinge, Kinder und Jugendliche einnehmen, sind ausschließlich für Erwachsene entwickelt worden. Die Verschreibungen durch Kinderärzte steigen trotzdem an.

Laut einer repräsentativen Befragung (KiGGS) des Robert Koch Instituts (RKI) haben mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen „in der letzten Woche mindestens ein Medikament eingenommen“. Viele Eltern stellen sich daher die Frage: „Kann ich meine Kinder auch homöopathisch selbst behandeln?“ Die Antwort auf diese Frage ist ein klares „Jein“. Homöopathie setzt die Kenntnis der Grundregeln ihrer Anwendung und eine solide Kenntnis der homöopathischen Arzneimittelbilder voraus. Denn in der Homöopathie werden Arzneien immer nach dem Ähnlichkeitsprinzip verabreicht: Es wird dem Patienten genau jenes Mittel gegeben, das bei einem gesunden Menschen die Beschwerden auslöst, unter denen der Patient leidet. Die Gegenreaktion des Körpers auf die Arznei führt dann zur Heilung. Der Leitsatz der Homöopathie, similia similibus curentur – Ähnliches werde durch Ähnliches behandelt fasst dieses Heilungskonzept zusammen.

Das Wissen, das für die Anwendung ärztlicher Homöopathie nach allen Regeln der Kunst notwendig ist, können sich Eltern kaum aneignen. Nach dem Medizinstudium absolvieren Ärzte bis zur Erlangung ihres Homöopathie-Diploms eine mindestens dreijährige Ausbildung unter Anleitung praxiserfahrener homöopathischer Ärzte und sind zum Nachweis kontinuierlicher Fortbildungen verpflichtet.

Vor allem schwerwiegende Erkrankungen wie Lungenentzündungen oder Durchfallerkrankungen dürfen auf keinen Fall von Eltern im Alleingang behandelt werden – ob mit Homöopathika oder konventionellen Medikamenten. Ein homöopathischer Kinderarzt kennt die Grenzen der ärztlichen Homöopathie ebenso wie die Grenzen einer konventionellen Pharmakotherapie.

Leichte akute Erkrankungen können dagegen grundsätzlich selbst behandelt werden. Medizinische Laien können sich dazu mithilfe der entsprechenden Literatur (siehe Buchtipps unten)  die Grundlagen der Homöopathie für den Hausgebrauch aneignen.

Kosten und ErstattungKosten und Erstattung Sie möchten einen homöopathischen Arzt konsultieren? Über die Hälfte der Gesetzlichen Krankenversicherungen erstatten die Behandlung der ärztlichen Homöopathie. Darüber hinaus gibt es für gesetzlich versicherte Patienten die Möglichkeit, eine private Zusatzversicherung abzuschließen. Die Private Krankenversicherungen erstatten generell die Kosten für privatärztliche Homöopathie. Weitere Informationen finden Sie in der Rubrik Kosten/Erstattung.

Sie müssen dabei jedoch immer die Grenzen ihres Wissens und ihrer Erfahrung berücksichtigen. Gerade Kinder, die sich noch nicht selbst artikulieren können, sollten von ihren Eltern sehr genau beobachtet werden. Wenn Behandlungsversuche nicht kurzfristig zu einer Besserung oder gar zu einer deutlichen Verschlimmerung der Beschwerden führen, so muss immer ein homöopathischer Arzt konsultiert werden.

Homöopathika können zu Symptomverschiebungen beim erkrankten Kind führen. Von einem häufigen und unreflektierten Einsatz von Globuli nach dem Motto „schaden kann‘s ja nicht“ ist daher abzuraten. Die Gabe eines Homöopathikums ist eine medizinische Intervention, ein „Laissezfaire“ ist hier genauso fehl am Platz wie bei der Gabe konventioneller Pharmaka.

Es gibt einige sehr bewährte homöopathische Einzelmittel, die in ganz bestimmten, häufig auftretenden harmloseren Krankheitssituationen oder bei akuten Verletzungen angewendet werden können. Es sollte aber immer versucht werden, eine größtmögliche Ähnlichkeit zwischen Beschwerdebild und Arzneimittelbild zu finden.

Zusätzlich sollten Eltern, deren Kind bereits in einer homöopathischen Behandlung ist, immer bedenken: Ein homöopathisches Mittel für den Akutfall kann die laufende homöopathische Behandlung einer chronischen Krankheit erheblich stören. Deshalb sollte diese mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Unsere Buchtipps zu diesem Thema:

Cover Bleul, Kreisberger, Riker Die homöopathische HausapothekeGerhard Bleul (Hrsg.), Patrick Kreisberger, Ulf Riker
Die homöopathische Hausapotheke
Die wichtigsten Arzneien für zu Hause und unterwegs
196 Seiten, 4. Aufl. 2015, DZVhÄ, ISBN 978-3-939749-03-5, 10,- Euro

 

 

Riker HomöopathieUlf Riker
Homöopathie
Leitfaden für Ihre erfolgreiche Behandlung
102 S., 2. Aufl. 2011 DZVhÄ, ISBN 978-3-939749-00-4, 6,- Euro

 

 

Die Bücher sind über den Buchhandel erhältlich oder können direkt bei der DZVhÄ-Geschäftsstelle bestellt werden: Tel. 030-325 9734-0, Fax 030-325 9734-19, E-Mail: info@dzvhae.de

Foto: DZVhÄ

Ähnliche Beiträge: