Die Fallaufnahme bei Kindern

Die Fallaufnahme bei Kindern

von Dr. med. Ulf Riker, München:

Grundsätzlich gelten bei Kindern die gleichen Regeln für die Fallaufnahme, der Anamnese- Erhebung, wie bei Erwachsenen. Vor allem gilt dies auch hinsichtlich der Suche nach einem möglichst vollständigen Symptom. Da insbesondere ganz kleine Kinder und Säuglinge ihre subjektiven Krankheitsempfindungen, wie etwa Schmerzen, nicht in Worten ausdrücken können, hat die möglichst genaue Beobachtung des Kindes durch die Eltern und eventuell Großeltern besondere Bedeutung. Dabei geht es sowohl um die beobachtbaren körperlichen Symptome und Reaktionen als auch um das individuelle Verhalten des Kindes während seines Krankseins.

Familäre Hintergründe

Zu einer Anamnese bei Kindern gehören immer auch Angaben zu Erkrankungen der Eltern und Großeltern; konstitutionelle Anfälligkeiten werden oft über Generationen weitergegeben, und bekanntlich fällt ja mancher Apfel nicht weit vom Stamm! Auch Erkrankungen der Mutter während der Schwangerschaft und der Geburtsverlauf können im Einzelfall wichtige Hinweise liefern. Das Verhalten des Kindes beim ersten Kontakt mit dem homöopathischen Arzt spiegelt eventuell bedeutsame Wesenszüge und emotionale Grundmuster wider. Hier ist beispielsweise von Bedeutung, wie das Kind Kontakt aufnimmt, wie es mit den begleitenden Eltern interagiert, wie sich sein Verhalten im Laufe der Anamnese verändert, ob die emotionalen Reaktionen in der Praxis ähnlich sind wie zuhause oder ob es hier deutliche Unterschiede gibt. Nicht selten kann für die Mittelfindung auch hilfreich sein, welche speziellen Schwierigkeiten die Eltern oder Lehrer mit dem Patienten im Alltag haben.

Körperliche Reaktionen

Es sei aber an dieser Stelle nochmals betont, dass neben all diesen interessanten und wesentlichen Aspekten das besondere Augenmerk auf die körperlichen und vegetativen Reaktionen des Kindes im Rahmen seiner Krankheit zu richten ist. Wie immer geht es in erster Linie um die Frage: Was soll geheilt werden? Mit welchen Zeichen und Symptomen drückt sich diese Krankheit aus? Dabei können die Gesichtsfarbe, der Schweißgeruch, die Farbe des Stuhles, der Durst oder sein Fehlen, eine bestimmte Körperhaltung, eine gereizte oder weinerliche Stimmungslage und viele weitere Mosaiksteinchen ihren jeweils eigenen und wichtigen Stellenwert für die richtige Arzneifindung haben.

Foto: Istockphoto

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