Notfallmedizin: „Das Faszinierende an der Homöopathie ist ihre Wirksamkeit.“

Notfallmedizin: „Das Faszinierende an der Homöopathie ist ihre Wirksamkeit.“

Ein Interview mit Dr. med. Klaus-Roman Hör zur Homöopathie in der Notfallmedizin. Hör ist leitender Notarzt im Landkreis Cham und Betreuungsarzt im örtlichen Bayerischen Roten Kreuz. Er ist seit 25 Jahren auch in der Ausbildung homöopathischer Ärzte tätig.

Dr. Hör, in welchen Bereichen der Notfallmedizin kommt die Homöopathie zum Einsatz?

Klaus-Roman HörDie Homöopathie kommt zum Einsatz, wenn noch keine Dekompensation des Patienten vorliegt. Das heißt: Erst wenn ein Organ des Patienten ausfällt oder eine Fehlfunktion hat, die sein Körper nicht mehr kompensieren kann, ist der Einsatz von Homöopathie nicht angezeigt. Ansonsten ist die Homöopathie bei allen physischen, psychischen oder emotionalen Verletzungen und bei Schockgeschehen außer Blutungen gut einsetzbar. Darüber hinaus nutze ich die Homöopathie bei Patienten mit Konversionsneurosen, also bei Umwandlungen eines verdrängten seelischen Konfliktes in ein körperliches Symptom, bei paroxysmalen Tachykardien, das sind plötzliche und anfallsweise auftretende Beschleunigungen der Herzaktivität sowie bei Patienten mit Fieber.

Gibt es einen Fall, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja. Ich hatte den Notfall eines Patienten mit einem allergischen Glottisödem extremsten Ausmaßes. Dabei handelt es sich um eine gefährliche Schwellung im Kehlkopfbereich des Patienten mit pfeifendem Atemgeräusch, verursacht durch eine Verengung der Kehlkopfpassage. Diese Situation ist durchaus lebensbedrohlich. Nach einer Medikation mit der homöopathischen Arznei Apis mellifica setzte die Wirkung der Arznei innerhalb von drei Minuten ein. Das war sehr überraschend

Was sind die Vorteile, Homöopathie in der Notfallmedizin zu nutzen?

Ein großer Vorteil der Homöopathie ist ihre Nebenwirkungsfreiheit. Darüber hinaus handelt es sich bei der Homöopathie um eine individuelle Therapie-Methode, die nicht bloß Symptome kaschiert oder kurzfristig unterdrückt, sondern zu einer echten Heilung des Geschehens führt.

Können etwa konventionelle Medikamente oder Eingriffe durch die Homöopathie zu Teilen oder ganz ersetzt werden?

Ja, das funktioniert sehr gut. Beispielsweise bei der üblichen Infusion mit Natriumchlorid. Aber auch Antiarrhythmatika, die gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden und ebenso Beruhigungsmittel können durch homöopathische Medizin ersetzt werden. Bei der Behandlung von beispielsweise Asthma bronchiale können homöopathische Ärzte die Gabe von Antiasthmatika durch die Nutzung von Homöopathie teilweise oder komplett vermeiden.

Wo liegen die Grenzen der Homöopathie in diesem Bereich der Medizin?

Ist die Schädigung eines Organs des Patienten weit fortgeschritten oder erleidet der Patient ein Organversagen, kann die Homöopathie nicht mehr helfen. Die Homöopathie aktiviert die Selbstheilungskräfte im Körper des Erkrankten, sodass dieser als Reaktion auf die homöopathische Arznei die Krankheit „ausgleicht“ und somit kompensiert. Dekompensierte Zustände gehören in die Behandlung des Intensivmediziners und sind mithilfe der Homöopathie nicht zu lösen.

Kann ein Homöopath im Notfall überhaupt das passende individuelle Homöopathikum finden?

In der Tat gestaltet sich die Mittelfindung im Notfall anspruchsvoll – in einigen Fällen sogar sehr schwierig. Es handelt sich dabei um eine komplexe Aufgabe. Letztendlich kann der Arzt nur bei Vorliegen von mittelweisenden Zeichen und Symptomen das passende Homöopathikum finden. So weist beispielsweise eine dunkelrote Sickerblutung beim Patienten auf die Arznei Millefolium hin. Der homöopathische Arzt muss sowohl die relevanten Krankheitszeichen kennen und erkennen als auch wissen, auf welches Mittel diese verweisen.

Notaufnahmen mit Globuli als Standardausrüstung: Wäre das aus Ihrer Sicht sinnvoll und möglich?

Notfallaufnahmen mit Globuli sind nur dann sinnvoll, wenn die behandelnden Ärzte bereits viel Erfahrung mit der Homöopathie haben. Das je nach Krankheitsfall relevante Individual-Mittel muss in Minutenschnelle eruierbar sein, was beim homöopathischen Arzt eine hohe Aufmerksamkeit und das nötige Wissen voraussetzt. Unter diesen Bedingungen hat die Homöopathie einen berechtigten Platz auch in Notaufnahmen.

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich seit Jahrzehnten mit der ärztlichen Homöopathie in der Notfallmedizin auseinanderzusetzen?

Das Faszinierende an der Homöopathie ist ihre Wirksamkeit, die genau so schnell wie bei einem Allopathikum einsetzt. Insbesondere bei Kindern bietet sich die Homöopathie an, da junge Menschen in der Regel noch besser auf Impulse durch homöopathische Arzneien reagieren als ältere Menschen. Hinzu kommt, dass eine Überdosierung nicht möglich ist. Wenn ich als Arzt sehe, wie schnell und sanft die Homöopathie nach einer Mittelgabe vor allem bei jungen Menschen hilft, ist das eine große berufliche Befriedigung. Das ist meine persönliche Motivation, am Ball zu bleiben.

Foto: DZVhÄ

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