Metabolisches Syndrom: das „tödliche Quartett“! – Lebensstil ist der Schlüssel der Behandlung

Metabolisches Syndrom: das „tödliche Quartett“! – Lebensstil ist der Schlüssel der Behandlung

Unter dem metabolischen Syndrom verstehen Mediziner das gemeinsame Auftreten mehrerer Gesundheitsrisiken, die den Stoffwechsel betreffen. Dazu gehören Übergewicht, vor allem am Bauch, Diabetes, Bluthochdruck und ungünstige Blutfettwerte. Kommen mindestens drei dieser Risikofaktoren zusammen, sprechen Mediziner von einem metabolischen Syndrom, das auch „tödliches Quartett“ genannt wird.

Die Bezeichnung hat seinen Grund: Das metabolische Syndrom ist aktuell der wichtigste Risikofaktor für Herz- Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße sind in Deutschland die mit Abstand häufigste Todesursache. Im Jahr 2013 lag sie bei 40 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist es angemessen, das metabolische Syndrom als eine deutsche Volkskrankheit zu bezeichnen. Es betrifft auch in anderen Industriestaaten einen hohen Anteil der Bevölkerung.

Zu den Ursachen dieser geballten Gesundheitsgefahr gehören sehr oft falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Das Syndrom entwickelt sich aus einem Lebensstil, der durch permanente Überernährung und wenig Sport gekennzeichnet ist.

Bereits Kinder sind betroffen

Hamburger XXL

Foto: Sebastian Karkus / pixelio.de

Laut Ärzte-Zeitung zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und metabolischem Syndrom bereits bei Grundschulkindern. Die meisten Kinder mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab der 90. Perzentile haben mindestens eine der zugehörigen Störungen wie Insulinresistenz oder Bluthochdruck. Das Gewicht eines Kindes in Perzentilen anzugeben, bedeutet, dass dieser Wert in Bezug zu den Werten der Altersgenossen gesetzt wird. Ein Kind mit einer 90. Perzentile ist also schwerer als 90 Prozent seiner Generation.

Aktuell warnen Wissenschaftler der Universitäten Hohenheim und Jena, dass metabolische und kardiovaskuläre Auffälligkeiten bei übergewichtigen vorpubertären Kindern weit verbreitet seien. Sie fanden bei 73 Prozent der übergewichtigen (BMI = 90. Perzentile) und 16 Prozent der normalgewichtigen Kinder mindestens eine Stoffwechselstörung, etwa eine Insulinresistenz oder einen vermehrten Fettgehalt im Blut (Hyperlipidämie).

Ihr Fazit: „Kinder, die in Gefahr sind, übergewichtig zu werden, insbesondere Mädchen mit einem BMI ab der 80. Perzentile, und mehr noch Mädchen und Jungen mit einem BMI ab der 90. Perzentile sollten regelmäßig von einem Kinderarzt gesehen und auf ein metabolisches Syndrom untersucht werden.“

Risiko auf leisen Sohlen

Ein zentrales Problem mit dem „tödlichen Quartett“ in der ärztlichen Praxis ist, dass es nicht oder zu spät erkannt wird. Beispielsweise wurden die fünf- bis achtjährigen Kinder, die in diese aktuellste Studie zum Thema einflossen, aufgrund der üblichen Vorsorgeuntersuchungen alle als gesund eingestuft (Acta Paediatrica 2014).

Und auch bei Erwachsenen bleiben die Symptome des metabolischen Syndroms oft lange Zeit unentdeckt, da sie selbst keine Schmerzen oder Beschwerden verursachen. Konventionelle Ärzte diagnostizieren es meist zufällig bei einer Vorsorgeuntersuchung – oder erst nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Wann beginnt Krankheit?

Deutlich sichtbar ist beim metabolischen Syndrom das Übergewicht. Es ist der wichtigste Teil des „tödlichen Quartetts“. Die Internationale Diabetesgesellschaft (IDF) hat festgelegt, dass man für das metabolische Syndrom das Übergewicht am besten durch den Bauchumfang bewerten kann.

Die Grenzwerte des Bauchumfangs bewegen sich im Bereich von maximal 90 Zentimetern für Männer, und 80 Zentimetern für Frauen. Ab diesem Wert spricht man nach IDF-Definition von einer stammbetonten Fettsucht. Dabei hat sich im Laufe der Zeit empirisch herausgestellt, dass weniger das Ausmaß des Übergewichts, sondern eher das Muster der Fettverteilung ein Indiz für ein erhöhtes Risiko ist: Fettdepots im Bauchraum, die sich durch den Taillenumfang verraten, sind sehr stoffwechselaktiv und wirken sich negativ auf innere Organe aus.

Das äußere Fett ist ein Indiz dafür, dass sich auch innerhalb des Körpers vermehrt Fettzellen befinden. Die Fettwerte im Blut sollten Übergewichtige demnach regelmäßig kontrollieren lassen. Denn erhöhte Fettwerte führen zu einer Veränderung des Stoffwechsels und können ernsthafte Erkrankungen auslösen – beispielsweise Diabetes. „Sobald ein Patient ein metabolisches Syndrom entwickelt hat, beginnen bereits die Schädigungen der Gefäße, Nerven und anderer Organe, die schließlich zu den Symptomen und Folgeerkrankungen des Diabetikers führen.

Prinzipiell beginnt der Diabetis Typ 2 bereits mit dem metabolischen Syndrom”, behaupten die Diabetologen Dr. med. Peter Hien und Professor Dr. med. Bernhard Böhm. Der zweite zentrale Risikofaktor ist der Bluthochdruck. Er beginnt ab einem Blutdruck von mehr als 130/85 mmHg. Beim Blutzucker gilt: Ein Nüchternblutzucker von mehr als 100 Milligramm pro Deziliter verrät eine Insulinresistenz. Und bei den Fettwerten im Blut beginnt die relevante „Leber- Risikokarte“ ab einer Konzentration von mehr als 150 Milligramm pro Deziliter bei den Serumtriglyzeriden sowie einem HDL-Cholesterinwert von unter 40 Milligramm pro Deziliter bei Männern und 50 Milligramm pro Deziliter bei Frauen.

Gegensteuern

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Fotos v.l.n.r.: Luise / pixelio.de, Rainer Sturm / pixelio.de, twinlili / pixelio.de

Das Robert Koch-Institut liefert die nüchternen Daten zum alamierenden Zustand in Bezug auf Übergewicht und Adipositas in Deutschland (Studie: DEGS1). Demnach waren 2012 rund 67 Prozent der Männer übergewichtig und 23 Prozent wurden als adipös eingestuft. Bei den Frauen sah es wenig besser aus: Hier sind zwar mit 53 Prozent weniger übergewichtig, der Anteil der adipös Eingestuften lag aber mit 24 Prozent etwas höher als bei den Männern.

Die Zahlen zeigen, dass es sich bei Übergewicht, Adipositas und dem daraus häufig resultierenden metabolischen Syndrom nicht nur um ein gesundheitliches Problem der Betroffenen handelt – sondern ebenfalls um ein gesellschaftspolitisches. Gefragt ist eine Medizin, die ein metabolisches Syndrom frühzeitig erkennt und gegensteuert.

Die ärztliche Homöopathie kann das beispielsweise leisten. Denn einem metabolischen Syndrom ist mit einer konventionellen Medikalisierung der einzelnen Symptome schwer beizukommen. Der Schlüssel liegt in einer Medizin, die die Lebenssituation und -art des Patienten, seine Gewohnheiten und den psychologischen Hintergrund des Syndroms in den Fokus nimmt. Wie das funktioniert, erklärt der Internist und Homöopath Dr. med. Roland Baur im Beitrag „Homöopathische Ärzte sind streng“ – Interview zum metabolischen Syndrom.

Titel-Foto: Shutterstock

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