Lebenskraft

Die Lebenskraft und ihre Verstimmung: Den Ursprung von Krankheiten sehen die meisten Homöopathen darin, dass die »Lebenskraft«, die jeden Organismus am Leben erhält und seine normalen Funktionen reguliert, im Krankheitsfall »verstimmt« ist. Krankheit wird als ein Produkt aus dem belebenden Prinzip des Organismus einerseits und krankmachenden inneren oder äußeren Einflüssen andererseits aufgefaßt. Heilung kommt dadurch zustande, dass die Lebenskraft über die schädlich auf sie einwirkenden Reize wieder Oberhand gewinnt und so ihre Verstimmung überwindet. Da die Lebenskraft selbst nicht sichtbar ist, kann ihr aktueller Zustand nur aus ihren Äußerungen, das heißt den Krankheitssymptomen, erkannt werden.

Eigenschaften der Lebenskraft:

Während HAHNEMANN in den ersten Auflagen des >Organons< noch von der »Veränderung im Inneren Wesen« des Organismus sprach, benutzte er ab der fünften Auflage (1833) dafür das Konzept der »Verstimmung der Lebenskraft«. Die von ihm postulierte Lebenskraft stellte er sich als mit folgenden Eigenschaften versehen vor (Organon §§ 6, 9 – 12, 15-17, 74):

  1. Sie ist unsichtbar und insofern geistartig. Außerdem ist sie im Organismus überall anwesend. Sie ist ein »Kraftwesen«, eine »Dynamis«.
  2. Die Lebenskraft wirkt belebend auf den ohne sie toten Organismus. Sie verleiht ihm die Möglichkeit, überhaupt etwas zu empfinden und bewirkt alle Lebensverrichtungen.
  3. Sie ist ordnend. Sie waltet im gesunden Zustand unumschränkt und hält alle Teile in harmonischem Lebensgang, das heißt sie koordiniert die einzelnen Funktionen des Organismus zu einem geordneten Ganzen.
  4. Sie kann auch selbst fühlen und über die Nerven den Einfluss von krankmachenden Agenzien wahrnehmen.
  5. Dadurch ist sie auch verstimmbar. Als geistartige Dynamis kann sie allerdings selbst wiederum nur auf geislarlige Weise ergriffen und befallen werden.
  6. Sie ist es. die letztlich die Krankheit schafft bzw. hervorbringt. Die Lebenskraft verleiht dem Organismus widrige Empfindungen und bestimmt ihn zu regelwidrigen Tätigkeiten.
  7. Die Lebenskraft kann die Krankheit dem Arzt überhaupt erst zeigen, das heißt, über unangenehme Gefühle bzw. gestörte Funktionen in Form von Krankheitssymptomen äußern.

Die Lebenskraft wurde von HAHNEMANN als ein Subjekt gedacht, das – selbst nicht sichtbar, aber durchaus denkbar – nicht nur für den normalen Ablauf der Funktionen des materiellen Organismus verantwortlich ist, sondern wesentlich auch für die Entstehung von Erkrankungen.

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