Forschung: „Homöopathie interessiert mich nicht“

Forschung: „Homöopathie interessiert mich nicht“

In der Publikation „Homöopathie für Skeptiker“ geben Dr. med. Irene Schlingensiepen-Brysch und ihr Sohn Mark-Alexander Brysch eine aktuelle Übersicht zur Homöopathie-Forschung.

Frau Schlingensiepen-Brysch und Herr Brysch, warum richtet sich Ihr Buch an Skeptiker?

Brysch: Der Vorschlag kommt vom Verlag. Und der passt sehr gut zu unserem Buch. Wir fanden den Titel auch deshalb passend, weil wir selbst Skeptiker sind. Ich war von vielen Forschungsergebnissen vollkommen überrascht. Die Schlüsselstudie war dabei eine vom Physiker Stephan Baumgartner von der KIKOM in der Schweiz, die bald veröffentlicht wird. Er untersuchte die sogenannte „Feldwirkung“. Er und sein Team behandelten Weizenkeime mit einem Homöopathikum und hängten dabei nichtbehandelte neben behandelte. Sie untersuchten dann, ob die behandelten Keime eine „Feldwirkung“ auf die unbehandelten Weizenkeime haben. Ich habe so etwas bis dahin für blödsinnig gehalten. Zunächst konnte Baumgartner jedoch belegen, dass sich mit Arsen vergiftete Weizenkeime, die anschließend mit potenziertem und hoch verdünntem Arsen behandelt wurden, besser regenerierten als die unbehandelten Weizenkeime. In einem Folgeexperiment konnte dann gezeigt werden, dass sich unbehandelte Weizenkeime, die sehr dicht neben behandelte Weizenkeime plaziert wurden, immer noch besser regenerierten als jene, die weiter entfernt von Behandelten platziert wurden. Dieses Phänomen spricht für eine „Feldwirkung“. Ich bleibe aber bis heute skeptisch, was Homöopathie-Forschung angeht. Nicht jede Untersuchung ist von ähnlich hoher Qualität wie die von Baumgartner. Man muss sehr genau hinschauen und sieben.

Schlingensiepen-Brysch: Jedes Mal wenn ich Globuli nehme, schaue ich mir diese kleinen weißen Kügelchen an, die alle gleich aussehen. Und ich bin im Grunde jedes Mal überrascht, dass sie wirken.

Sie behaupten in Ihrem Buch, dass positive und methodisch hochwertige Homöopathie-Studien von den Medien zu selten wahrgenommen werden. Wo finde ich diese Studien?

Schlingensiepen-Brysch: Zunächst einmal zur Quantität: In der Datenbank HomBRex (Homeopathic Basic Research experiments database) finden sich über 1000 Grundlagenstudien zur Homöopathie. Es gibt also eine sehr breite Grundlagenforschung über Experimente, die im Internet einsehbar ist. Darüber hinaus gibt es sieben Metastudien zur Homöopathie, von denen immerhin sechs zeigen, dass Homöopathie wirkt (cam-quest.org). Das ist im Vergleich zu Metastudien in der konventionellen Medizin eine sehr gute Studienlage pro Homöopathie. Interessant und federführend auf dem Gebiet ist sicher die Universität Bern. Das liegt daran, dass die Schweizer Bevölkerung per Volksentscheid entschieden hat, dass die Homöopathie erforscht werden muss. Und diese Forschung – anders als bei uns – entsprechend finanziert wird.

Welche Resonanz haben Sie auf Ihr Buch bekommen?

Schlingensiepen-Brysch: Im Verlag waren ja einige ganz sicher, das Buch würde nur die über 50 Jährigen interessieren. Unsere Erfahrungen zeigen dagegen, dass sich gerade viele junge Leute mit dem Thema beschäftigen. Die gehen ganz anders und weniger voreingenommen an die Homöopathie heran. Jenseits von alten, langweiligen Grabenkämpfen. Einige schrieben uns, sie haben das Buch an einem Tag durchgelesen.

Brysch: Auf meinem Jahrgangstreffen merkte ich beispielsweise, dass es viel Gesprächsbedarf zum Thema gibt. Vor allem junge Mediziner aber ebenso Betriebswirtschaftler wollten sich plötzlich den ganzen Abend über die Details unterhalten. Das hätte ich nicht erwartet.

Worauf beruht Ihre jahrelange Faszination für die Homöopathie?

Schlingensiepen-Brysch: So ähnlich hat mich das einmal der Verleger Kamphausen in der Küche gefragt. Und ohne zu überlegen sagte ich: Wissen Sie was, Homöopathie interessiert mich nicht. Mich interessiert eine einzige Frage. Was heilt? Und wenn ich morgen etwas entdecke, was regelmäßig tiefer heilen kann, als exakt verordnete Homöopathie, dann beschäftige ich mich ab morgen genau damit.

Foto: Schlingensiepen-Brysch

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